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Zitat zum Montag

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Aller (Wochen-)Anfang ist schwer ;-). Mit einem guten, manchmal aus der Seele sprechenden, manchmal witzigen Spruch oder Zitat wollen wir euch das erleichtern. ichfrau wünscht einen guten Start in die Woche!

Diese Woche mit Harriet Straub

Harriet Straub, geboren als Maria Hedwig Luitgardis Straub, war eine deutsche Ärztin und Schriftstellerin, die unter ihrem Pseudonym bedeutende literarische Werke über Frauenemanzipation und ihre Erfahrungen in der Sahara veröffentlichte.

Maria Hedwig Luitgardis Straub wurde am 20. Januar 1872 in Emmendingen geboren und wuchs in einem sehr restriktiven religiösen Umfeld auf. Nach dem Tod ihrer Mutter verließ sie die Heimat und besuchte in Berlin die Gymnasialkurse für Frauen bei Helene Lange, wodurch sie mit der bürgerlichen Frauenbewegung in Kontakt kam. Straub studierte Medizin und Philosophie in Berlin und Paris und legte das medizinische Staatsexamen ab, womit sie zu den ersten promovierten Ärztinnen ihrer Zeit gehörte.

Ärztliche Laufbahn    

Ab 1898 arbeitete Harriet Straub im Auftrag der französischen Regierung als Ärztin in Algerien und in der Sahara. Dort setzte sie sich insbesondere für die Gesundheitsversorgung der Beduininnen ein und bereiste Städte wie Tunis, Algier, Timbuktu und Tamanrasset. Ihre Erlebnisse in Afrika verarbeitete sie in zahlreichen literarischen Werken, die Einblicke in das Leben der Frauen in der Wüste geben.

Literarisches und kulturelles Wirken 

Straub veröffentlichte die meisten ihrer Werke unter dem Pseudonym Harriet Straub, einige auch unter ihren Ehenamen Hedwig Silles-O’Cunningham oder Hedwig Mauthner.
1909 zog sie mit ihrem dritten Ehemann, dem Schriftsteller und Philosophen Fritz Mauthner, in das „Glaserhäusle“ in Meersburg. Dort unterstützte sie Mauthner bei seinem „Wörterbuch der Philosophie“ und schrieb weiterhin eigene Werke.

Ihr literarisches Schaffen umfasst:

– **Rupertsweiler Leut’** (1912) – Frauengeschichten aus einem Dorf

– **Zerrissene Briefe** (1914) – radikale Kritik der Geschlechterrollen

– **Heiße Sonne** (1914), **Aischa** (1914), **Der schwarze Panther** (1916) – kurze Erzählungen

– Weitere Werke über die Sahara und spirituelle Erfahrungen

Straubs Werke zeichnen sich durch eine feministische Perspektive aus und kritisieren die Konventionen der damaligen Gesellschaft.Sie nutzte ihre Texte, um von der Rolle der Frau als Ehefrau, Hausfrau und Mutter zu emanzipieren und gesellschaftliche Zwänge infrage zu stellen.

Späte Jahre und Tod   

Nach dem Tod ihres Mannes 1923 lebte Harriet Straub zurückgezogen im Glaserhäusle in Meersburg. Unter dem Nationalsozialismus wurde ihr Schreibverbot erteilt, die Rente gestrichen, und sie sollte den Judenstern tragen.
Mit Hilfe von Freunden überlebte sie diese Zeit. Harriet Straub starb am 20. Juni 1945 in Meersburg und wurde auf dem gemeinsamen Grab mit Fritz Mauthner bestattet. Der Grabstein trägt die Aufschrift **„Vom Menschsein erlöst“**, was symbolisch für ihr Leben und ihr Streben nach persönlicher Freiheit steht.

Bedeutung 

Harriet Straub gilt als eine der wenigen Frauen ihrer Zeit, die sowohl als Ärztin als auch als Schriftstellerin bemerkenswerte Unabhängigkeit bewahrten. Ihre Werke sind Zeugnisse feministischer Emanzipation und sozialer Kritik sowie dokumentierte Erfahrungen aus der kolonialen Sahara, die bis heute literarisch und historisch von Bedeutung sind.

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