Gerda Lerner (1920–2013) war eine österreichisch-US-amerikanische Historikerin und eine Pionierin der Frauengeschichte. Sie stammte aus einer wohlhabenden jüdischen Familie in Wien und floh nach der Verhaftung durch die Nationalsozialisten in die USA. Dort arbeitete sie zunächst in verschiedenen Berufen, bevor sie sich der Geschichtswissenschaft zuwandte.
Frühes Leben und Emigration
Lerner wurde in eine wohlhabende jüdische Familie in Wien geboren. Ihre Kindheit war geprägt von intellektuellen und künstlerischen Einflüssen, aber auch von familiären Spannungen. Nach dem Anschluss Österreichs an Nazi-Deutschland 1938 engagierte sie sich in der Widerstandsbewegung und wurde kurzzeitig inhaftiert. Später emigrierte sie in die USA, wo sie zunächst als Schriftstellerin und Drehbuchautorin arbeitete.
Akademische Karriere und Einfluss
Lerner spielte eine entscheidende Rolle bei der Etablierung der Frauen- und Geschichtsforschung als akademisches Fach. Sie entwickelte die ersten Studiengänge für Frauengeschichte in den USA, darunter das erste Masterprogramm an der **Sarah Lawrence College** und das erste Promotionsprogramm an der **University of Wisconsin-Madison**.
Sie war eine der Gründerinnen des Forschungsfeldes **Women’s History** und unterrichtete an verschiedenen Universitäten, darunter **Columbia University** und **Duke University**. Ihre Arbeit trug dazu bei, dass Frauen- und Geschichtsforschung als eigenständige akademische Disziplin anerkannt wurde.
Wichtige Werke
Lerner veröffentlichte zahlreiche Bücher, darunter:
– *The Creation of Patriarchy* (1987) – Eine bahnbrechende Analyse der historischen Entwicklung des Patriarchats.
– *The Creation of Feminist Consciousness* (1994) – Eine Untersuchung darüber, wie feministische Ideen über Jahrhunderte entstanden sind.
– *Black Women in White America* (1972) – Eine Dokumentation über die Geschichte schwarzer Frauen in den USA.
– *Fireweed: A Political Autobiography* (2002) – Ihre persönliche Autobiografie über ihr Leben und ihren Aktivismus.
Einfluss auf die feministische Bewegung
Ihre Forschung zeigte, dass das Patriarchat nicht naturgegeben ist, sondern historisch entstanden und über Jahrtausende hinweg aufrechterhalten wurde. Ihre Werke halfen dabei, feministische Theorien zu untermauern und die strukturellen Mechanismen der Frauenunterdrückung zu erklären. Sie inspirierte zahlreiche Historikerinnen und Aktivistinnen, sich mit der Geschichte von Frauen auseinanderzusetzen und feministische Bewegungen auf eine fundierte historische Basis zu stellen.
Alice Schwarzer, deutsche Journalistin und Feministin, führte 2000 ein Interview mit Lerner, in dem diese ihre frühen Erfahrungen als arbeitende Frau in den USA schilderte. Schwarzer selbst ist eine bedeutende Stimme der Frauenbewegung und Gründerin der feministischen Zeitschrift *Emma*. Ihre Arbeit und ihr Engagement für Frauenrechte ergänzen Lerners historische Perspektiven und zeigen die Verbindung zwischen feministischer Theorie und aktivistischer Praxis.
Für ihre Arbeit erhielt Lerner zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Joan-Kelly-Preis und das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst. Sie wurde mit 18 Ehrendoktorwürden geehrt, darunter von der Universität Wien. Ihr Leben wurde in Dokumentationen dargestellt, und 2022 wurde ein Hörsaal der Universität Wien nach ihr benannt. Sie bleibt eine Schlüsselfigur der Frauenforschung und Geschichtswissenschaft.
Schwarzer wiederum bleibt eine prägende Figur der feministischen Bewegung in Deutschland und darüber hinaus.
