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Frauenmuseum | Museo delle donne

Der feministische Porno sprengt jegliche Normen

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Vielen Frauen verursacht der Begriff –Porno- ein mulmiges Gefühl. Über Sex zu sprechen ist nach wie vor ein Tabu, und das Konsumieren von Pornos wird stark stigmatisiert, vor allem, wenn es Frauen tun. In unserer Gesellschaft haben Familien, Gemeinschaften und Schulen immer noch Schwierigkeiten eine umfassende Sexualerziehung zu vermitteln und deshalb erfolgt die Sozialisierung von Jugendlichen in Bezug auf Sexualität, immer noch über die leicht zugänglichen und kostenlosen Mainstream-Pornos.

Lange Zeit wurde der Mainstream-Porno von Männern für Männer geschaffen. Dabei wurde ausschließlich das männliche Vergnügen im Vordergrund gehalten, Ausbeutung und Unterdrückung der Protagonist*innen als irrelevant hingestellt und ein Stereotyp des Sexualaktes zwischen männlichen und weiblichen, jungen, perfekten Körpern dargestellt. Alles, was von diesem Drehbuch abwich, wurde und wird immer noch gern als Abweichung oder Fetisch angesehen. Das Problem besteht darin, dass die Inhalte Großteils die derzeitigen noch bestehenden, realen Unterdrückungsverhältnisse zwischen den Geschlechtern reproduzieren und nähren.

Deshalb bemühen sich einige Frauen, seit ungefähr 20 Jahren, diesen Tendenzen des Mainstream-Pornos entgegen zu wirken. So z.B. die schwedische Regisseurin und Produzentin Erika Lust, welche mit anderen Vertreterinnen der feministischen Pornobewegung, den sogenannten ethischen, fairen oder feministischen Porno erschaffen hat.

Einer der Eckpfeiler des ethischen Pornos sind die Achtung der Arbeitnehmer*innen und deren freiwillige Zustimmung. Alle Akteur*innen werden fair bezahlt und arbeiten in einem Arbeitsumfeld, welches für deren Rechte und Sicherheit sorgt. Zudem erweitert der feministische Porno die Grenzen der sexuellen Darstellung, indem er es einem breiteren Publikum ermöglicht, das Gesehene zu erkennen und zu genießen. Zyklen, Kondome, Haare und Einwilligung finden Platz in Geschichten, die viel realitätsnäher erscheinen. Zeigen wollen sie, dass echter Sex weit entfernt ist, von Männern und Frauen mit „perfekten“ Körpern, die „perfekt“ inszeniert werden. Nicht nur Sex zwischen Frau und Mann werden als natürlich angeboten, sondern auch gleichgeschlechtlicher Interkurs oder Sex zwischen Personen, die sich nicht als binär bezeichnen. Dabei soll allen klar werden, dass es beim Sex um Entdeckung, Zweifel, Konfrontation und Dialog geht. Die Annäherung des ethischen Pornos an die Realität erfolgt nämlich auch und vor allem über Kommunikation und Einverständnis, die integraler Bestandteil des Drehbuchs sind. Es ist nicht ungewöhnlich, Szenen zu sehen, in denen die Schauspieler*innen das Gegenüber fragen, ob er/sie sich mit dieser bestimmten Sexualpraktik wohl fühlt.

Die wichtigste Neuheit im Bereich des feministischen Pornos ist der Fokus auf das weibliche Vergnügen. Dabei werden falsche Mythen aufgeräumt und unterschiedliche Formen der Orgasmen aufgezeigt, ohne dass der Geschlechtsverkehr immer nur mit dem männlichen Orgasmus endet. Neue Kategorien der Lust finden Platz, wie z.B. der „romantische Sex“ oder der „weibliche Orgasmus“. Ziel des feministischen Pornos ist es nämlich, eine stärkere Identifikation für alle zu gewährleisten und das Bild der Frau von einem bloßen Sexualobjekt zu einer selbstbewussten Person zu verändern, die über ihren eigenen Körper und ihr eigenes Begehren frei entscheidet.

Sarah Trevisiol

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