Von der Tischlermeisterin zur Dogsitterin

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Unsere Frau des Monats Februar: Petra Kuppelwieser

Petra erzählt, wie sie beruflich nochmals ganz von Neuem angefangen hat, von ihrer Leidenschaft für ihre vierbeinigen Kunden und von ihrem sozialen Engagement im Jugoslawienkrieg in den 1990er Jahren.

Petra, du bist gelernte Tischlermeisterin, was hat dich dazu gebracht, diesen Beruf zu ergreifen?

Für mich war es naheliegend, weil mein Vater eine Tischlerei hatte. Schon als Kind habe ich in der Werkstatt mitgeholfen und mich dann als Jugendliche dazu entschlossen, die Ausbildung zur Tischlerin zu machen. Für mich war es ein schöner und kreativer Beruf, wobei es natürlich körperlich nicht ganz so leicht war. 2002 habe ich gemeinsam mit einer Freundin die Werkstatt von meinem Vater übernommen.

Als der Jugoslawienkrieg ausgebrochen ist, hast du dich sozial engagiert. Wie ist es dazu gekommen?

Es war so, dass damals der Dekan bei uns im Dorf in Naturns, Georg Peer, eine Gruppe mit dem Gedanken gegründet hat, irgendwie zu helfen. Über diese Gruppe bin ich in Kontakt mit einer Frau gekommen, die gebürtig aus Sarajewo war, aber in Berlin lebte und in dieser Zeit die Bevölkerung in Jugoslawien stark unterstützt hat. Sie hat in Südtirol eine Vortragsreihe gehalten und war u.a. auch in Naturns. Es wurde klar, dass v.a. Hilfspakete für Flüchtlingslager gebraucht wurden. Ich habe die Organisation dieser Pakete übernommen. Sie wurden an einem Ort gesammelt, dann auf LKWs geladen und in die Flüchtlingslager geliefert. Einige dieser Transporte habe ich persönlich begleitet und beim Verteilen der Pakete geholfen. Wir haben stets Wert darauf gelegt, dass wir die Pakete nicht einfach abladen, sondern dass wir sie selbst an Familien und Bedürftige verteilen.

Das ist beeindruckend…

Ja, mir ist aufgefallen, dass die Leute, denen wir die Pakete übergeben haben, uns nicht ins Gesicht geschaut haben, sie haben immer weggeschaut. Später dachte ich, dass es wohl Scham war, weil sie vorher ein ganz normales Leben führten und nun Almosen annehmen mussten.

Wann und warum hat sich dein Berufsleben verändert?

Nach gut 30 Jahren habe ich gemerkt, dass mir diese Arbeit nicht mehr so viel Freude machte wie bisher. Ich hatte das Gefühl, dass dem Handwerk immer weniger Wertschätzung entgegengebracht und es nur mehr mit dem Angebot in den verschiedenen Möbelhäusern verglichen wurde.

2016 wollte ich mir ein ganzes Jahr Zeit lassen, um zu schauen, was mir beruflich zusagen würde. Ich habe einige Monate in einem Weinberg gearbeitet und bin dann aus purem Zufall auf den Job der Dogsitterin gestoßen.

Ich wollte immer schon gerne was mit Hunden machen, nur wusste ich nicht genau, wie ich das anstellen sollte. Von Neuem etwas anfangen, das ist nie so einfach. Doch hierbei wusste ich, dass es mir Spaß machen würde. So hab ich dann einfach die Werkstatt Ende 2016 abgemeldet und im Spätsommer 2016 mit Dogsitting angefangen.

Wie wird man zur Dogsitterin?

Bevor ich Dogsitterin wurde, war ich schon seit über 20 Jahren Hundebesitzerin und hatte seit 3 Jahren relativ viele Kurse bei einer Hundetrainerin aus Deutschland besucht. Aus diesem Grund konnte ich schon auf einen großen Erfahrungsschatz zurückgreifen, was Hunde angeht. Meinen ersten Auftrag hat als Dogsitterin hat sich einfach ergeben.

Ich halte immer noch die Augen nach Kursen oder Weiterbildungen offen. Zum Beispiel mache ich heuer im April ein Seminar zum Thema „Hundegesundheit“.

Was ist das Beste an deinem jetzigen Job?

Dass ich mit ganz vielen verschiedenen Hunderassen zu tun habe – egal, ob das nun reinrassige oder Mischlinge sind – und jeder Hund sein eigenes Wesen, seinen eigenen Charakter und seine eigenen Macken hat. Es ist spannend und auch immer wieder eine Herausforderung für mich, so ein Wesen zu führen.

Welches beeindruckende Erlebnis ist dir als Dogsitterin passiert?

Ich habe selbst 2 Windhunde und gehe auch noch mit 2 weiteren dieser Rassen spazieren. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wenn man die Hunde auf der Wiese laufen lässt und sieht, welche Geschwindigkeiten sie erreichen und wie sie miteinander zurechtkommen.

Welche Lebens-Weisheit hast du im letzten Jahr gewonnen?

Letzten Sommer wurde ich von einer Kuh attackiert und weiß jetzt, dass ich sicher nicht mehr ohne einen Stock an einer Kuh vorbeigehen werde.

Wen bewunderst du?

Die Hundetrainerin Monika Mosch. Wie sie mit ihren Hunden und mit denen von anderen umgeht. Da sehe ich, was ich alles noch lernen möchte.

Was ist für dich Erfolg?

Erfolg ist für mich, wenn ich mit einem Hund von einem anderen Besitzer spazieren gehe und sehe, wie ich es schaffe, ihn durch meine Körperhaltung und Körpersprache zu führen.

Dein Lebensmotto?

Ich liebe mein Leben, so wie es im Moment ist, und bin glücklich damit. Ich gehe positiv durchs Leben.

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