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Gehirnfutter und Gaumengenuss

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… gabs am 9. und 10. November 2018 im Frauenmuseum in Meran. In den folgenden Zeilen dürfen wir euch von zwei aufregenden Tagen berichten, an denen eine Ausstellung eröffnet wurde und im Rahmen einer Tagung internationale Gäste spannende Einblicke präsentierten.

Am Samstag, 9. November das Meraner Frauenmuseum aus Anlass seines 30. Geburtstags zu einer Tagung mit internationalen Expertinnen geladen. Der Tag stand unter dem Motto „Was hat Gleichberechtigung mit Kultur, Frieden und Demokratie zu tun?“.

Zu Beginn der Tagung hat die Singleiterin Heidi Clementi die Teilnehmenden mit schwungvollen Tönen herzlich begrüßt und zum Mitsingen animiert. Sigrid Prader begrüßte als Leiterin die Gäste, denn das Frauenmuseum hat diese Tagung anlässlich des 30jährigen Jubiläums geplant. Referentinnen, die in verschiedenster Weise umfangreich zum Thema Chancengleichheit arbeiten, haben Einblicke in den Zusammenhang von Gleichberechtigung, Kultur, Frieden und Demokratie gegeben. Unter ihnen waren auch einige Vertreterinnen aus anderen Frauenmuseen, da sich in Meran der Sitz des Internationalen Vereins der Frauenmuseen befindet. Astrid Schönweger, als Koordinatorin des Internationalen Vereins der Frauenmuseen (IAWM), hat die Tagung moderiert und auch die Vortragenden vorgestellt:

Mona Holm vom Frauenmuseum in Norwegen hat Einblicke in die politische Kulturarbeit ihres Museums gegeben. Beispielsweise wird das Recht auf Abtreibung, das momentan auch in europäischen Staaten versucht wird zu untergraben, in einer neuen Ausstellung geschichtlich beleuchtet. Persönliche Erzählungen und Lebensgeschichten aus Norwegen, aber auch aus der ganzen Welt, führen an ein komplexes Thema heran, wollen Menschen und besonders Entscheidungsträger sensibilisieren und Informationen zur Hand geben.

Als Präsidentin des Internationalen Vereins der Frauenmuseen (IAWM) hat Mona Holm auch auf 10 Jahre Netzwerkarbeit zurückgeschaut, die wertvolle Kontakte und Zusammenarbeit hervorgebracht haben. Dabei hat sie das Frauenmuseum Meran als eines für alle anderen inspirierendes Museum bezeichnet, ohne dem dieses Netzwerk gar nicht entstanden wäre.

Mona Holm, Frauenmuseum Norwegen

Lydie Olga Ntap, die Vize-Präsidentin von IAWM, hat als Gründerin des Frauenmuseums in Kanada von ihrer Herangehensweise, der feministischen Museologie, berichtet. Die Rechtsanwältin, die gerade ihren PhD in Museologie macht, betonte, wie wichtig es sei ein Frauenmuseum auch methodisch anders zu betreiben. Es gehe um die Miteinbeziehung der eigenen Geschichte. Woher frau selbst kommt, aus welcher Familie und Kultur sie stammt, was sie erlebt hat. Dabei hat sie selbst sehr ehrlich von ihrer persönlichen Geschichte erzählt, als senegalische Frau, die als Alleinerziehende nach Kanada emigriert und diese Erfahrungen heute nicht nur in ihre Arbeit als Rechtsanwältin, sondern auch in die Museumsarbeit miteinbindet.

Lydie Olga Ntap, Frauenmuseum Kanada

Gleich nach der Mittagspause ging es weiter mit einem spannenden und ebenso berührenden Vortrag von Ina Darmstädter. Sie ist seit 2001 engagiert in diversen Friedensprojekten. Sie erzählte von ihrer aktuellen Arbeit, die sich um die Umsetzung der UN Resolution UNSCR 1325 im Konflikt zwischen Israel und Palästina dreht. Das Ziel dieser Resolution ist es, dass Frauen gleichberechtigt an Friedensverhandlungen teilnehmen. Und wie sie von der Ohnmacht gegenüber einer Welt, die eine aggressive Kriegshandlung nach der anderen zulässt im Namen der Verteidigung, in die Eigenmacht und zu wunderbaren Friedensprojekten kam.

Ina Darmstädter berichtet von ihrer Friedensarbeit in Israel

Gaby Franger vom Museum Frauenkultur Regional-International, die auch im Vorstand von IAWM sitzt, hat in ihrem Vortrag die Geschichte der Frauen-Friedensbewegung auf lokaler und internationaler Ebene nachgezeichnet und die Frage gestellt: Wie kann ein Museum zur Friedensarbeit beitragen? Der Ansatz des Frauenmuseums in Fürth kann so zusammengefasst werden: Durch Kunst und ästhetische Zugänge werden Menschen zu schwierigen Themen hingeführt und eingeladen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Gaby Franger, Museum Frauenkultur Regional-International

Was aus den Diskussionen und Beiträgen der Tagung hervorging, sind viele Inspirationen, die die Teilnehmenden mit nach Hause nahmen, aber auch die Gewissheit, wie stark eine Kultur der Gleichberechtigung, des Friedens und der Demokratie sich gegenseitig bedingen.

 

Am Abend zuvor wurde die Sonderausstellung „Ausgekocht? Cosa bolle in pentola?“ im Frauenmuseum eröffnet mit einem Fest für alle Sinne. Schon lange vor 20:00 Uhr war das Museum erfüllt mit feinen Düften und geschäftiger Stimmung. Schon seit Stunden brodelten die Töpfe, wurden feine Speisen dekoriert und Getränke vorbereitet.

