Die kleine Iranerin mit den großen Träumen

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„Die Zukunft gehört jenen, die an die Schönheit ihrer Träume glauben“ – Eleanor Roosevelt

Quelle: Dietmar Hanner
Setare’s Nachwuchsmannschaft mit den Medaillen nach dem Pokalfinale

Dietmar Hanner berichtet von seiner Begegnung mit Setare: Fußballerin, Basketballerin, Trainerin…

Obwohl das österreichische Freizeitpartner Portal wogoal.com erst seit wenigen Monaten online ist, haben sich auch schon Mitglieder aus fernen Ländern registriert. Eine bemerkenswerte Bekanntschaft machte ich dabei mit einer 30-jährigen iranischen Basketball Nachwuchstrainerin. Ihre Erzählungen geben Einblick in ihr Leben. Den Träumen, Wünschen und Zielen einer Frau aus dem Iran, die während des ersten Golfkriegs geboren wurde.

Ihr persischer Name ist Setare. Sie erblickte im Jahr 1987 in Teheran das Licht der Welt. Seit 7 Jahren tobte damals bereits der Krieg mit dem Nachbarland Irak. Ihr Vater ist nach einem Giftgasangriff blind vom Schlachtfeld zurückgekehrt, und konnte das Aussehen seiner neugeborenen Tochter nur mehr erahnen. Sie wuchs mit 2 Brüdern und einer Schwester wohlbehütet in einem Bungalow im Osten der Stadt auf. Heute lebt sie mit ihren Geschwistern immer noch dort. Alle sind sie alleinstehend, und haben keine Ambitionen eine eigene Familie zu gründen.

Ihre große Leidenschaft entwickelte sich schnell, und das war der Fußball. Sobald sie einigermaßen gut laufen konnte, jagte sie auch schon dem runden Leder hinterher. Jede freie Minute spielte sie als einziges Mädchen mit den Jungs aus der Nachbarschaft, und obwohl sie klein und zierlich war, verschaffte sie mit ihrer sicheren Ballbehandlung und ihren unberechenbaren Haken schnell den Respekt der älteren Mitspieler. Als ihr mit 15 Jahren verboten wurde mit ihren Freunden vom anderen Geschlecht Fußball zu spielen weil sie ein Mädchen war, brach eine Welt für sie zusammen. Ihr erster großer Traum ist geplatzt. Sie konnte keine Fußballerin werden.

Erst nach einem Jahr konnte sie wieder in einem Teamsport aktiv werden, als sie alt genug war einem Damen Basketballverein beizutreten. Jetzt hatte sie ein neues Ziel, und einen neuen Traum. Im Basketball Erfolge feiern! Fortan entwickelte sich Basketball als ein Ersatzsport für ihren geliebten Fußball. Sie spielte Basketball, und im TV verpasste sie kein wichtiges Fußballspiel. Das Fernsehen war dabei ihre einzige Möglichkeit. Im Iran darf man ein Fußballstadion nämlich nur betreten, wenn man männlichen Geschlechts ist. Ihr Fachwissen über Fußball ist bemerkenswert. Als Fan der iranischen Nationalmannschaft und ihrer iranischen Lieblingsmannschaft Persepolis, verfolgt sie ebenso leidenschaftlich die englische Premier League, die deutsche Bundesliga, und natürlich die UEFA Champions League.

Höhepunkte ihrer Fußball Leidenschaft sind ohne Zweifel die Teilnahmen ihres Landes an Fußballweltmeisterschaften. Besonders die entscheidenden Qualifikationsspiele haben sich in ihr Gedächtnis eingebrannt. Eines der aufregendsten Play-Off Duelle war jenes im November 1997 gegen Australien für die WM 1998 in Frankreich. Noch heute erzählt sie von den damaligen Erlebnissen als Kind vor dem Fernseher. Das Heimspiel am 22. November 1997 fand vor 100.000 Zuschauern zu Hause im ausverkauften Azadi-Stadion statt und endete 1:1. Im Rückspiel führten die Australier nach 75 Spielminuten mit 2:0, und sahen wie der sichere Sieger aus, ehe Karim Bagheri und Khodadad Azizi innerhalb von fünf Minuten zwei Tore erzielten und die Iraner zur WM nach Frankreich schossen. Von diesem Spiel weiß sie heute noch jedes Detail, als wäre es gestern geschehen. Ihr Fußballtraum, er lebt weiter in den Erfolgen der iranischen Fußballnationalmannschaft, und erfüllt sie regelmäßig mit Stolz und Freude. Aber auch manchmal mit Trauer und Schmerz. Das Tor von Jürgen Klinsmann gegen ihr Land bei der WM 1998 in Frankreich, und sein anschließend provokantes Zerren am Tornetz, bereit ihr heute noch Übelkeit.

