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Engagiert, mutig und zielstrebig

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Unsere Frau des Monats Dezember: Margareth Gruber

Ihr Coming out in den 70er Jahren hat Margareth Gruber dazu motiviert sich über Jahrzehnte hinweg für Frauenrechte einzusetzen. Ihre Behinderung hingegen lehrte sie früh, ihre Fähigkeiten zu erkennen und zielstrebig umzusetzen. Im Interview berichtet Margareth Gruber von ihren Erfahrungen und ihrem Einsatz für eine gerechtere Gesellschaft.

Margareth, stellst du dich uns kurz vor?

Ich bin 1950 im Ultental, als erstes Kind einer armen Familie, mit einer schweren Gehbehinderung geboren. Da meine Mutter aus falschem religiösem Glauben sich schuldig fühlte, erlebte ich sie ganz oft weinend. Um ihr das Leben nicht zu erschweren und ihren Glauben in meine Kapazitäten zu stärken, klagte ich nie über mein Schicksal und war bemüht, das Beste aus mir herauszuholen.

Margareth Gruber und ihre Mutter, 1958

Ich durfte als einzige von den fünf Kindern meiner Eltern studieren. Da ich mich gerne kreativ betätigte, entschied ich mich die Kunstschule in Gröden  zu besuchen. Beruflich habe ich Kunst in der Mittelschule unterrichtet.

In den 70er und 80er Jahren hast du dich als junge Frau für Frauenrechte engagiert. Woher kam dein Antrieb für diesen Aktivismus?

1975 hatte ich mein Coming out als frauenliebende Frau, und dies hat mich motiviert, mich für meine Rechte und die Rechte der Frauen einzusetzen.

In welchen Initiativen und Frauengruppen warst du damals aktiv?

Ich war in verschiedenen Frauenguppen aktives Mitglied (UDI Bozen und Meran). Mit einigen Meraner Frauen habe ich die Frauenberatungsstelle “LILITH” mit aufgebaut, und habe dort auch ehrenamtlichen Dienst geleistet, und die Realisierung finanziell unterstützt.

Margareth Gruber, 1982
Du führst seit Jahrzehnten lückenlos dein Tagebuch. Damit hast du auch ein Stück Feminismus-Geschichte Südtirols dokumentiert und einen Teil bereits als Vermächtnis dem Frauenarchiv in Bozen übergeben, richtig? Was hat dich zum Schreiben veranlasst und was hältst du fest?

Ich führe seit meinem Coming out 1975 täglich Tagebuch. Nach meinem Ableben wird das Frauenarchiv in Bozen meine Tagebücher, Briefe von Frauen und andere gesammelte Dokumentationen erhalten.

Zum Schreiben veranlasst hat mich meine erste Liebesbeziehung zu einer Frau. Ich halte darin bis heute all das fest, was mich in meinem Leben positiv oder negativ berührt. Es ist ein Weg der Selbsterkenntnis, denn ich bin der Meinung, dass ich ständig Neues zu verstehen und zu lernen habe.

Die Tagebücher von Margareth Gruber im Frauenarchiv in Bozen
Inwieweit wurde dein Leben davon geprägt, dass du mit einem Bein geboren wurdest?

Dass ich mit einem Bein geboren wurde, hat meine Persönlichkeit am allermeisten geprägt. Erstens, weil ich ständig beweisen musste, dass ich trotzdem ein wertvolles Mitglied dieser Gesellschaft bin. Die Behinderung veranlasste mich sehr früh, nach meinen Fähigkeiten Ausschau zu halten und diese zielstrebig umzusetzen und mich nicht zu beklagen über das, was mir nicht möglich war zu tun.

Hast du auch problematische Erfahrungen damit gemacht bzw. hast du aufgrund deines Körpers Diskriminierungen erfahren?

Ich bin deshalb gut mit der Behinderung zurechtgekommen, weil ich mein Schicksal als MEINEN LEBENSWEG betrachtete und ich dabei vor allem den spirituellen Weg ging.

Nur in der ersten Volksschulklasse haben mich die Buben gehänselt, aber dann gab es keine problematischen Erfahrungen diesbezüglich mehr.

Einmal erlebte ich Mobbing in der Schule von Unbekannten, wegen meines Lesbischseins, aber damit hatte ich früher oder später zu rechnen, da ich mich ja öffentlich geoutet hatte (über Radiosendungen, Fernsehen und Podiumsdiskussionen).

Du hast dich über Jahre mutig für Frauenrechte eingesetzt, du warst engagiert im Berufsleben und vieles mehr. Was ist dir für heute wichtig?

Heutzutage bin ich nur noch über Facebook aktiv an einer positiven Mitgestaltung der Gesellschaft beteiligt.

Mein Kampf richtet sich heute vorwiegend gegen Rassismus, Faschismus und die Tierausbeutung!

Lebe seit über 30 Jahren konsequent vegetarisch.

Ich gehe den Weg der LIEBE, gebe aber zu, mich über so manches auch zu ärgern.

Die SPIRITUALITÄT versuche  ich in allem was ich tue, nicht aus den Augen zu verlieren.

Es war wohl auch meine Behinderung, die mich gelehrt hat, niemals andere für das, was mir geschieht, die Schuld zu geben.

Welche Lebensweisheit hast du im letzten Jahr gewonnen?

Ich betrachte mein Leben als Aufgabe, die einzig mir nur so gestellt werden konnte und kann.

Gewalt gegen Frauen von Margareth Gruber
Wen bewunderst du?

Es gibt verschiedene Menschen (Frauen und Männer), die mich mitgeprägt haben. Ich bewundere Menschen mit GERADLINIGKEIT, die wie ich lieber aufrecht sterben, als kriechen.

Was ist für dich Erfolg?

Erfolg ist für mich, wenn ich täglich ein bisschen mehr zur AUFHELLUNG DER WELT beitragen kann.

Dein Lebensmotto?

Mein Lebensmotto ist: LEBEN UND LEBEN LASSEN, weil alle IHREN WEG gehen müssen, und alle eine AUFGABE zu erledigen haben und es mir nicht zusteht, diese zu bewerten.

Margareth Gruber, 2009

 

Interview: Sigrid Prader und Judith Mittelberger

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