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Der Biograph der Frauen

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Reisende Frauen, Schreibende Frauen, Geheimnisvolle Frauen, First Ladys… Der in Berlin lebende Schriftsteller Armin Strohmeyr folgt in seinen Biografien immer wieder den Lebensgeschichten von Frauen. Er folgt den spannenden Biografien oft verkannter Persönlichkeiten und bewahrt sie vor dem Vergessen. Im Interview erzählt er von seiner Biographie über Sophie von La Roche, wie er dazu kam, besondere Frauen zu porträtieren und wie er dabei vorgeht.

Armin Strohmeyr bei der Buchvorstellung im Frauenmuseum

Was hat Sie dazu bewegt, Biografien und Geschichten von Frauen aufzuschreiben?

Ich habe zwar nicht nur über Frauen publiziert, aber es stimmt, ein gewisser Fokus auf Frauenporträts, Frauenbiografien hat sich im Lauf der Jahre ergeben.

Es ging los 2011 als ich eine dicke Biografie über Annette Kolb geschrieben habe, die große Münchner Schriftstellerin, die große Exil-Autorin.

Wenn man einmal anfängt sich als Biograf sich mit einer Person intensiv auseinanderzusetzen, dann ergibt sich im Lauf der Zeit eine Art Netz. Man wird auf bestimmte Personen aufmerksam und fängt an weiter zu forschen, weiter zu lesen. Und das entfacht auch einen gewissen literarischen Hunger.

So war es auch bei Sophie von La Roche. Ich hab vor ungefähr 15 Jahren ein Buch über die Frauen der Familie Brentano geschrieben, die alle über Jahrhunderte hinweg künstlerisch und literarisch tätig waren. Sophie von La Roche war ja die Großmutter von Clemens und Bettine Brentano. So erwuchs die Biografie über die Sophie von La Roche aus dem anderen Buch. Ich wollte auch sie in einer eigenen großen Biografie würdigen.

Wie gehen Sie bei der Recherche vor?

Ich lerne das Werk einer Autorin gut kennen. Dann suche ich nach Informationen in Archiven und Nachlässen. Bei Sophie von La Roche war es etwas schwieriger, da ihre Briefe etwas weit verstreut liegen, aber es gibt inzwischen Briefausgaben von ihr, sodass ich auch auf Editionen zurückgreifen konnte, die andere erstellt haben.

Sie haben auch Bücher geschrieben über Frauengruppen wie zum Beispiel „Weltensammlerinnen – Spektakuläre Reiseabenteuer mutiger Frauen“ oder „Abenteuer reisender Frauen – 15 Porträts“.

Im 18. Und 19. Jahrhunderts waren es meist adeligen Frauen vorbehalten, abenteuerliche Reisen zu unternehmen. Da war es wirklich eine Reise der Bildung und des Abenteuers, während Wissenschaftlerinnen erst im Laufe des 20. Jahrhunderts angefangen haben, die Welt zu bereisen zum Beispiel als Geografinnen.

Sophie von La Roche brach im 19. Jahrhundert auf, zwar nicht nach Übersee, aber sie reiste innerhalb Europas nach England, Holland, Frankreich und mehrmals in die Schweiz. Sie genoss die Freiheiten einer älteren Frau, die Erfolgsautorin war, die vom Schreiben leben konnte, ihre Kinder waren versorgt, ihr Mann – Georg Michael Frank La Roche – hatte eine gebrochene Karriere hinter sich und lebte nun als innerlich gebrochener Mann zu Hause und war auch schon sehr krank. Aus dieser Freiheit heraus konnte Sophie von La Roche ihre Reisen unternehmen und sehr spannende Reisetagebücher darüber schreiben.

Das Leben der Sophie von La Roche, Bild: Südverlag.

Kürzlich hat Armin Strohmeyr im Frauenmuseum in Meran seine Biographie über Sophie von La Roche vorgestellt. Sie war nicht nur die erste Frau in Deutschland, die von der Schriftstellerei leben konnte, sondern führte ein interessantes und  eigenständiges Leben, das es wert ist, in einer Biographie erzählt zu werden. Dabei folgt Armin Strohmey nicht nur präzise den geschichtlichen Gegebenheiten der Persönlichkeiten, sondern zeichnet auch einfühlsame Bilder der Kulturgeschichte der jeweiligen Zeit.

 

Sigrid Prader & Judith Mittelberger

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