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Hungern ist kein Schicksal

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Der Welthungertag (ehemals Welternährungstag) am 16. Oktober soll auf die vielen hungernden Menschen in der Welt aufmerksam machen. Der Tag kann für verschiedene Aktionen rund um das Thema genutzt werden. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass Hungersnöte den Menschen von Beginn seiner Geschichte begleiten. Die Gründe dafür waren und sind auch heute noch vielfältig.

Die UN Ziele 1 und 2 für nachhaltige Entwicklung sehen vor, dass die Völkergemeinschaft Armut und Hunger bis 2030 erfolgreich bekämpfen soll. Das ist eine immense Herausforderung, wenn wir bedenken, wie unterschiedlich die Ursachen für Hunger sein können. Armut und Hunger betrifft auch immer mehr Menschen, die in Südtirol und in anderen Wohlstandsgesellschaften leben.

Laut Definition der FAO tritt Hunger ein, wenn die tägliche Energiezufuhr für einen längeren Zeitraum unter dem Bedarf liegt, der für einen gesunden Körper und ein aktives Leben benötigt wird. Als Schwellenwert gelten 1800 kcal pro Person bei mäßiger Aktivität. Als Vergleich: in Deutschland stehen jedem Menschen mehr als 3.500 kcal zu Verfügung. Aber neben dem quantitativen spielt bei der Gesunderhaltung auch der qualitative Aspekt eine große Rolle. Ist die Ernährung nicht ausgewogen und vielfältig, steigt das Risiko krank zu werden.

Traurige Fakten für eine Welt, die Nahrung für alle hätte …

Aktuell leiden ca. 821 Millionen Menschen in unserer Welt an Hunger.

  • In Asien ist der Anteil an hungernden Menschen am größten.
  • Jeder zehnte Mensch geht am Abend hungrig schlafen.
  • 60 % der hungernden Menschen leben in Ländern, die von Konflikten und Krieg betroffen sind.
  • Besonders stark von Hunger betroffen sind Flüchtlinge, alte Menschen, kranke Menschen, Dürreopfer, Frauen und Kinder.
  • 45 % aller Todesfälle bei Kindern unter fünf Jahren waren zwischen 2016 und 2018 auf Mangelernährung zurückzuführen – daran starben 3,1 Millionen Kinder pro Jahr.
  • Bei 2 Milliarden Menschen ist die Ernährungslage stark bis mäßig ungesichert.
  • Im Gegensatz dazu sind weltweit ca. 670 Millionen erwachsene Menschen und 338 Millionen Kinder und Jugendliche übergewichtig.

Die Coronakrise und die Gefahr einer Rezession verschlechtern die Lage in vielen Ländern der Erde dramatisch.

Bildquelle: Pixabay

Die Frage nach dem WARUM erscheint angesichts der erschütternden Fakten mehr als gerechtfertigt. Die Hauptursachen für Hunger sind Klimakrisen, Konflikte, Kriege, konjunkturelle Verlangsamungen. Der Hunger nimmt in vielen Ländern zu, in denen das Wirtschaftswachstum niedrig ist, vor allem in Ländern mit mittlerem Einkommen und solchen, die stark vom internationalen Primärrohstoffhandel abhängig sind. Der UN-Bericht stellt außerdem fest, dass das Gefälle der Einkommen in vielen Ländern zunimmt, in denen auch der Hunger ansteigt. Für arme, bedürftige und ausgegrenzte Menschen wird es dabei noch schwieriger, mit einer schwachen oder stagnierenden Konjunktur fertig zu werden.

Es klingt absurd, aber drei von vier unterernährten Menschen leben auf dem Land und fast alle produzieren selbst Nahrung. Aber sie bewirtschaften nur kleine Flächen. Die Erträge sind meist sehr niedrig und die Familie kann davon nicht leben.

Wie der Welthunger beendet werden kann, auch angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung und des Klimawandels, und das auch noch im Einklang mit den anderen UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung, ist eine Frage, die sich viele stellen. Hunger ist ein politisches Problem und ein Machtproblem. Für den Direktor der FAO, José Francisco Graziano da Silva ist es an der Zeit für die Umsetzung einer Agrarökologie im großen Stil, die ein schnelles, globales und vor allem politisch kohärentes Handeln fordert.

Jeder von uns ist gefordert, in seinem eigenen Umfeld verantwortungsbewusst zu handeln. Auch wenn wir das Hungerproblem der Menschheit nicht von heute auf morgen lösen können, so kann doch jeder einzelne von uns beim täglichen Einkauf einen Beitrag leisten: Bevorzugung von qualitativ hochwertigen Produkten aus der Region, fair gehandelte Produkte aus fernen Ländern anstatt Billigprodukte von global agierenden Riesenkonzernen, den Fleischkonsum reduzieren und  Lebensmittelverschwendung vermeiden. Unterm Strich bedeutet es, wieder einen respektvollen, wertschätzenden Umgang mit den Produkten und einen genussvollen, bewussten Konsum von Lebensmitteln zu lernen.

 

Petra Heschgl – Ernährungswissenschafterin und Fachlehrerin an der Fachschule für Hauswirtschaft Haslach in Bozen

 

Zum Weiterlesen:

https://de.wfp.org/pressemitteilungen/un-bericht-die-zahl-der-hungernden-weltweit-steigt-zum-dritten-jahr-folge   Zugriff am 13.10.2020

https://welthungertag.de/  Zugriff am 13.10.2020

https://dgvn.de/meldung/drohende-hunger-pandemie-abwenden/   Zugriff am 13.10.2020

https://dgvn.de/meldung/am-scheideweg-wie-wir-den-welthunger-beenden-und-die-sdgs-erreichen-koennen/ Zugriff am 13.10.2020

Ernährung im Fokus 01/2020: UN Ziele für nachhaltige Entwicklung

Ulli Bruchhard: Ausgegeizt. Campus Verlag 2012

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