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„Dafür lohnt es sich weiterhin zu kämpfen“

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IchFrau stellte den Kantidat_innen der Südtiroler Landtagswahlen 2018 drei Fragen zu Feminismus und Gender. Hier könnt ihr täglich die Antworten der Kandidat_innen lesen. Heute beantwortet Dr. Cristian Kollmann unsere Fragen:

Wie stehen Sie zu Feminismus und was ist Ihre Definition davon?

Feminismus bringe ich mit Frauenrechten und den diesbezüglichen Kampf in Verbindung. In der Tat darf es nicht sein, dass Frauen allein auf Grund ihres Geschlechts im Alltag, besonders im beruflichen, Nachteile erfahren, z.B. auf Grund von niedrigeren Löhnen oder schwierigeren Aufstiegsmöglichkeiten. In solchen Bereichen sind Bemühungen für eine völlige Gleichberechtigung auf jeden Fall zu unterstützen.

Was hat Gender in der Politik zu suchen?

„Gender“ ist für mich ein zunehmend inflationär verwendeter sprachpolitischer Kampfbegriff, dem ich aus linguistischer Sicht – ich bin selbst Sprachwissenschaftler – wenig abgewinnen kann. Der Identität des Geschlechts auf politischer Ebene Rechnung zu tragen, ist durchaus zu begrüßen, doch aus linguistischer Sicht wird traditionell zwischen biologischem Geschlecht (Sexus) und grammatischem Geschlecht (Genus) unterschieden. Das grammatische Geschlecht (der, die, das) stimmt nicht zwangsläufig mit dem tatsächlichen biologischen Geschecht des Individuums überein (z.B. der Gast, die Person, das Mädchen). Daraus ergibt sich, dass auch maskuline Formen, die aus grammatischer Sicht zu weiblichen Formen movierbar sind, nicht exklusiv das männliche Sexus vertreten (z.B. impliziert „der Bürger“ auch weibliche Personen). Wollte man die Movierung von männlichen Begriffen (Substantiven, Personalpronomen, Possessivpronomen) konsequent anwenden, würde die Lesbarkeit bzw. Sprechbarkeit des Textes und somit dessen Verständlichkeit insgesamt erschwert. Bei Komposita ergibt sich das zusätzliche Problem, dass, im Sinne der Konsequenz, nicht nur das Grundwort, sondern auch die Bestimmung moviert („gegendert“) werden müsste, z.B. Bürgervertreter (Mann, der nur die männlichen Bürger vertritt), Bürgervertreterin (Frau, die nur die männlichen Bürger vertritt), Bürgerinnenvertreter (Mann, der nur die weiblichen Bürger vertritt), Bügerinnenvertreterinnen (Frau, die nur die weiblichen Bürger vertritt). Diese Vielfalt an Formen widerspricht nicht nur dem natürlichen Verständnis unserer Sprache, sondern ist nicht im Sinne der Sprachökonomie. Ferner ist zu bedenken, dass es, wenngleich als kleine Minderheit, auch Individuen gibt, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht (Sexus) zuordnen lassen. Damit die intersexuellen Menschen also nicht diskriminiert werden, müsste für sie ein eigenes grammatisches Geschlecht (Genus) geschaffen werden, was einen weiteren groben Eingriff in unsere Sprache bedeuten würde.

Was möchten Sie konkret in Sachen Gender umsetzen, falls Sie gewählt werden?

Auf Grund des Geschlechts bzw. der Geschlechtsidentität eines Individuums oder einer Gruppe von Individuen darf es auf politischer Ebene keine Benachteiligung geben. Dafür lohnt es sich weiterhin zu kämpfen. Die „positive Diskriminierung“ des grammatischen Maskulinums (Genus) in der Sprache durch den übermäßigen und sprachlich unnatürlichen Gebrauch des grammatischen Femininums lenkt vom eigentlichen Anliegen ab und kann somit kaum zur Beseitigung der Diskriminierung von Frauen im praktischen Alltag beitragen.

Dr. Cristian Kollmann, Landtagskandidat der Süd-Tiroler Freiheit

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