Ein mutiges Buch

0

Die Harvard-Absolventin Winnie M Li hat ein mutgies Buch über ihre eigene Vergewaltigung geschrieben und damit ein wichtiges Thema angesprochen. „Dark Chapter“ wird kommendes Jahr auch in Deutsch erscheinen. Das Besondere daran ist, dass sie nicht nur aus ihrer eigenen Perspektive schreibt, sondern auch die Sicht des Täters miteinbezieht.

Winnie M Li war eine erfolgreiche Filmproduzentin und kam 2008 zu einer Konferenz nach Belfast. Einen Tag widmete sie auch einer Wanderung, ihrem liebsten Hobby, wobei es zu dem Überfall kam, der ihr Leben verändern sollte. Sie brauchte einige Jahre, um die Vergewaltigung zu verarbeiten, aber vollkommen erholen kann sie sich davon wohl nie. Schon bald danach hatte sie die Idee zu dem Buch, vor allem deshalb, weil ihr seit dem Verbrechen zwei Fragen nicht mehr aus dem Kopf gingen. Eine war die Frage, was denn einen 15-jähigen Jungen dazu bringen könnte, diese Art von Gewalt an einer völlig fremden Person zu verüben und was der Auslöser dieses Moments war. Die andere Frage war, ob er wohl die leiseste Ahnung hatte, welchen Einfluss seine Tat auf ihr Leben haben würde. Winnie M Li wird im realen Leben wohl nie die Antworten auf diese Fragen bekommen, aber in ihrem Roman versucht sie ihnen auf den Grund zu gehen. Der Junge in dem Buch ist frei erfunden, doch das Umfeld, aus dem er kommt, stimmt mit der Realität überein. Die Recherchen dazu haben es ihr erleichtert seine Tat – nicht zu vergeben – aber zu verstehen.

Mit viel Zeit und harter Arbeit hat es Winnie M Li geschafft wieder ein funktionierendes Leben zu beginnen, wenn sie auch nicht in ihr altes Leben zurückgekehrt ist. Heute spricht sie offen über ihre Vergewaltigung, auch deshalb, weil ihr selbst die Erfahrungen von anderen in der Überwindung ihres Traumas geholfen haben. Wichtig war für sie auch das Verständnis ihres Freundeskreises und das Beratungsangebot. Für die Verarbeitung so eines Erlebnisses gibt es keine Rezeptlösung, aber professionelle Hilfe ist auf jeden Fall wichtig, so Winnie M Li.

 

Harvard-Absolventin schreibt ein Buch über ihre eigene Vergewaltigung

Leave A Reply