70 Jahre Frauenwahlrecht in Südtirol

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Anlässlich der kommenden Landtagswahlen möchten wir mal kurz die Geschichte aufrollen. Sooo lange ist es noch nicht her, dass Frauen wählen dürfen und sie  mussten stark um dieses Recht kämpfen.

Nahezu überall auf der Welt wurde alles Mögliche erfunden, um Frauen dieses Recht zu verweigern. An erster Stelle stand „die Natur“ der Frau. Mit allen Mitteln wurde versucht glaubhaft zu machen, dass es sich dabei nicht etwa um eine gesellschaftliche Zuweisung zu Kinder und Herd handle, sondern um ihr „ureigenes Wesen“.

In Skandinavien und Großbritannien befürchete man im 19. Jahrhunder Konflikte in der Familie, sodass nur ledige und verwitwete Frauen ein kommunales Wahlrecht erlaubt wurde, denn die Familie würde ja schon würdig von Ehemännern vertreten.

Bei uns in Italien, wie auch in Belgien oder Bulgarien hingegen war es genau umgekehrt. Verheiratete Mütter wurde das kommunale Wahlrecht zugestanden. Hier war die Begründung, dass sie „wertvoller“ waren. Komisch, zwischen Männern und Vätern hat man nie unterschieden, um sie zur Urne zu lassen …

Auswüchse dieser Art, um die antifeministische Haltung zu rechtfertigen, gab es noch einige: In Italien – wie auch in Österreich und Spanien – wurde Prostituierten das Walhrecht zunächst vorenthalten, in Griechenland mussten die Frauen eine bestimmte Schulbildung nachweisen, in England, Ungarn und Island mussten sie ein bestimmtes Alter haben.

Beim Frauenwahlrecht musste Frau gegen alle möglichen antifeministischen Barrieren ankämpfen. @pixabay

Hier ein paar Eckdaten:

  • 1853 wurde in Vélez in Kolumbien das Frauenwahlrecht eingeführt. Sie war die damit erste Stadt der Welt.
  • 1902 zog bei der Gründung des Commonwealth of Australia auch das Wahlrecht der Frauen in die Verfassung mit ein. Somit gilt Australien als der erste moderne eigenständige Staat der Welt.
  • 1906 haben die Frauen im ersten europäischen Land dieses Recht erkämpft: Finnland, damals noch russisches Großfürstentum. Als erstes Land der Welt galt neben dem passiven zugleich auch das aktive Wahlrecht.
  • 1918 wurde es in vielen Ländern eingeführt, so auch in Deutschland und Österreich. Dort wird heuer 100 Jahre Frauenwahlrecht gefeiert.
  • 1945 kam es erst zu uns nach Italien. Im Januar 1946 konnten die Italienerinnen zum ersten Mal wählen.
  • 1948 nahmen die Südtirolerinnen zum ersten Mal an den Landtagswahlen teil, wobei erst 1964 die ersten Landesrätinnen in den Landtag einzogen.
    Dennoch: Wir können hier in Südtirol 70 Jahre Urnengang bei unseren Wahlen im Herbst feiern!
Das Wahlrecht für Frauen hat sich nur sehr hart durchgesetzt und das ist alles noch gar nicht so lange her…@pixabay

Zur Info:

  • Europa: Liechtenstein gilt mit der Einführung 1984 als das letzte westeuropäische Land. Die Schweiz hatte zwar 1971 das Frauenwahlrecht eingeführt, aber es konnte sich nicht in allen Kantonen durchsetzen. Es brauchte eine Klage der Frauen vor dem Bundesgericht, dass sie 1990 im Kanton Appenzell Inerrhoden endlich zu den Wahlen zugelassen wurden.
  • Außerhalb Europa: Mit 2006 sind die Vereinigten Arabischen Emirate das Schlusslicht auf dieser Liste in der Welt. In Saudi-Arabien wurden den Frauen erst 2015 in den kommunalen Wahlen das aktive und passive Wahlrecht zugestanden.

Anlässlich der 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland hat das Kulturradio rbb von Berlin und Brandenburg eine Reihe spannender Sendungen ausgestrahlt und noch geplant. Auf dieser Seite ist ein Download möglich.

Eine Reihe spannender Beiträge zum 100-jährigen Frauenwahlrecht in Deutschland stellt das Kulturradio rbb bereit.

Eine gute Einstimmung zu den Landtagswahlen, nicht wahr?

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