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Heilige Corona – Hilfe bei Seuchen

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Wusstet ihr, dass die Heilige Corona eigentlich die Schutzpatronin des Geldes ist – aber auch in Seuchenzeiten angerufen wurde? Die Kulturwissenschaftlerin Dr. Ulrike Wörner beschäftigt sich in ihren Forschungen mit Kulturgeschichte und Bildforschung zu Frauen- und Genderthemen. Zum Festtag der Heiligen Corona gibt sie Einblicke in die Geschichte dieser Heiligen.

Wer ist die Heilige Corona?

Die heilige Corona ist eine Märtyrerin aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus. Der Festtag der Jungfrau und Märtyrerin ist am 14. Mai.

Was ist die Geschichte der Heiligen Corona?

Über die Lebensgeschichte der heiligen Corona geben verschiedene Quellen Auskunft, deren Berichte allerdings sehr stark voneinander abweichen.

Einem Text zufolge, der von einem Diakon der Kirche in Antiochien im vierten Jahrhundert verfasst wurde, soll sie folgendes Martyrium erlitten haben: Ihr Gefährte oder Ehemann Viktor wurde auf Befehl des Statthalters Sebastian in Lycopalie, einer Stadt in Syrien, auf grausamste Weise wegen seines Glaubens an Christus gemartert. Als er bereits dem Tode nahe war, erhob sich unter den Zeugen seines Martyriums (s)eine Frau mit Namen Corona. Sie war erst 16 Jahre alt und fing nun an, den heiligen Viktor ob seines Martyriums glücklich zu preisen. Als der Tyrann dies hörte, nahm er Corona ins Verhör, und als sie offen und mutig ihr Christentum bekannte, befahl er, zwei Palmen gegenseitig niederzubeugen und Corona mit Seilen daran zu binden, je eine Hand und ein Fuß an jeden Baum. Als man dann die Bäume empor schnellen ließ, wurde sie bei lebendigem Leib zerrissen.

Wallfahrtskirche Sammarei in Niederbayern, Foto: Wolfgang Sauber – CC BY-SA, Quelle: Wikipedia.

Welche sind ihre Attribute?

Corona wird als eine jugendliche Frau in antiker Gewandung mit einem Palmbaum bzw. -zweig als Sinnbild für mutiges Bekennertum, bzw. mit zwei übers Kreuz gebogenen Baumwipfeln, an die sie gefesselt ist, dargestellt. Hinzu kommen eine Krone, auch ein Goldstück oder ein Schatzkästchen.

Warum wird die Heilige Corona bei Seuchen angerufen?

Im 14. Jahrhundert fand der Corona-Kult große Verbreitung auch als Hilfe in Seuchen-Zeiten.

1347 hatte ein genuesisches Schiff von der Krim die Pest nach Italien gebracht. Von dort breitete sie sich sprunghaft aus. Bis zum Ende des Jahrhunderts, so schätzt man, fiel jede*r dritte Europäer*in dieser unbegreiflichen Seuche zum Opfer.

König Karl IV. war von der Kraft der Reliquien überzeugt und schenkte dem Prager St. Veits-Dom den größten und wertvollsten Reliquienschatz in Europa, darunter auch eine Reliquie der heiligen Corona. Als Heilige, die bei Seuchen angerufen wurde, sollte sie gegen die Krankheit helfen.

Hl. Victor und Corona, Anonym, Quelle: Wikipedia, Public domain

Mit welchen Anliegen wandte sich die Bevölkerung an die Hl. Corona?

Diese Heilige wurde vor allem angerufen bei Seuchen, auch gegen Unwetter, und für die Standhaftigkeit im Glauben.

Weiter wurde sie ganz allgemein in Geldangelegenheiten von Anlegern und Glücksspielern, etwa der Lotterie, angerufen und soll der Währung Österreichs bis 1924 den Namen „Krone“ gegeben haben.

Um ihre Gestalt rankt auch weiteres abergläubisches Brauchtum. Gerade in der Endzeit des Dreißigjährigen Kriegs stand sie in der volksreligiösen Vorstellung im Ruf einer Hüterin verborgener Schätze und Gebieterin böser Geister. So soll eine Corona-Anrufung – auch „Kronengebet“ genannt – zum Auffinden verborgener Schätze verwendet worden sein.

