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Menstrual Leave – Was spricht dafür, was dagegen?

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Bald ist Neumond und das heißt für uns wieder Zeit für #TanteRosa, unsere Rubrik rund um Menstruation, Menopause, Schwangerschaft und vieles mehr.

Heute möchten wir die Debatte rund um „Menstrual Leave“, den so genannten Menstruationsurlaub unter die Lupe nehmen. In einigen Ländern ist er nämlich schon gesetzlich verankert, einige Unternehmen setzen ihn in die Praxis um und mancherorts wird er heißt diskutiert.

Wie steht Italien dazu und welche internationalen Tendenzen gibt es? Was spricht dafür und was dagegen? Ist es eine Anerkennung von Frauen und ihren Bedürfnissen in der Berufswelt? Oder ist es ein sexistischer Vorschlag, der Frauen letztendlich im Arbeitsleben noch mehr benachteiligen würde? Darum geht es im heutigen Beitrag.

Was ist Menstruationsurlaub?

Menstruationsurlaub ist die Möglichkeit einer Frau bezahlten oder unbezahlten Urlaub zu nehmen, wenn sie aufgrund ihrer Periode nicht zur Arbeit gehen kann. Dieser soll weder ein herkömmlicher Krankenstand noch ein Urlaub sein. Denn die Menstruation ist keine Krankheit, sondern ein normaler biologischer Vorgang und es sollten dafür auch keine Urlaubstage beansprucht werden.

Warum ist Menstruationsurlaub ein Thema?

Manche Frauen erleben eine schmerzfreie Menstruation, für die meisten Frauen hingegen ist die Periode begleitet von leichten bis sehr schwerwiegenden Beschwerden. Dementsprechend kann für manche Frauen auch die Beeinträchtigung des Alltages durch die Menstruation hoch sein.

Zahlen zu Regelschmerzen und Produktivität

  • Zwischen 60 und 90% der menstruierenden Frauen leiden unter ihrem Zyklus und zwischen 5 und 15% davon müssen deshalb der Arbeit fernbleiben.
  • In Italien sind ca. 10% der Frauen von Endometriose betroffen, die Krankheit, die u.a. sehr starke Menstruationsschmerzen als Folge haben kann.
  • Im Rahmen einer niederländischen Studie haben Forscher*innen mit über 30.000 Frauen zwischen 15 und 45 Jahren gesprochen. Über 80% der Befragten haben angegeben, durch die Menstruation zwar Präsenz in Arbeit/Schule/usw. zu zeigen, aber teils viel weniger produktiv zu sein. Ein Großteil der Frauen, 67%, gab an, dass sie sich flexiblere Stundeneinteilung während ihrer Periode wünschen.

Wie ist die Debatte entstanden? Wie sieht es in anderen Ländern aus? Wie kam die Debatte nach Italien?

In Italien haben 2016 Abgeordnete des Partito Democratico eine dementsprechende Gesetzesinitiative eingereicht: Frauen, die unter einer schmerzhaften Menstruation leiden, die in jedem Fall von einem Facharzt attestiert werden muss, sollten das Recht haben, maximal drei Tage pro Monat Urlaub zu nehmen.

In Italien wurde die Debatte über den so genannten Menstruationsurlaub neu entfacht, nachdem Coexist, ein Unternehmen mit Sitz in Bristol, beschlossen hatte, die Befreiung von der Arbeit für Arbeitnehmerinnen mit Menstruation in sein Statut aufzunehmen. Vorher hatte bereits das Unternehmen Nike seit 2007 den Menstruationsurlaub in seinen Verhaltenskodex aufgenommen, und in Japan hatten einige Unternehmen bereits 1947 „seirikyuuka“, d.h. Urlaub, eingeführt, und ein Jahr später wurde die gleiche Praxis auch in Indonesien eingeführt. In jüngerer Zeit wurden auch in Südkorea (2001) und Taiwan (2013) Urlaub für Frauen, die an starken Menstruationsbeschwerden leiden, eingeführt. Im Gesetzentwurf wurde die Verbreitung des Menstruationsurlaubes in Asien so erklärt:

Im Osten herrscht nämlich der Glaube, dass Frauen, wenn sie während der Tage des Zyklus nicht ruhen, bei der Geburt viele Schwierigkeiten haben werden: Der Menstruationsurlaub wird daher als eine Form des Schutzes der Geburt erlebt.

