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Frauenmuseum | Museo delle donne

„Einigen Peruaner*innen fühle ich mich, wie mit Familienmitgliedern, verbunden.“

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Seit 2018 ist Ingrid Köcher Präsidentin des Vereins „Magie delle Ande„. Für welche Hilfsprojekte sich dieser Verein einsetzt und welchen persönlichen Bezug sie zu Peru hat erzählt uns Ingrid Köcher im Interview.

Frau Köcher, erzählen Sie uns doch kurz etwas zu Ihrer interessanten Lebensgeschichte!

Ich blicke auf lehrreiche Lebensabschnitte zurück. Schon in jungen Jahren wollte ich in der Entwicklungshilfe arbeiten. Ich hatte mich schon für ein Volontariat in Venezuela beworben. Doch wie das Leben spielt, musste ich damals meinen Jugendtraum aufgeben. Ich besuchte die Schule für Altenpflege und Familienhilfe und arbeite bis zur Gründung der Familie in der Altenpflege. Ein weiteres Steckenpferd war für mich die Modewelt und die Öffentlichkeitsarbeit, die mir neue Türen öffneten. In den Folgejahren bildete ich mich bei verschiedenen Kursen in Politik „Mit Engagement das öffentliche und politische Geschehen mitgestalten“ weiter. Wie heißt es so schön, wo Licht ist, ist auch Schatten. Eine Erkrankung und zu viel Vertrauen in verschiedene Personen verdunkelten einige Lebensabschnitte. Doch rückblickend geben sie mir heute die Sensibilität mich z.B. für Frauen in Gewaltsituationen in Peru einzusetzen.

Sie haben relativ spät begonnen zu studieren. Wie kam es dazu und welche Studienrichtung haben Sie gewählt?

Mir ging es wie vielen Frauen, die sich entscheiden müssen- Beruf oder Familie. Ich durfte zwar in verschiedenen Bereichen eine Zeit lang aktiv sein, aber mir war oft die Familie wichtiger, als in Vollzeit arbeiten zu können. Nach Abschluss der Oberschule meines Sohnes habe ich mich an der Universität inskribiert. Am meisten interessierte mich die Kommunikationswissenschaft – hauptsächlich Sprachen. Da ich mein Spanisch verbessern wollte, flog ich nach Peru, um dort auch Land und Leute kennenzulernen. Vor 7 Jahren konnte ich nicht ahnen, dass ein Jugendtraum wahr wird.

Haben Sie auch einen persönlichen Bezug zu Peru?

Durch meine Hilfsprojekte habe ich viele Personen in Peru, hauptsächlich in Cusco und Lima, kennengelernt. Einigen Peruaner*innen fühle ich mich, wie mit Familienmitgliedern, verbunden.

Seit 2018 sind Sie Präsidentin des Vereins „Magie delle Ande“. Erzählen sie uns mehr dazu!

Bevor ich Präsidentin von Magie delle Ande (bis 2020 Magie delle Ande Bolzano- Bozen) wurde, war ich Vorstandsmitglied beim Verein REQSISQA, der nach meiner Rückkehr 2014 gegründet wurde. Der Verein Reqsisqa fing mit dem kleinen Projekt „Mittagstisch für Pucyura“ an. Bei diesem Projekt wurden 16 Kinder unterstützt, die einen langen Schulweg (2-3 Stunden zu Fuß) hatten und die Familie Flores, die in einer Lehmhütte ohne Wasser und Strom lebt. In Zusammenarbeit mit Peruanern in Bozen, lernte ich den damaligen Präsidenten Armando Polonioli und Gabriele Poli (Vicenza) kennen. Im Jahr 2018 wurde ich Präsidentin von MdA Bozen. Dieser Verein unterstützt die heilpädagogische Schule San Christoferus in Lima. Den 30 Schülern im Alter zwischen fünf und 30 Jahren, die alle durch Beeinträchtigung geprägt sind, stehen nicht nur schulische Ausbildungsmöglichkeiten, sondern auch verschiedenen Werkstätten und Therapieangebote offen. Bis heute kämpft die Schule finanziell um ihr Fortbestehen, weil sie nicht staatlich subventioniert ist und die Elternhäuser der Schüler oft nicht für das volle Schulgeld aufkommen können.

Welches sind vergangene Projekte, die erfolgreich abgeschlossen wurden?

Dank der Spenden vieler Südtiroler*innen konnte 2020 die Wäscherei in Casa Mantay erneuert werden.​ Casa Mantay bietet den jungen Müttern und ihren Kindern eine uneingeschränkte Rund-umbetreuung. Seit 2014 unterstützt das Team von Reqsisqa, das sich jetzt dem Verein Magie delle Ande angeschossen hat, die jungen Mütter. Als ich im Jahr 2014 das erste Mal in Cusco war, lernte ich Casa Mantay kennen. Casa Mantay ist ein Zufluchtsort für minderjährige, ungewollt schwanger gewordene Mädchen und deren Kinder. In der Regel leben insgesamt 24 Minderjährige, das sind 12 heranwachsende Mütter mit ihren Kindern, in Mantay. Aufgenommen werden Frauen unter 18 Jahren aus dem Department Cusco, die schwanger sind oder stillen und sich in einer riskanten sozialen Situation befinden. Weitere 10 Frauen und deren Kinder, ehemalige Bewohner*innen des Hauses, werden durch Hilfe bei der Schulbildung, der Betreuung der Kinder während die Mütter arbeiten, wie auch mit Nahrungsmitteln unterstützt. So werden sie im Übergang in die Selbstständigkeit begleitet. Seit ich Präsidentin von Magie delle Ande bin, hat das Team beschlossen auch Casa Mantay zu unterstützt.

Gerne möchten wir immer wieder auf den Verlauf von Projekten hinweisen und auch Anregung geben, für jene, die ein Hilfsprojekt mit Spenden unterstützen möchten.

Wie jeder Verein sind auch wir dankbar für jede Spende. Aus diesem Grund versuchen wir sehr transparent zu sein und über unsere Projekte auf unserer Webseite www.magiedelleande.bz und in den verschiedenen Medien zu berichten. Sehr gerne geben wir auch persönlich Auskunft über unsere Projekte.

Für unseren Verein steht Transparenz an höchster Stelle daher erhalten unsere Spender*innen durch ein Newsletter die neuesten Informationen. Für unser Team ist es wichtig vor Ort die Hilfsprojekte zu besuchen. Leider hat die weltweite Covid 19- Lage unsere Pläne geändert und seit März 2020 waren wir nicht mehr persönlich in Peru. Wir haben in Cusco und Lima aber ein gutes Netzwerk mit unseren ehrenamtlichen Helfern/ Team, die uns auf den neusten Stand bringen.

Interview: Sissi Prader & Nicole Bergamo

 

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