Ihre Karriere im Basketball kann sich durchaus sehen lassen. Und das trotz ihrer geringen Körpergröße. Denn mit ihren 1,60 Meter war sie die kleinste Spielerin im iranischen Damenbasketball. Ihre fehlende Größe kompensierte sie mit ihrer Schnell- und Wendigkeit. Durch ihren eisernen Willen und den Glauben an ihren Traum, hat sie nie an ihre körperlichen Defizite gedacht, sondern nur die Chancen gesehen die sich dadurch ergaben. Sie war schneller und wendiger als ihre großgewachsenen Gegenspielerinnen, und das kostete sie immer voll aus. Setare zählte jedes Mal zu den Leistungsträgern ihrer Teams. Ihr größter Erfolg war der Gewinn des iranischen Pokalbewerbes genannt „Basij“. Zwei Mal holte sie mit ihren Mannschaften den Meistertitel der zweiten Liga, ein Mal wurde sie in der dritten Liga Meister. Eine Saison in der ersten Liga blieb ihr allerdings verwehrt. Nach beiden Titelgewinnen in der zweiten Liga wechselte sie den Verein, und spielte weiter zweitklassig. Die Wechsel begründete sie einerseits mit einem schlechteren Klima in den Teams, nachdem die Aufstiege fest standen. Andererseits mit einer höheren finanziellen Belastung für sie. Denn um in der ersten Liga spielen zu dürfen, hätte sie mehr Geld gebraucht um sich das finanzieren zu können, als dies in der 2. Liga der Fall war. Um die 600 Euro hätte sie für eine Saison auftreiben müssen, um erste Liga spielen zu dürfen. Das war zuviel Geld für eine Studentin.

Ihre letzte Saison als aktive Spielerin – Setare hat die Nummer 13

Seit einigen Monaten hat sie nun ihre Karriere als Spielerin beendet. Nun möchte sie als Trainerin Fuß fassen. Ein neuer Traum ist wieder in ihr Leben getreten. Der Traum als Trainerin so viele Titel wie möglich zu gewinnen. Vorher muss sie aber erst Erfahrung sammeln. Die holt sie sich im Training mit dem Nachwuchs. Die großen Vorbilder als Trainer hat sie aber nur im Fußball: Jose Mourinho und Arsene Wenger.

Sie startet ihre Trainerkarriere auf jeden Fall sehr ambitioniert, und betreut sämtliche Jugendmannschaften ihres Vereins. Angefangen von den 6-jährigen bis hin zu den 18-jährigen Spielerinnen. Obwohl sie noch nicht einmal ein ganzes Jahr als Trainerin aktiv ist, hat sie bereits einen Erfolg verbuchen können. Eine ihrer Nachwuchsmannschaften erreichte in der vergangenen Saison das Pokalfinale. Leider reichte es dann nicht zum ganz großen Erfolg, aber für den Anfang war das Erreichen des Endspiels schon eine ganz ordentliche Leistung.

Setare arbeitet gerne mit jungen Menschen. Daher verwundert es nicht daß sie gerne hauptberuflich als Lehrkraft tätig sein möchte. Die Fächer Physik und Mathematik würde sie gerne unterrichten. Am besten als Professorin an einer Universität. Bald soll sie auch an diesem Ziel sein.

Auf dem Freizeitpartner Portal wogoal.com sucht sie vor allem Kontakt zu anderen Basketballtrainern. Einen hat sie schon gefunden. Ein US-Amerikaner, selbst langjähriger Basketballspieler und Trainer, gibt ihr hilfreiche Tipps und Tricks wie man richtig trainiert, die Mannschaft einstellt, und welche Feinabstimmungen man berücksichtigen muss, um knappe Partien für sich entscheiden zu können. Ich würde es ihr wünschen wenn sie mit der Hilfe aus dem Internet ihren derzeit größten Traum einmal in die Realität umsetzen könnte. Als Trainerin den Meistertitel der ersten iranischen Basketballfrauenliga zu gewinnen.

– Dietmar Hanner

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