Ihre heutige Bedeutung – einige Gedanken

Zum Grab der heiligen Corona in Feltre kann man gegenwärtig nicht pilgern, denn die „Basilika des heiligen Viktor und Corona“ mit dem Hauptreliquienschrein befindet sich in der norditalienischen Region Venetien – eine der ersten, die aufgrund der Verbreitung des Virus abgeriegelt wurde.

Dennoch ist heute das Internet voll mit kirchlichen Seiten, die die heilige Corona gerade im gegenwärtigen Augenblick wieder zu einer wichtigen Fürsprecherin machen, wird sie doch ganz besonders in Seuchenzeiten angerufen. Dies mag auch damit zu tun haben, dass Otto III. an hohem Fieber, vielleicht eine „Seuche“ gestorben ist, und Karl IV. Ihre Reliquien gerade zur Pestzeit nach Prag und damit ihren Kult in die Region Böhmen, Österreich, Bayern holte.

Aufgrund der globalen Verbreitung des Corona-Virus wurde am 11. März die Erkrankung daran zur Pandemie erklärt. Dies führte dazu, dass es auf Grund der starken Verbreitung des Corona-Virus nunmehr zu einer Renaissance ihrer Verehrung kommt – vergleichbar der großen Verbreitung der Heiligen und ihres Kults als „Seuchenheilige“ im Europa des 14. bis 17. Jahrhunderts – allerdings im Gegensatz zu früheren Zeiten ohne Wallfahrten, die durch die Kontaktsperre in Bayern mindestens bis zum 04. Mai 2020, wahrscheinlich auch darüber hinaus, nicht möglich sind.

Für alle jene, für die es keine Zufälle gibt, wird der 20.03.2020 ein bedeutendes Datum bleiben: Ist doch neben dem 14.05. der 20.02. der Tag ihres Patroziniums und zudem der Tag, an dem die Erkrankungen am Corona-Virus in der europäischen Presse als Epidemie wahrgenommen wurde.

Nachdem die weltweite Corona-Pandemie 2020 auch in Europa als solche erkannt war, entschied man sich zudem in Aachen, die geplante Restaurierung des Reliquiars aus Blei vorzuziehen, um ihn zu entstauben und zu konservieren.

Die Zuständigkeit der heiligen Corona für Geldangelegenheit scheint fast eine Ironie der Frömmigkeitsgeschichte, wird doch die jetzt beschworene Corona-Krise wirtschafts- und finanzpolitisch eine der großen Herausforderungen für die globalen Systeme, denn viele „Kronen“ wird es brauchen, um den „Lock-down“ von Produktion und Handel zu kompensieren. Und so sei an spätere Darstellungen der Heiligen gedacht, die ein Schatzkästchen in Händen hält oder einem Bettler ein Geldstück überreicht. Da die heilige Corona auch für Geldangelegenheiten von Anlegern und Glücksspielern zuständig ist, könnte sie nun neben Bär und Stier auch zur Symbolfigur der weltweiten Börsen erhoben werden.

 

Weitere Informationen über die Heilige Corona können hier nachgelesen werden.

 

Dr. Ulrike Wörner

 

Dr. Ulrike Wörner

 

Literatur

Braunfels, Wolfgang (Hg.): Lexikon der christlichen Ikonographie. Rom, Freiburg, Basel, Wien 1974, Bd. 7

Keller, Hilgart L.: Reclams Lexikon der Heiligen und biblischen Gestalten. Legenden und Darstellungen in der bildenden Kunst. Stuttgart2001, 9. Aufl.

https://www.radio.cz/de/rubrik/tagesecho/domschatz-des-veitsdoms-wird-auf-der-prager-burg-ausgestellt

https://www.welt.de/geschichte/article155333430/Wie-Kaiser-Karl-IV-bei-der-Pest-die-Juden-verriet.html

https://www.die-tagespost.de/kirche-aktuell/wochenheiliger/Die-heilige-Corona-Hilfe-in-Zeiten-der-Seuche;art4876,206430

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