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Frauenmuseum | Museo delle donne

Zitat zum Montag

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Aller (Wochen-)Anfang ist schwer ;). Mit einem guten Spruch oder Zitat wollen wir euch das erleichtern. ichfrau wünscht einen guten Start in die Woche!

„Es geht nicht nur um Hoffnung und Ideen. Es geht um Taten.“

Und von Taten und Aktionismus im Leben von Shirin Ebadi (*1947) ließe sich viel erzählen. Die iranische Rechtsanwältin, Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin lebt(e) ein bewegtes Leben und feiert heute ihren 74. Geburtstag – herzliche Glückwünsche und viel Kraft für den weiteren Weg! Eine starke Frau, mögen sich viele weitere an ihr ein Vorbild nehmen. Shirin Ebadi war auch schon zu Gast bei uns im Frauenmuseum und in Meran – sie ist nämlich die Patin des Internationalen Netzwerks der Frauenmuseen (IAWM).

Wer mehr über ihren lebenslangen Einsatz für Menschenrechte und eine gerechtere Welt erfahren möchte – hier noch einige Eckpunkte ihrer Biographie aus fembio:

Mit 23 trat sie ihre erste Stelle als jüngste und bald auch bekannteste Richterin am Teheraner Gericht an.

Wie die meisten Intellektuellen, die von der Prunksucht des Schahregimes und den Übergriffen der Geheimpolizei »Savak« angewidert waren, begrüßte sie 1979 die islamische Revolution Khomeinis. Schnell wurde ihr aber klar, daß »diese Revolution ihre Schwestern fressen könnte«. Das neue Strafrecht orientierte sich an 1400 Jahre alten islamischen Prinzipien, »Tugendkomitees« sorgten mit brutalen Methoden für die Einhaltung der neuen Bekleidungsvorschriften – ein Rückfall in die Zeit der totalen Kontrolle über Töchter und Ehefrauen. 1980 wurde Ebadi, ebenso wie alle ihre Kolleginnen, aus dem Richteramt entlassen, sie wurde zur Schreibkraft beim Gericht degradiert. Monatelang erschien sie jeden Tag pünktlich in ihrer Dienststelle, weigerte sich aber, die ihr zugewiesene Arbeit zu übernehmen. […]

Erst 1992 durfte sie wieder als Anwältin arbeiten, verteidigte unter Verzicht auf ihr Honorar Regimegegner und deren Angehörige und brachte besonders grausame Fälle von Frauen- und Kindesmisshandlung an die Öffentlichkeit. Mit ihrem 1994 gegründeten Kinderschutzbund kämpfte sie u.a. dagegen, dass Kinder bei einer Scheidung grundsätzlich dem Vater zugesprochen werden – eine Regelung, die viele Frauen dazu zwingt (denn welche Mutter wird ihr Kind freiwillig verlassen?), in leidvollen Eheverhältnissen auszuharren. Mit Publikationen und Gesetzesinitiativen versuchte Ebadi, Gleichberechtigung von Frauen innerhalb des islamischen Rechtssystems durchzusetzen: »Nicht die Religion ist die Fessel der Frauen.«

Im Auftrag der kleinen Gruppe weiblicher Parlamentsabgeordneter erarbeitete sie einen Gesetzentwurf für ein »mit dem Islam verträgliches« Familienrecht — die Vorlage wurde abgelehnt, so dass die Iranerinnen weiterhin die Erlaubnis ihres Mannes (!) brauchen, um sich scheiden zu lassen.

Wie gefährlich ihr politisches Engagement ist, musste Ebadi mehrfach am eigenen Leib erfahren. In den Gerichtsunterlagen zum Mord an dem Ehepaar Forouhar, regimekritischen Intellektuellen, entdeckte sie auch ihren Namen auf der Liste des Todeskommandos. Im Sommer 2000 wurde sie verhaftet und verbrachte schreckliche Wochen im berüchtigten Evin-Gefängnis, nachdem sie Beweise veröffentlicht hatte, dass die gewaltsamen Aktionen gegen Studenten im Vorjahr – es hatte mehrere Tote und Tausende von Verletzten gegeben – auf Veranlassung von zwei der bekanntesten Mullahs im Land durchgeführt worden waren.

Während die iranische Regierung die Verleihung des Nobelpreises an ihre prominenteste Gegnerin zunächst mit Schweigen überging, mehren sich in den letzten Jahren die Repressalien. Ebadis Büro in Teheran, von ihrer Menschenrechtsorganisation als Versammlungsort genutzt, wurde geschlossen, die Nobelpreismedaille und -urkunde beschlagnahmt, ihr Bankkonto mit dem Preisgeld gesperrt. Nach der umstrittenen Wiederwahl des Präsidenten Ahmadinedschad im Juni 2009 kehrte Ebadi von einer ihrer zahlreichen Auslandsreisen aus Angst vor Verhaftung nicht wieder in den Iran zurück, seitdem wird sie durch Angriffe gegen ihr nahestehende Menschen – die Methode aller totalitären Systeme – unter Druck gesetzt: Ihre Mitstreiterin Narges Mohammadi, die in ihrer Abwesenheit den Menschenrechtsverein leitete, wurde verhaftet, ebenso Ebadis Schwester. 2010 musste sich ihr Mann, der Elektroingenieur Javad Tavassolian, der sich nie politisch engagiert hatte, die Aktivitäten seiner Frau aber immer unterstützte, im staatlichen Fernsehen von Ebadi distanzieren, sie sei eine »schlechte Gattin« und »politisch fehlgeleitet«.

Doch Shirin Ebadi gibt nicht auf. Immer wieder setzt sie sich für iranische Oppositionelle, wie die ohne Begründung inhaftierte Anwaltskollegin Nasrin Sotoudeh, ein und ermahnt die Weltöffentlichkeit, über dem iranischen Atomkonflikt die Menschenrechtsverletzungen des Regimes nicht zu vergessen.

Hier geht’s zu unserer Zitat-Sammlung.

Yvonne Rauter

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