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Franziskus und die Frauen

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Achtung: Ausführliche Überlegungen …

Er geht seit seinem Amtsantritt neue Wege, aber wie er die Frauen und ihre Rolle wahrnimmt, da sind einige Expertinnen recht skeptisch. Gleich nach seinem Amtsantritt hat der Papst alle Hoffnungen der liberalen US-Nonnen zerschlagen, die eine liberale Haltung gegenüber Empfängnisverhütung, Abtreibung und Homosexualität vertraten. Franziskus bekräftigte die Meinung seines Vorgängers, dass sie jedem Bischof in den USA Gehorsam schuldig seien. Noch im gleichen Jahr gibt es jedoch folgendes Zitat von ihm:

Die Rolle der Frau in der Kirche ist nicht nur die Mutterschaft, die Mutter der Familie, sondern sie ist stärker: Sie ist wirklich die Ikone der Jungfrau Maria, der Gottesmutter; diejenige, die der Kirche hilft zu wachsen! Aber bedenkt, dass die Madonna wichtiger ist als die Apostel! … Die Kirche ist weiblich: Sie ist Kirche, Braut, Mutter.
(aus Vaticannews, 2013)

Worte aus dem Munde des Oberhauptes der Römischen Katholischen Kirche, die man wahrscheinlich noch nie vorher gehört hat, nicht wahr?

Von Anfang an ging er hart gegen die Priester vor, die sexuellen Missbrauch begangen haben, und entlässt sie aus dem kirchlichen Dienst. Aber er ist gegen den Schwangerschaftsabbruch und die Verhütungsmittel, auch wenn er betont, dass wichtiger als diese Vorschriften sei, „Diener der Barmherzigkeit“ zu sein. Verständnis vor Verurteilung ist also sein Credo.

2015 kritisierte er die Gendertheorien, indem er meinte, dass die Verdrängung des Unterschiedes das Problem und nicht die Lösung sei. 2016 schrieb er:

Ich würdige den Feminismus, sofern er weder die Uniformität anstrebt noch die Mutterschaft verneint.
(aus Amoris laetitia, über die Liebe in der Familie, apostolisches Schreiben von Papst Franziskus, 2016)

Und wieder ein anderes Mal:

Eine Welt, in der die Frauen ausgegrenzt werden, ist eine sterile Welt, denn die Frauen bringen nicht nur das Leben, sondern sie vermitteln uns die Fähigkeit, weiter zu sehen – sie sehen weiter –, sie vermitteln uns die Fähigkeit, die Welt mit anderen Augen zu sehen, die Dinge mit kreativerem, geduldigerem, zärtlicherem Herzen zu spüren.

Wobei ziemlich klar wird, dass Papst Franziskus die Frau in eine bestimmte Schublade steckt – geduldig, zärtlich, mütterlich. Wie sie auch nur solange einer Arbeit nachgehen soll, bis sie die Mutterschaft nicht vernachlässigt. Der alte Weiblichkeitskatalog lässt grüßen … Natürlich ist Papst Franzikus‘ Frauenbild in den gesellschaftlichen Kontext zu setzen, aus dem er hergekommen ist. Er ist 82 Jahre alt und in Argentinien haben ihn viele Frauen beeinflusst, vor allem seine italienische Großmutter Rosa.

Seine Haltung wird denn auch nicht als fehlende Wertschätzung gegenüber Frauen gedeutet, sondern dass er nur Müttern die Erziehung zutraue. Für die katholische Kirche sei das höchste gut die Familie und die Frau ihre Wächterin. Es ist und bleibt eine Stereotypisierung von Frauen. Und die „Natur der Frau“ zu lobpreisen, um sie bei den drei Ks – Kirche, Küche und Kinder – zu halten, ist nicht unbedingt neu.

Dennoch sind es andere Töne. Die Wertschätzung des anderen Geschlechts von einem Papst ist lange her, wenn es sie denn überhaupt einmal gegeben hat. Das muss ihm zugestanden werden. Außerdem kritisiert der Papst in der schon vorher zitierten Amoris laetitia jede sexuelle Unterwerfung, spricht von Vergewaltigung in der Ehe und verurteilt es, dass oft nur Männer das Sagen in der Familie haben. Wie er auch offen gegen die weibliche Genitalverstümmelung eintritt, persönlich Trennungen bei häuslicher Gewalt als „moralisch notwendig“  betrachtet und Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen verurteilt. O-Ton des Papstes:

Die Geschichte trägt die Spuren der Ausschreitungen der patriarchalen Kulturen, in denen die Frau als zweitrangig betrachtet wurde.
(aus domradio.de)

Auch zur Stellung der Frauen in der Kirche erscheinen die Worte des Papstes wie ein Lichtblick:

Es gilt, neue Kriterien und Wege zu finden, damit die Frauen sich nicht als Gäste fühlen, sondern an den verschiedenen Bereichen des gesellschaftlichen und kirchlichen Lebens voll beteiligt sind. Die Kirche ist Frau.
(aus Die Zeit)

