Unsere Frau des Monat Dezember und leider auch unsere Letzte für dieses Jahr ist Elisabeth Tappeiner, Farmfluenzerin vom Kathreingut Kastellbell/Tschars.
Im Interview mit Sissi Prader erzählt sie über ihren mutigen Neuanfang in der Landwirtschaft.
Kannst du dich kurz vorstellen?
Hallo, ich bin Lisi, 42, BIO-Bäuerin aus dem Vinschgau.
Du bist eine leidenschaftliche Bäuerin, was fasziniert dich an diesem Beruf?
Die Selbstwirksamkeit. Ich kann so viel mit meinen Händen machen. Was in unserem Gemüsefeld alles wächst ist unglaublich. Selbstverständlich immer im Zusammenspiel mit der Natur.
Du hast bewußt dich für Vielfalt im Anbau entschieden – ist hier eine nachhaltige Strategie dahinter?
Ja absolut. Denn mit mehr Vielfalt brauche ich weniger an Pflanzenschutzmitteln. Mehr Vielfalt bringt mehr Leben in mein Feld. Mehr Vielfalt bringt dem Boden was. Mehr Vielfalt tut auch unserem Gemüt gut.
Wir lesen von dir dass du auch Safran anbaust?
Ja genau. Seit 6 Jahren wächst bei uns im Feld auf dem Sonnenberg der tolle Safrankrokus. Ein faszinierendes und für unseren Betrieb wichtiges Standbein.
Was bedeutet für dich „farmfluencer“
Die Farmfluencers sind das Projekt von Meike Hollnaicher und Tom Schäfer, welche Bäuerinnen und Bauern, die andere Wege gehen, Sichtbarkeit verschaffen. Wir dürfen ein Teil dieses Netzwerkes sein. Und das ist großartig. Denn diese Sichtbarkeit zeigt auf, dass eben auch andere Wege jenseits der schon beschrittenen Pfade in der heimischen Landwirtschaft existieren.
Dein Studium der Germanistik in Wien hat dich auch geprägt, sodass du noch Zeit findest, Bücher zu lesen – was fasziniert dich und wie wählst du diese aus?
Das Bücher lesen ist ein guter Ausgleich zu meinem sonst sehr körperlichen Arbeitsalltag. Zudem erlaubt es mir, mich zu informieren. Aber auch in fremde Welten einzutauchen. Andere Ansichten kennen zu lernen (und diese auch aushalten). Oder auch einfach mal bei einem seichten Roman etwas abzuschalten.
Hauptsächlich lese ich zur Zeit Feministisches und Gesellschaftskritisches. Viele Empfehlungen bekomme ich von Freundinnen und Freunden. Oder auch über die Bücher-Bubble auf Instagram.
Du bist als Frau sehr engagiert und auch feministisch unterwegs – was treibt dich an?
Der Austausch mit anderen Frauen treibt mich hier an. Hier werden oft Missstände oder Bedürfnisse aufgezeigt. Wenn ich dann das Gefühl habe, dass ich irgendwo persönlich etwas beitragen oder etwas zum Guten verändern kann, dann kann ich nicht stillsitzen.
Deine Familie ist wohl auch fordernd und schaust allem gerecht zu werden?
Fordernd ist hier vielleicht nicht das richtige Wort. Aber ja, ich möchte auch Zeit mit meinen Liebsten verbringen. Oft bleibt dann etwas auf der Strecke, aber das sind so Dinge wie der Haushalt. Der kann schon mal etwas liegen bleiben 😉 . Ich habe das Privileg, einen Mann an meiner Seite zu haben, der die Familienarbeit 50/50 mit mir teilt.
Hast du auch weibliche Vorbilder?
Alle Frauen um mich herum. Alle Frauen die jeden Tag Großartiges leisten, in einem System, das nicht für Frauen gemacht wurde. All diese Frauen sind mein Vorbild. Und ich ziehe meinen Hut vor jeder einzelnen von ihnen.
Dein Lebensmotto!
„Was soll schon schiefgehen?“


