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„Das ist gerecht!“

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Über das Frauen*Volksbegehren 2.0 in Österreich haben wir Ende des letzten Jahres schon einmal berichtet. Frau Mag.a Elisabeth Grabner-Niel, die Koordinatorin der Initiative in Innsbruck, hatte uns in einem schriftlichen Interview eine Reihe von Fragen zur Initiative beantwortet. Gestern Abend war eine Gruppe von Aktionistas* des Frauen*Volksbegehrens 2.0 aus Tirol dann auch persönlich zu Gast im Frauenmuseum in Meran, um die einzelnen Punkte des Frauen*Volksbegehrens nochmals genauer vorzustellen und um uns über den aktuellen Stand der Dinge zu informieren.

Vier Aktionistas* des Frauen*Volksbegehrens 2.0 im Frauenmusuem Meran. Von links nach rechts: Stefan Felderer, Daniela Schwienbacher, Elisabeth Grabner-Niel und Max Preglau

Das Frauen*Volksbegehren 2.0 stellt insgesamt 9 Forderungen, die eng miteinander verwoben sind, sich thematisch aber unter 3 Schwerpunkte fassen lassen:

1) Recht auf Gleichwertigkeit

Frauen* machen mehr als 50% der Bevölkerung aus. Wirft man allerdings einen Blick auf die Führungs- oder Entscheidungspositionen in Wirtschaft und Politik, findet man dort nach wie vor nur sehr wenige Frauen*. Damit ist verbunden, dass in den Bereichen der Politik und Wirtschaft bestimmte Perspektiven, Positionen, Anliegen und Probleme nicht repräsentiert, nicht diskutiert und nicht ernst genommen werden. Um eine angemessenere Repräsentation zu gewährleisten fordert das Frauen*Volksbegehren 2.0 für alle Ebenen in Wirtschaft und Politik die Pflicht einer Geschlechterquote von 50%.

Ausschnitt aus einem Folder des Frauen*Volksbegehrens 2.0

Jedes Jahr macht der Equal Pay Day in verschiedenen Ländern auf den „Gender Pay Gap“ – d.h. auf den Einkommensunterschied zwischen Männern* und Frauen* aufmerksam. Trotz gleicher Qualifikation, trotz gleicher Arbeitszeit und durch alle Berufsfelder hindurch verdienen Frauen* immer noch weniger als Männer*. Das Frauen*Volksbegehren 2.0 fordert daher eine faire Bewertung von Arbeit sowie mehr Transparenz hinsichtlich der Gehälter, damit deren offener Vergleich möglich wird.

Ausschnitt aus einem Folder des Frauen*Volksbegehrens 2.0

Eine weitere Problematik ist, dass auch heute noch die unbezahlte Haus-, Pflege- und Sorgearbeit zu zwei Dritteln von Frauen* geleistet wird. Die Zeit, neben diesen Tätigkeiten auch noch einer Lohnarbeit nachzugehen ist knapp, weshalb sich Frauen* häufig in befristeten, niedrig entlohnten Teilzeitarbeiten wiederfinden. Um die unbezahlte, aber auch die bezahlte Arbeit gerechter zu verteilen, fordert das Frauen*Volksbegehren 2.0 eine 30-Stunden-Woche für alle.

Ausschnitt aus einem Folder des Frauen*Volksbegehrens 2.0

 

2) Recht auf Vielfalt

Armut kann Frauen* in verschiedenen Abschnitten ihres Lebens treffen. Besonders schwer bis existenzbedrohend trifft Armut alleinerziehende Frauen*, wenn das andere Elternteil den Zahlungen des Kindesunterhalts nicht nachkommt. Das Frauen*Volksbegehren 2.0 fordert daher einen staatlichen Unterhaltsvorschuss zur Existenzsicherung.

Ausschnitt aus einem Folder des Frauen*Volksbegehrens 2.0

Familie und Arbeit zu vereinen oder nach der Geburt wieder in die Arbeitswelt einzusteigen ist für Frauen* oft nicht leicht. Erschwert wird diese Situation dadurch, dass Einrichtungen oder Angebote zur Kinderbetreuung oft entweder fehlen oder zu teuer sind. Um diese Situation zu verändern, fordert das Frauen*Volksbegehren 2.0 für Eltern, die dies in Anspruch nehmen möchten, einen Rechtsanspruch „auf kostenlose, qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, die mit einem Vollzeitjob vereinbar ist.“ (Lena Jäger, S. 26)

