Constanze Hallgarten (*12. September 1881 in Leipzig; †25. September 1969 in München) war eine bedeutende deutsche Pazifistin, Frauenrechtlerin und Gegnerin des Nationalsozialismus. Ihr Leben war geprägt von einem unermüdlichen Einsatz für Frieden, soziale Gerechtigkeit und die Rechte von Frauen – in einer Zeit, in der solche Positionen Mut und Konsequenz erforderten.
Herkunft und Familie
Constanze wurde als Tochter der Malerin Philippine Wolff-Arndt geboren. Sie heiratete den Juristen und Philosophen Robert Hallgarten, mit dem sie drei Kinder hatte, darunter den bekannten Historiker George W. F. Hallgarten und den Maler Richard Hallgarten. Die Familie war intellektuell und politisch engagiert, was Constanze stark prägte.
Engagement für Frieden und Frauenrechte
Nach dem Ersten Weltkrieg schloss sich Hallgarten der **Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (IFFF)** an und leitete ab 1919 die Münchner Gruppe. Sie setzte sich für Abrüstung, Völkerverständigung und die Rolle der Frau in der Friedensarbeit ein. Ihre Arbeit war international vernetzt – sie organisierte Konferenzen, hielt Vorträge und korrespondierte mit führenden Pazifistinnen ihrer Zeit.
Im Jahr 1931 gründete sie gemeinsam mit anderen Aktivistinnen die deutsche Sektion der **Weltliga der Mütter und Erzieherinnen**, die sich für eine friedliche Erziehung und gegen militaristische Ideologien einsetzte.
Ein Höhepunkt ihres Engagements war die Organisation einer großen Friedenskundgebung in München im Jahr 1932, bei der prominente Rednerinnen wie **Erika Mann** und **Marcelle Capy** auftraten. Die Veranstaltung war ein deutliches Zeichen gegen den aufkommenden Faschismus.
Frühe Warnungen und Bedrohungen
Bereits 1923, beim Hitler-Ludendorff-Putsch, wurde sie von den Nationalsozialisten auf eine „Schwarze Liste“ gesetzt – ein klares Zeichen, dass ihre pazifistische und republikanische Haltung als Bedrohung galt.
Sie wurde öffentlich diffamiert, unter anderem als „jüdische Salonbolschewistin aus dem Ghetto von Bogenhausen“, obwohl sie nicht jüdisch war – ein Ausdruck der antisemitischen und frauenfeindlichen Hetze jener Zeit.
Öffentlicher Protest und Friedenskundgebungen
Im Januar 1932 organisierte sie eine große Friedenskundgebung in München, bei der prominente Rednerinnen wie Erika Mann und Marcelle Capy auftraten.
Die Veranstaltung wurde von Nationalsozialisten gestört, und Hallgarten wurde daraufhin von der NS-Presse massiv angefeindet.
Verbot und Auflösung ihrer Organisationen
Nach der Machtergreifung 1933 wurden alle pazifistischen Organisationen verboten, darunter auch die Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, die sie in München leitete.
Ihre Aktivitäten wurden kriminalisiert, und sie war gezwungen, ihre Arbeit im Untergrund oder im Exil fortzusetzen.
Flucht und Exil
Im März 1933 floh sie mit ihrer Mutter und ihrem Sohn zunächst in die Schweiz, später nach Frankreich.
Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Frankreich 1940 lebte sie unter schwierigen Bedingungen in Paris, bevor ihr 1941 die Flucht über Marseille in die USA gelang – ein riskanter und beschwerlicher Weg, der ihr Leben rettete.
Rückkehr und späte Jahre
1955 kehrte Constanze Hallgarten nach Deutschland zurück und lebte bis zu ihrem Tod in München. Sie engagierte sich weiterhin für die Internationale Frauenliga und schrieb ihre Autobiografie **„Als Pazifistin in Deutschland“**, die 1956 erschien. Darin schildert sie eindrucksvoll ihr Leben im Widerstand gegen Krieg und Diktatur.
Constanze Hallgarten war eine Frau, die sich mit Intellekt, Mut und Überzeugung gegen Krieg und Diktatur stellte – lange bevor viele andere die Gefahr erkannten. Ihr Widerstand war nicht spektakulär im militärischen Sinne, sondern tiefgreifend, moralisch und politisch – und gerade deshalb so bedeutsam.