Die Grußworte zur Ausstellungeröffnung von Direktorin Sigrid Prader haben bereits das Thema der Ausstellung angeschnitten, Gabriela Strohmer hat als Vertreterin der Gemeinde Meran die Aktualität des Themas unterstrichen und eine Delegation aus dem Museum Frauenkultur Regional-International in Fürth bei Nürnberg hat in die Ausstellung eingeführt.

Delegation aus Nürnberg: Tijana Jakovljević-Šević und Lisl Bala (von links) haben in die Ausstellung eingeführt. Rechts eine weitere Vertreterin des Frauenmuseum in Nürnberg.

Eine jahrelange Freundschaft und Zusammenarbeit verbindet das Meraner Frauenmuseum nun schon mit dem Frauenmuseum in Fürth. So konnte diese Ausstellung ausgeliehen und mit vielen weiteren regionalen Geschichten aus Südtirol erweitert werden.

Wenn wir über Frauen und Ernährung in Südtirol sprechen, könnten natürlich ganz viele Geschichten erzählt werden. Einige Frauen und Projekte wurden ausgewählt, die nun in der Ausstellung ihre Geschichte erzählen: Antonia Egger, eine leidenschaftliche Bäuerin, die ihre Produkte an den Bauernmärkten verkauft, aber auch Sterneköchin Anna Matscher, Anneres Ebenkofler, die ein innovatives Kräuterrestaurant eröffnet hat, die Permakultur-Gärtnerin Anntraud Torggler, die Gründerinnen des veganen Kochprojekts „Ätschi-Veggie“ Yvonne und Jutta, aber auch die Vereinigung MahlZeit, die Semirurali Gärten von Bozen, die vom Verein Donne Nissá geführt werden, Slow Food Südtirol, u.a. So gibt es heuer noch und  im kommenden Jahr ein buntes und vielfältiges Programm mit lokalen aber auch internationalen Geschichten rund ums Kochen und Ernährung. Die Erzählungen bewegen sich im Spannungsfeld zwischen unseren Entscheidungen am Kochtopf und einem globalen Ernährungssystem, das nur allzu oft unüberschaubar und unveränderbar wirkt. Die Ausstellung lädt alle Besucherinnen und Besucher zu einer humorvollen und ernstgemeinten Auseinandersetzung mit dem Thema ein.

Ausstellungsansichten „Ausgekocht? Cosa bolle in pentola?“

Auch Gudrun Ladurner hat ihre herzlichen Grußworte sowohl als Präsidentin des Vereins Frauenmuseum, als auch als Direktorin der Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Haslach an die Gäste gerichtet.

Zwei Schulklassen haben sich bereit erklärt, den Abend mit ihren kulinarischen Spezialitäten zu begleiten und haben nicht zuletzt auch ihren Beitrag zur Ausstellung geleistet:

Die 4. Klasse der Fachschule für Hauswirtschaft und Ernährung Frankenberg in Tisens hat einen bunten Tisch mit vielen Leckereien zubereitet, von Kürbisbrot, Rote-Beete-Aufstrich bis hin zu einem unwiderstehlichen Melisse-Basilikum-Apfelsaft und vielem, vielem mehr.

Schule für Hauswirtschaft und Ernährung Frankenberg

Eine Schülerin hat mit ihrer Hackbrett-Musik den Abend begleitet. Die Klasse hat außerdem den runden Tisch der nachhaltigen Hauswirtschaft zur Ausstellung beigetragen.

Danke fürs Mitmachen und danke auch an die Lehrpersonen Dr. Giulia Piccini, Christa Breitenberger, Christine Gutgsell und Theresia Haas dafür, dass sie mit ihrem Einsatz diese tolle Zusammenarbeit möglich gemacht haben.

 

Die Klasse 5E HOFA der Landeshotelfachschule Kaiserhof in Meran hat sich intensiv mit dem Thema koschere Speisen auseinandergesetzt und die Gäste mit einem Menü aus 6 Gängen inklusive Wein zu diesem Thema verwöhnt.

Hotelfachschule Kaiserhof

Die Schülerinnen und Schüler haben sich auch mit dem Thema der Ausstellung „Ausgekocht? Cosa bolle in pentola?“ auseinandergesetzt und die Gastvitrine des Museums gestaltet. Wir sehen einmal eine Installation und ein kurzes Video zum Thema „Hotel Mama“, sowie historische Hotels aus Meran, die es nicht mehr gibt, einst aber berühmte Häuser waren, wo bekannte Persönlichkeiten zu Gast waren.

Noch bis Januar wird die Installation im Museum zu sehen sein.

Danke für die tolle Arbeit an die ganze Klasse und die beteiligten Lehrpersonen Elfriede Zöggeler und Claudio Calabrese!

Nicht zuletzt war die Eröffnung dieser Ausstellung auch ein Auftakt zu einem ausgedehnten Museumsprojekt in Südtirol. Der Museumsverband Südtirol, der inzwischen rund 50 Mitglieder-Museen vertritt, hat das Projekt „Wohl bekomm’s! Alla salute! Stame bën!“ vorgestellt. Im kommenden Jahr werden verschiedene Südtiroler Museen Ausstellungen und Projekte „Zur Kulturgeschichte der Ernährung und Heilmittel im südlichen Tirol“ zeigen. Wir sind schon gespannt!

 

 

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