Ausschnitt aus einem Folder des Frauen*Volksbegehrens 2.0

Von Werbung, über Spielzeug, bis hin zu Schulbüchern – in unserer Gesellschaft wird in den verschiedensten Bereichen sehr stark mit klischeehaften und stereotypen Bildern und Vorstellungen von Männern* und Frauen* gearbeitet. Frauen* werden dabei oft als schwach, dümmlich oder rein auf ihr Aussehen reduziert dargestellt. Andere Bilder von klugen, starken, mutigen oder erfolgreichen Frauen* sind in der Unterzahl. Da sich derartige Rollenbilder auf den weiteren Lebensverlauf von jungen Menschen, auf ihre Berufswahl und auf ihre Gesundheit (physisch und psychisch) negativ auswirken, fordert das Frauen*Volksbegehren ein Verbot für sexistische Werbung sowie eine Förderung von Medieninhalten, die frei von Klischees sind. Nur so kann mehr Respekt für alle Geschlechter erreicht werden.

Ausschnitt aus einem Folder des Frauen*Volksbegehrens 2.0

3) Recht auf Sicherheit

Eine Grundvoraussetzung, um Gewalt zu verhindern und selbstbestimmt über den eignen Körper entscheiden zu können, ist Verständnis und Wissen. Insbesondere beim Aufklärungsunterricht wird aber immer wieder festgestellt, wie großes Unwissen rund um den weiblichen Körper und weibliche Sexualität herrscht. Deshalb fordert das Frauenvolksbegehren 2.0 nachhaltige sexuelle Bildung. Zur Selbstbestimmung über den eigenen Körper gehört auch der Zugang zu gratis Verhütungsmitteln und zu den gesetzlich möglichen Schwangerschaftsabbrüchen, die leider in Österreich nicht überall gewährleistet sind. Auch das sind Forderungen des Frauenvolksbegehren 2.0.

Ausschnitt aus einem Folder des Frauen*Volksbegehrens 2.0

Die Zahlen von Frauen die weltweit, aber auch Europaweit von Gewalt betroffen sind, sind immer wieder erschütternd. In Österreich erlebt jede fünfte Frau* über 15 körperliche Gewalt und sogar fast drei Viertel der Frauen* sexuelle Belästigung. Betroffen sind alle Gesellschaftsschichten und Altersgruppen, ob Einheimische oder Zugewanderte. Wird dieses Thema öffentlich angesprochen, scheinen sich viele einig – es muss dringend was getan werden. Meistens handelt es sich dabei allerdings um eine rhetorische Zustimmung und der breite (auch finanzielle) Einsatz in Gewaltprävention bleibt aus. Deshalb fordert das Frauenvolksbegehren eine rasche Offensive für Gewaltschutz und -Prävention.

Ausschnitt aus einem Folder des Frauen*Volksbegehrens 2.0

Frauen*, Mädchen* und LGBTQI auf der Flucht sind besonders ungeschützt und werden immer wieder auch in Flüchtlingsunterkünften Opfer von sexueller Gewalt und Menschenhandel. Das Asylrecht in Österreich gewährt hier aktuell noch nicht ausreichend Schutz. Aus diesem Grund fordert das Frauenvolksbegehren 2.0 hier ein besonderes Augenmerk auf Frauen* und Mädchen* zu legen. Beispielsweise sollen Flüchtlingsunterkünfte geschlechtsspezifische Schutzräume, Sanitäranlagen und besondere medizinische Versorgung für diese bieten.

Ausschnitt aus einem Folder des Frauen*Volksbegehrens 2.0

Wir danken den Aktionistas des Frauenvolksbegehrens 2.0 für die umfangreiche Einführung in die Problematiken und ihre Forderungen. Wenn auch die aktuelle Situation in Südtirol bzw. Italien in einigen Punkten etwas von der Österreichischen Realität abweicht, so sind die grundlegenden Herausforderungen doch die selben. Nicht zuletzt auch deshalb, da es sich bei Geschlechter-Ungerechtigkeiten um gesellschaftliche Strukturen handelt, die nicht an einer Länder-Grenze halt machen. Umso wichtiger ist der Austausch und das Netzwerken über diese Grenzen hinweg.

 

Für mehr Informationen:

Lena Jäger (2018). Frauen*Volksbegehren 2.0 – Eines für alle, in: aep informationen, 45(2), Innsbruck, S. 16-35.

www.frauenvolksbegehren.at
tirol@frauenvolksbegehren.at

 

Autorinnen: Yvonne Rauter & Judith Mittelberger

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