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Von der Kunst des Erzählens

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Unsere Frau des Monats Dezember: Romina Casagrande

“Meine eigenen Geschichten zu entwerfen, war eine Erfahrung, die mein Leben verändert hat.“ Romina Casagrande ist Autorin mehrerer Romane. Wir haben sie gefragt, wie sie zur Schriftstellerin wurde, was daran schön und was schwierig ist.

Woher kam deine Lust am Schreiben?

Meine Liebe zum Schreiben kommt von meiner Leidenschaft für Bücher. Meine eigenen Geschichten zu entwerfen, war eine Erfahrung, die mein Leben verändert hat.

Le ragazze con le calze grigie, Romina Casagrande, 2018
Dein letzter Roman „Le ragazze con le calze grigie“ ist 2018 erschienen. Du hast ihn bereits im Frauenmuseum vorgestellt. Er erzählt vom Leben des Wiener Künstlers Egon Schiele aus der Sichtweise von Frauen. Wie bist du zu diesem Thema gekommen?

Vor einigen Jahren war ich von seinem letzten Gemälde „Die Familie“ in der Belvedere Galerie in Wien buchstäblich schockiert. Schiele malt dieses Bild einige Tage vor seinem Tod, kurz bevor er am spanischen Fieber stirbt. Er ist erst 28 Jahre alt und hat nach Jahren der Aufopferung und Enge erste Erfolge erzielt. Im Nebenzimmer liegt seine Frau Edith im Sterben, die im sechsten Monat mit ihrem ersten Kind schwanger und an demselben Fieber erkrankt ist.

Ausgehend von diesem Bild wollte ich die Geschichte eines Malers besser kennen lernen, für den Kunst und Leben so unauflöslich miteinander verbunden sind. Um einen Teil dieser Komplexität wiederzugeben, erzählte ich Schiele durch die Augen der beiden Frauen, die ihm lange Zeit nahe standen: Wally Neuzil, die sechzehnjährige Geliebte, und Edith Harms, die junge Ehefrau. Zwei sehr unterschiedliche Frauen aus gegensätzlichen Kulturen, Sozialisierungen und Rollen, die aber in gewissem Sinne doch eng verbunden sind, durch ihre Liebe zu einem sehr schwierigen Mann.

Die Buchvorstellung im Frauenmuseum war ein Fest für Augen und Ohren mit Literatur, Musik und Kunst.
Welcher ist der schwierigste Moment beim Schreiben eines Buches?

Das ist für mich die Überarbeitung. Wenn ich meine Geschichte so betrachten muss, als ob sie nicht mir gehörte und Teile oder Sätze für das gute Funktionieren des Romans opfern muss.

Wie näherst du dich, als Autorin, den Themen und Personen über die du schreibst?

Einen Roman zu schreiben ist eine anstrengende und sehr anspruchsvolle Arbeit, bei der alle Sinne, der Geist und das ganze Herz mitspielen.

Hast du bereits dein nächstes Projekt geplant?

Der nächste Roman wird einer ganz besonderen Frau gewidmet sein, die zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine Protagonistin des lebhaften Montmartre war. Eine Frau, Muse vieler großer Künstler, die aber auch selbst zu einer großen Malerin wurde, die von ihren Kollegen sehr geschätzt wurde: Suzanne Valadon. Eine starke Frau, welche die Kunst dazu benutzte, ihr Kind zu retten, an das sie ihr Können weitergab. Dieser Sohn ist der berühmte Künstler Maurice Utrillo.

Welche Lebens-Weisheit hast du im letzten Jahr gewonnen?

Ich denke, ein Gleichgewicht von Körper und Geist ist essenziell.

Wen bewunderst du?

Ich bewundere diejenigen, die ihren eigenen Weg und ihre Überzeugungen verfolgen mit Mut und Ehrlichkeit, selbst wenn sie gegen den Strom schwimmen. Diejenigen, die genau so sind, wie sie erscheinen, ohne Masken.

Was ist für dich Erfolg?

Erfolg bedeutet, stolz auf das zu sein, was man ist, sich selbst zu lieben, die Kraft zu haben, die eigenen Leidenschaften, das eigene Talent zu erkennen und das zu tun, wofür die eigenen Augen leuchten.

Dein Lebensmotto?

Das stammt von einem Mann, den ich bewundere und den ich für ein großartiges Beispiel halte, den heiligen Franz von Assisi: „Tu zuerst das Notwendige, dann das Mögliche, und plötzlich schaffst du das Unmögliche.“

Ich danke dem Frauenmuseum dafür, dass es mich willkommen geheißen hat und dass es das ist, was es ist: Ein aufrichtiger Blick auf die Welt, ein 360°-Blick, eine Reise durch die Geschichte mit allen Sinnen und dem Herzen.

Romina Casagrande

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