Schöne Worte, aber wer jetzt glauben würde, dass die Priesterinnenweihe vor der Tür stünde, hat sich gewaltig getäuscht. Papst Franziskus teilt hier die Ansicht seiner Vorgänger, dass Jesus nur männliche Apostel ausgesucht habe und man sich weiterhin daran hielte. Eine Ansicht, die die Brixner Tertiarschwester Klara Maria Rieder nicht nachvollziehen kann. In einem Interview erklärte sie 2017:

In der Bibel spricht nichts dagegen. […] Es ist ein dienender Posten, der den Frauen gut liegen würde.
(aus salto.bz)

Für sie verstoße es fast schon die Menschrenrechte, Frauen heute noch auszuschließen von diesem Amt. Sie ist überzeugt, dass sich eines Tages die Päpste dafür entschuldigen würden.

So manche Katholikinnen werfen Franiskus vor, dass er viel zu wenig für die Frauen in der Kirche täte. Bis auf schöne Worte keine Taten von ihm folgen würden.

Was hat er denn getan bislang in seiner bisherigen fünfjährigen Amtszeit?

Am vorigen Tag der Frau im März explodierte die ehemalige irische Präsidentin Mary McAleese, die in ihrem Land als konservative Katholikin bekannt ist, und bezeichnet die katholische Kirche als „Reich des Frauenhasses“. Sie gehörte zu denen, die beim Amtsantritt von Franziskus große Hoffnungen hegte, dass sich etwas für die Frauen verändern würde, aber enttäuscht von Rom nach einer Konferenz abreiste.

In der gleichen Woche ließ Franziskus wieder eine Gelegenheit verstreichen, bei Personalentscheidungen Frauen miteinzubeziehen:

In die Vorbereitungsgruppe für die Amazonassynode im Herbst 2019 berief er nur eine Frau und 17 Männer. Klar handelt es sich bei der Versammlung im Herbst 2019 um eine Bischofsynode. Doch die Realität vor Ort im Amazonasgebiet ist die, dass auch dort ein großer Teil der kirchlichen Arbeit auf den Schultern der Frauen lastet. […] Das ist einmal mehr eine vertane Chance an einer Stelle, an der es gar nicht weh tut.
(aus blog.zdf.de)

Im Bento, die Variante von Spiegel Online für 18- bis 30-jährige, wird die Meinung vertreten, dass wir nicht vergessen sollten, dass Franziskus nicht alleine entscheidet und die Veränderungen langsam angehen muss.

Mit kleinen Gesten rüttelt der Papst an Jahrhunderte alten Strukturen, ohne sie ganz über den Haufen zu werfen. Dahinter steckt ein großes Ziel: Er will die Kirche wieder mehr im Alltag der Menschen verankern. Mit diesen Trippelschritten sind seine Veränderungen nachhaltiger.
(aus bento.de)

Vielleicht ist aus dieser Sicht auch das von Papst Franziskus 2016 vorgestellte neue Frauenmagazin zu betrachten.  Die bisherige 4-seitige Beilage „Frau – Kirche – Welt“ der päpstlichen Tageszeitung „Osservatore Romano“ erscheint seitdem als Monatsmagazin mit einem Umfang von 40 Seiten in einer Auflage von 20.000 Exemplaren und wird mit dem „Osservatore“ mitgeliefert.

Klar, es wird von Ordensfrauen und Theologinnen geschrieben und vorwiegend für Insiderinnen. Polemische und freche feministische Beiträge waren bislang nicht dabei. Aber die Brunecker Psychotherapeutin Christine Baumgartner, die auch schon  Gastvortragende an der Brixner Theologischen Hochschule war und den Bischof-Gargitter-Preis erhielt, sieht es ähnlich.

Gegenüber ichfrau meint sie:

Das ist ja ein wunderbares Geschenk an uns Frauen und eine wegweisende und höchst nötige Orientierung für die Zukunft. Alle Bereiche der menschlichen Gesellschaft beleuchtet Papst Franziskus  mit den entsprechenden Fehlentwicklungen und legt den Finger in die Wunden, mutig und klug. Natürlich kann er das heiße Eisen der Frauen-Priester-Weihe nicht schon dazu nehmen, schließlich kommt diese Thematik erst seit den letzten drei Jahrzehnten zur Diskussion dank der zunehmenden Emanzipation der Frauen. Andererseits könnte die Katholische Kirche im Süden gar nicht existieren ohne die Tausenden von Katechist/innen ohne Weihe, das wird nur in Rom nicht ernst genommen, vermutlich zum Glück, so kann es in der Stille als gelebte Realität weiter wachsen und erstarken und wir dann davon lernen.

Ich freue mich auf diese Zeitschrift und wünsche ihr zahlreiche Leser/innen, denn nur durch das Bewusstwerden und Erkennen der Missstände finden wir zu entsprechenden Lösungen. Dazu passend  ein  Zitat von Tolstoi:

Bevor sich eine Wandlung in der Welt vollziehen kann, muß sie erst in der menschlichen Seele vollzogen werden.

Ein besseres Zitat, um das Thema abzurunden, hätten wir nicht finden können …

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