Die Legende der Frau am Kreuz

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Holzschnitt, Augsburg, 1470/80, aus dem Kloster Tegernsee, heute Bayerische Staatsbibliothek München

Das Bild einer Frau am Kreuz stößt heute im ersten Moment meist auf Unverständnis und wirkt sogar als Provokation. Aber über Jahrhunderte hinweg war die Frau am Kreuz Beschützerin für Menschen in Not. Doch wer war diese Frau und warum wurde sie gekreuzigt? Einer der ersten Legendentexte erzählt folgendes:

„Die hl. Jungfrau Wilgefortis … war Tochter des Königs von Portugal … In den Zeiten damals herrschte Krieg zwischen dem König von Portugal, ihrem Vater, und dem König von Sizilien. Um jenen Krieg zu beenden … kam folgender Vorschlag: Der König von Portugal sollte … dem König von Sizilien seine Tochter … zur Frau geben. Beide Könige kamen in dieser Sache überein … und sie wurde gefragt, ob sie dem Versprechen des Vaters zustimmen würde … Die Jungfrau … hat so geantwortet, dass sie … keinem anderen Mann gegeben werden wollte, außer dem gekreuzigten Gott … Von dieser Antwort waren die beiden Könige sehr … zornig und sie haben sie … in einen Kerker eingeschlossen …“ Im Gefängnis bat sie Gott um Hilfe, und der ließ ihr daraufhin einen Bart wachsen, sodass sie hässlich war. „Als der Vater sie so sah, mit dem Bart, … gelobte er mit zornigem Sinn: sie solle gekreuzigt werden …“

Die Pergamenthandschrift dieses Textes wurde 1884 entdeckt und stammt aus einer Handschriftensammlung des Benediktinerklosters Oostbroek bei Utrecht.

Die Ausstellung „Kümmernis – eine wieder und neu entdeckte Kultfigur“ ist noch bis zum 1. September 2018 im Frauenmuseum zu sehen. Gerne bieten wir auch geführte Rundgänge durch die Ausstellung.

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