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Wir müssen über Rassismus reden

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Am kommenden Montag um 18:30 Uhr wird in der Aula D1.04 der Freien Universität Bozen die interaktive Lesung „exit RACISM“ mit Autorin Tupoka Ogette abgehalten. Organisiert ist die Veranstaltung vom Netzwerk der Südtiroler Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit. In ihrer Einladung ist zu lesen:

Obwohl Rassismus in allen Bereichen unserer Gesellschaft wirkt, ist es nicht leicht, über ihn zu sprechen.
Keiner möchte rassistisch sein – und viele Menschen scheuen den Begriff.
Mit ihrem aktuellen Buch „Exit RACISM. Rassismuskritisch denken lernen“ nimmt uns Tupoka Ogette mit auf eine Reise. Die ausgewiesene Expertin für Vielfalt und Antidiskriminierung gibt ihren Leser/innen dabei konkretes Wissen über die Geschichte des Rassismus und dessen Wirkungsweisen und unterstützt sie in der emotionalen Auseinandersetzung bei ihrer mitunter ersten Beschäftigung mit dem eigenen Rassismus.

Die Diversity-Trainerin wird einige Ausschnitte aus dem Buch vorlesen und zwischendrin immer wieder Audioaufnahmen der Erfahrungen von Teilnehmenden vergangener Seminare abspielen.
Das Publikum bekommt die Möglichkeit, sich mit der Autorin zu dem Gehörten auszutauschen und dabei selbst eine aktive Rolle in der Auseinandersetzung mit Rassismus einzunehmen.

 

Wir haben über Ivo Passler und Fouzia Wamaitha Kinyanjuidie die Möglichkeit erhalten, die Autorin Tupoka Ogette zu interviewen.
Bitte stellen Sie sich kurz selbst vor:

Mein Name ist Tupoka Ogette. Ich habe mich beruflich auf Rassismus und dessen gesellschaftlichen Folgen spezialisiert. Zudem bin ich aktivistisch tätig und Autorin.

Sie haben das Buch Exit Racism geschrieben. Was ist die Kernaussage und wie kam es dazu?

Exit Racism ist entstanden, nachdem ich mit Hunderten Menschen über das Thema Rassismus gesprochen habe. Sowohl privat als auch beruflich. Und ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, über das Thema zu sprechen, wie viele Mythen sich um das Thema ranken und wie groß die Unsicherheiten sind. Gleichzeitig wirkt Rassismus täglich und in allen Bereichen. Wir brauchen diese Gespräche dringend.  Exit Racism ist ein interaktives Mitmachbuch. Ich wollte quasi einen lesbaren Workshop schaffen.

Das interaktive Mitmachbuch von Tupoka Ogette

Die Kernaussage ist: Wir alle sind rassistisch sozialisiert. Und um rassismusärmere Räume zu schaffen, müssen wir lernen, darüber zu reden.

 

Wie definieren Sie Rassismus?

Rassismus ist Vorurteil plus Macht. Diese Vorurteile sind rassifiziert, die Macht ist gesellschaftlich zu verstehen. Rassismus wirkt individuell, institutionell, strukturell und als Ideologie.

 

Niemand will rassistisch sein und dennoch sind wir es. Was würden Sie ungewollten Rassist*innen raten?

Sich auf den rassimuskritischen Weg zu machen. Und zwar schnell. 🙂 Möglichst viel zu lernen darüber, wie diese Sozialisierung funktioniert. Es ist kein leichter Weg, aber er lohnt sich. Für alle.

 

Eine befreundete afroamerikanische Universitätsprofessorin sagte mal zu mir: Wenn du nicht nur ein Lippenbekenntnis ablegen willst, dann gib einen Teil deiner Privilegien an die ab, die sie nicht haben. Was sagen Sie dazu?

Gesellschaftliche Privilegien abzugeben ist nicht möglich. Ich glaube auch nicht, dass die Professorin das gemeint hat. Aber punktuell kann ich natürlich meine Privilegien nutzen. Dies kann ich auch, indem ich mich zurücknehme, Räume andern überlasse, Platz mache.

 

Sie arbeiten mit Ihrem Mann konkret auch mit den Menschen zum Thema Rassimus. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Wir leiten Workshops in kleinen Vereinen und in großen Konzernen. In der Entwicklungszusammenarbeit und den Wohlfahrtsverbänden. Wir arbeiten mit Eltern Schwarzer Kinder und Multiplikator*innen im gesamten Bildungssystem.

Tupoka Ogette und ihr Mann Stephen Lawson, Foto: Privatbesitz

Wir geben Keynotes und beraten Menschen. Es ist eine sehr anstrengende, aber gleichzeitig sehr bereichernde Arbeit. Wir schauen in die Abgründe, die Rassismus geschaffen hat, hören viele Geschichten des Schmerzes und der Angst. Aber wir erleben auch unglaublichen Widerstand, Mut, Engagement und Hoffnung.

Vielen Dank für das Interview, Frau Ogette!

Mehr zu Tupoka Ogette und Stephen Lawson findet ihr hier.

(Autorin des Beitrags: Astrid Schönweger)

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