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Studie “Traces” startet ins zweite Forschungsjahr.

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Das Team rund um der internationalen Frauenrechtsorganisation #medicamondiale, dem Frauenmuseum #frauenmuseummeran, dem Forum Prävention #forumprävention und der Universität Trient #universitàditrento, hat am 18. März alle Stakeholder im #Vinschgau eingeladen um über den aktuellen Stand der Forschung zu berichten. Schon 17 Frauen haben an der Studie teilgenommen. Sie sind entweder selbst betroffen von sexualisierter Gewalt oder wissen, dass ihre Mutter oder Großmutter sexualisierte Gewalt erfahren hat. Es werden noch weitere Frauen gesucht die an der Studie teilnehmen möchten. Alle Gespräche sind vertraulich und anonym. Interessierte können sich bei der Studienleiterin Andrea Fleckinger melden. Andrea.fleckinger@unitn.it oder 0464/808438. Finanziert wird die Studie von der Provinz Bozen Abteilung Soziales und der Stiftung Sparkasse.

Das Hauptziel der Forschung ist es, gemeinsam mit betroffenen Frauen die Schweigekultur über sexualisierte Gewalt zu durchbrechen, die Aufarbeitung erlebter Gewalterfahrungen anzustoßen und präventiv dem Kontinuum von Gewalt in Familien entgegenzuwirken. Dafür untersucht die Studie die Langzeitfolgen von sexualisierter Gewalt in Familien über drei Generationen hinweg. Nicht aufgearbeitete Traumata können sich durch Familiensysteme ziehen und Spuren hinterlassen. Die Erlebnisse einiger Teilnehmerinnen konnten bereits zeigen, wie sexualisierte Gewalt in den Familien verschwiegen oder bagatellisiert wird und wie sie auch Jahrzehnte später noch in ihrem Alltag auf die Täter treffen, deren Ansehen in den Dörfern teilweise ungebrochen hoch ist.

Das partizipative Forschungsdesign von “Traces” sieht ein enges Zusammenarbeiten mit lokalen Diensten vor. Das ermöglicht es, Bedürfnisse vor Ort zu diskutieren, sexualisierter Gewalt auf institutioneller Ebene zu begegnen und das Schweigen darüber nachhaltig zu brechen. So können auch breite Einblicke in verschiedene Lebensrealitäten erlangt werden. In Erinnerungsrunden haben Bewohnerinnen der Seniorenwohnheime von Laas und Mals beispielsweise wertvolle Einblicke in die Lebensumstände der Frauen im Vinschgau gegeben. Die historischen Lebensumstände, geprägt durch Krieg und daraus resultierenden Traumata, großer Armut, ökonomischen Abhängigkeiten und dem Einfluss von patriarchalen Strukturen wie der katholischen Kirche, sind entscheidende Faktoren, die das Entstehen von sexualisierter Gewalt begünstigt und das Schweigen in den Familien gefördert haben.

Ältere Frauen, insbesondere über 80jährige, werden daher ermutigt, ihre Lebensgeschichten mit dem Forschungsteam zu teilen. Ihr Beitrag ist sehr wichtig, um die Erlebnisse der Einzelnen in den gesamtgesellschaftlichen Kontext einzubetten. Es haben sich zahlreiche Frauen gemeldet und es werden für die Studie noch weitere Betroffene, ihre Töchter und ihre Enkelinnen gesucht. Die Gespräche finden in einem geschützten Rahmen und durch traumasensible-geschulte Interviewerinnen statt.

 

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