Ljubóv Fjodorowna Dostojewskaja (*26. September 1869 in Dresden; †10. November 1926 in Bozen-Gries) war eine russische Schriftstellerin und die einzige überlebende Tochter des weltberühmten Autors Fjodor Michailowitsch Dostojewski und seiner zweiten Ehefrau Anna Grigorjewna. Sie wurde während eines Auslandsaufenthalts ihrer Eltern geboren, die sich vor den Gläubigern des Vaters ins Ausland geflüchtet hatten.
Schon früh zeigte sich ihre gesundheitliche Anfälligkeit, und sie blieb zeitlebens unverheiratet. Ihre Beziehung zur Mutter kühlte sich mit den Jahren ab und endete in Entfremdung. Ljubóv, die sich selbst „Aimée“ nannte, wuchs in St. Petersburg auf und bewegte sich später in literarischen und gesellschaftlichen Kreisen. In ihrem Salon verkehrten zahlreiche Gäste, und sie begann, Romane, Erzählungen und Theaterstücke zu schreiben – meist im Milieu der mondänen Gesellschaft.
1913 verließ sie Russland endgültig und lebte fortan in Westeuropa. Ihre Werke, darunter *Kranke Mädchen* (1911), *Emigrantka* (1912) und *Adwokatka* (1913), spiegeln persönliche Krisen und Erfahrungen wider. Besonders bekannt wurde ihre auf Französisch verfasste Biografie über ihren Vater, die 1920 erstmals auf Deutsch erschien. Sie wurde jedoch wegen zahlreicher Ungenauigkeiten kritisiert.
Die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte sie krank und verarmt in verschiedenen europäischen Sanatorien. 1926 starb sie an perniziöser Anämie im Sanatorium Grieserhof in Bozen-Gries. Ihr schlichtes Grab wurde später durch eine Amphore als Denkmal ergänzt – ein stilles Zeugnis eines Lebens im Schatten eines literarischen Giganten.
