Blog vom Frauenmuseum Il Blog del Museo delle Donne
Frauenmuseum | Museo delle donne

Ein Leben voller Aktivismus: Wissenschaft, Feminismus, Gesundheit und Menschenrechte

0

Rita Arditti (1934–2009) war eine argentinisch-stämmige Biologin, feministische Wissenschaftskritikerin, Dozentin und Menschenrechtsaktivistin. Sie wurde in Buenos Aires geboren, studierte Biologie (u. a. an der Sapienza-Universität Rom), arbeitete in den 1960ern in der Forschung (Brandeis/Harvard) und wechselte Anfang der 1970er bewusst in Lehre und Wissenschafts-/Gesellschaftskritik in Boston. Später betreute sie viele Jahre Doktorand\:innen an der Union Institute & University.

Aktivismus & Wirkung
* **Science for the People (Mitgründerin):** Prägte die feministische Perspektive innerhalb der US-Bewegung für „radikale Wissenschaft“ und kritisierte Militarisierung und Machtstrukturen in der Forschung.

* **Frauen- & Gesundheitsarbeit:** Mitgründerin von **New Words Bookstore** (feministische Buchhandlung) und der **Women’s Community Cancer Project** in Cambridge.

* **Menschenrechte (Argentinien):** Ab den 1980ern recherchierte sie zu den **Abuelas de Plaza de Mayo** (Großmütter des Plaza de Mayo) und der systematischen Entführung von Babys durch die Militärdiktatur. Ergebnis war ihr wichtigstes Buch *Searching for Life* (1999), das Interviews, Fallrecherchen und die Entstehung von Identitäts-/Genetik-Initiativen dokumentiert.

Schlüsselwerke (Auswahl)
* *Women as Objects: Science and Sexual Politics* (1974) – früher Essay zur Verflechtung von Wissenschaft und Geschlechterpolitik.

* *Science and Liberation* (1980, Mithrsg.) und *Test Tube Women: What Future for Motherhood?* (1984, Mithrsg.) – Debatten über Technik, Reproduktion und Macht.

* *Searching for Life: The Grandmothers of the Plaza de Mayo and the Disappeared Children of Argentina* (University of California Press, 1999) – erstes großes englischsprachiges Werk über die Abuelas; trug u. a. zur internationalen Anerkennung des „Rechts auf Identität“ bei.

Persönliches
Arditti lebte über 30 Jahre mit metastasiertem Brustkrebs – diese Erfahrung floss auch in ihre Aktivismen und Netzwerke ein. Sie starb am 25. Dezember 2009 in Cambridge (MA). Partnerin: Soziologin **Estelle Disch**; aus früherer Ehe mit dem Verleger Mario Muchnik hat sie einen Sohn (Federico).

 Vermächtnis
* Brücke zwischen **Naturwissenschaft**, **Feminismus** und **Menschenrechten**.
* Trug dazu bei, dass die Arbeit der Abuelas international wahrgenommen wurde; ihr Buch bleibt eine zentrale Quelle zur Aufarbeitung der argentinischen Diktaturverbrechen.

 

 

Comments are closed.