Was spricht dafür?

Befürworterinnen argumentieren, dass 5-15% der menstruierenden Frauen sowieso einen oder mehrere Tage im Monat ausfallen und in Krankenstand gehen. Der Menstruationsurlaub würde gegen das noch immer vorhandene Menstruationstabu wirken und den wahre Grund für ihre Abwesenheit sichtbar machen.

Ein Menstruationsurlaub würde auch die Bedürfnisse von Frauen in der Berufswelt enldich anerkennen, schließlich kann sich ja keine Frau aussuchen, ob und wie sie menstruiert.

Die 26-jährige Melissa meint zum Beispiel:

E così sogno un giorno – almeno – di congedo mestruale. Un giorno in cui avere il diritto di sentirmi male, in cui poter spegnere il telefono senza dover dare giustificazioni e aspettare che il tirannosauro che mi si agita in pancia si plachi.

Und Bernadette Redl schreibt im Der Standard:

Geht es ums Kinderkriegen, sind Regelungen für Frauen – Karenz, Mutterschutz – selbstverständlich. So sollte es auch mit der Menstruation sein – denn ohne sie wäre Fortpflanzung ebenso wenig möglich.

Und was spricht dagegen?

Kritisiert wird an dem Vorschlag, dass durch eine Maßnahme wie dem Menstruationsurlaub alte Klischees von Frauen wieder aufgewärmt werden könnten. Die Gefahr ist, dass Frauen als nicht so leistungsfähig wahrgenommen werden.

Lisa Breit ist im Der Standard ähnlicher Meinung:

So traurig es ist: Wenn Frauen zusätzliche freie Tage zugestanden werden, und genau das ist der „Mentruationsurlaub“, liefert das den Firmen leider ein weiteres Argument, weniger Frauen einzustellen.

Frauen könnten zudem auch ohne Menstruationsurlaub zu Hause bleiben. Der Krankenstand würde diese Zeit abdecken und Frauen wären nicht dazu verpflichtet dem Arbeitgeber die Art der Schmerzen mitzuteilen.

Als weiteren Punkt dagegen wird angeführt, dass ein Menstruationsurlaub auch ein Einschnitt in die Privacy sein würde, da der Arbeitgeber informiert wäre, wann die Frau menstruiert.

Welche Lösungsansätze gibt es?

Neben einigen Argumenten dafür gibt es also doch auch einige Punkte, die gegen einen Menstruationsurlaub sprechen. Zu bedenken geben sollte allerdings trotzdem, dass die genannte niederländische Studie das Hauptproblem nicht im Fernbleiben von der Arbeit sieht, sondern im Verlust an Produktivität bei der Arbeit. Spätestens diese Erkenntnis sollte Unternehmen dazu anleiten, Menstruation als Teil ihres Gesundheitsmanagements anzusehen.

Die Erbeerwoche formuliert es so:

Indem sich Unternehmen im Rahmen ihrer betrieblichen Gesundheitsförderung auch diesem Thema widmen, kann auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen – etwa durch anlassbezogenes Home Office – reagiert und so mitunter Krankenstände gesenkt werden.

Letztendlich ist die Debatte um den Menstruationsurlaub ein Teil der Debatte um die Gleichberechtigung von Frauen am Arbeitsplatz. Denn:

Dass Männer und Frauen gleich sind, war lange ein Leitgedanke des Feminismus. Denn: Tatsächliche und erfundene Ungleichheiten haben zu Diskriminierung geführt. Nun wird wieder von Unterschieden gesprochen, zu recht.

Die Debatte um Menstruationsurlaub könnte ein guter Ausgangspunkt sein, um diese Unterschiede anzuerkennen.

Die Erdbeerwoche schreibt dazu:

Es geht nicht um eine Opferrolle von Frauen, oder um eine Bevorzugung von irgendjemandem in der Berufswelt. … es geht um eine objektive Auseinandersetzung mit dem Thema Menstruation in unserer Gesellschaft und daher auch am Arbeitsplatz.

 

Judith Mittelberger

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