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Weibliche Spuren überall

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Wie stark das Frauenwissen mit der mündlichen Weitergabe zusammenhängt, haben wir schon letzte Woche aufgezeigt. Wie versprochen, erzählen wir euch heute noch ein wenig mehr davon mit konkreten Beispielen.

Vor allem die Frauenarchive haben es sich zunutze gemacht, mit oral history – eine Erzählung der eigenen Lebensgeschichte in Gesprächform, wenn man es so definieren möchte – die weiblichen Spuren in der Geschichte aufzuzeigen – so auch das Frauenarchiv Bozen.  Die Erzählungen der Zeitzeuginnen konnten die Geschichte um die der Frauen dementsprechend aufwerten – wenn auch aus wissenschaftlicher Sicht diese Quellen ähnlich kritisch betrachtet werden wie Autobiographien. „Seriös“ und „glaubwürdig“ müssen sie sein. Das geht natürlich oft an der mündlichen Überlieferung vorbei, die eine komplett andere Form der Wissensaufbewahrung darstellt.

Foto: Pixabay

Schon die Art und Weise der Überlieferung ist bei der mündlichen eine andere als bei der schriftlichen.

Rituale

Vor allem, wenn es mit Weltanschauungen und Glauben verbunden war, wurde es in Rituale eingebaut. Mit nonverbalen Inhalten – wie z.B. dem Aufstellen eines Christbaumes, dem Räuchern am 6. Januar, etc. – lässt es sich leichter ins Gedächtnis prägen.

Lieder

Das Verpacken in Liedern, also verbunden mit einer Melodie, ist eine weitere Art, mündliches Wissen zu erhalten.

Assoziationen

Meine Oma hat oft Assoziationen verwendet, um Bilder zu schaffen, an die ich mich leichter erinnern kann. Dabei hat sie sich oft an meine Welt angepasst, wie mit dem Beispiel des Puzzle. Sie hat noch nie in ihrem Leben Puzzle gespielt, aber ich gerne.

Sprichwörter und Reime

Vor allem aus der Volksheilkunde kennen wir auch die Sprichwörte und Reime, mit denen Weisheiten weitergegeben wurden. Berühmt sind natürlich die Besprechungen von Warzen oder das Blutstillen.

 

Die Studie zur Volksmedizin des ZDN kann hier downgeloadet werden: http://www.zdn.info/news_detail.php?id=7

Die wissenschaftliche Meinung hat sich oft auf den Wert des mündlichen Wissens niedergeschlagen. Das konnte mir auch einer der Befrag*erinnen vom Zentrum für Naturforschung, ZDN, bestätigen, die Ende der 1980er Jahre in Tirol (inklusive Südtirol) eine weitangelegte Studie zur Volksmedizin machten. Dabei wurde ihnen vor allem in Südtirol großes Misstrauen entgegengebracht. Manche befürchteten Anzeigen, weil laut Gesetz das Wort „Heilen“ nur von Vertret*erinnen der Schulmedizin in den Mund genommen werden darf.
Außerdem schämten sich oft die jungen Familienmitglieder wegen dem „Blödsinn“, den die Alten von sich gaben, während diese nur unter der Bedingung, dass ihr Name ja nicht verraten wird, bereit waren, etwas von ihren aus heutiger Sicht auch seltsamen Heilmethoden zu sprechen.

Derweilen ist das Spektrum des Frauenwissens in der mündlichen Weitergabe groß: Da ist zum einen das Heilwissen – die Hausapotheke und die Kräuter, zum anderen die Hauswirtschaft und die Handarbeiten. Dann gibt es noch die Welt der Sagen. Sie sind Fenster zu vergangenen Weltanschauungen, in der Frauen eine andere als die von Christen- und Bürgertum zugedachte Rolle besaßen…

Foto: pixabay

Dikreditieren, Verniedlichen, lächerlich machen und verunglimpfen sind alte, bewährte Methoden, um etwas zu verdrängen und in die Vergessenheit zu bringen.

So wurden

  • Sagen als Märchen für Kinder eingestuft,
  • die Hausapotheke als Scharlatanerie der Unwissenden abgetan, die nichts im Vergleich zur Schulmedizin sei,
  • Hauswirtschaft und auch Handarbeit von Technik und Wirtschaft belächelt, sowieso bald durch Knopfdruck überflüssig gemacht und mit Geld leicht ersetzt.

 

Die schriftliche Weitergabe wird der mündlichen Überlieferung bis heute vorgezogen. Wenn, dann wird sie in den Geschichtswissenschaften bei Zeiten und Kulturen genutzt, bei denen keine schriftlichen Überlieferungen zur Verfügung stehen. Was das für die Frauengeschichte bedeutet, die lange Zeit nicht schriftlich aufbewahrungswürdig gehalten wurde, ist wohl leicht nachzuvollziehen…

Aber es geht noch um etwas Anderes: Die mündliche Überlieferung ist oft eng mit einem Können verknüpft. Dabei ist weniger wichtig, dass jemand eine Ausbildung und einen Titel hat, sondern schlicht und einfach, dass die Person weiß, was sie tut und das jedeR das feststellen kann – ob das nun fantastisch kochen, Kräuter kennen und verarbeiten, handwerkliche Meisterwerke zaubern oder Flachs brechen, das Beherrschen des magischen Teils der Volksmedizin oder die Umsetzung des geistigen spirituellen Erbes ist, das ich von meiner Oma erhalten habe…

 

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