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Die Zivilgesellschaft hat in Südtirol ein klares Zeichen gesetzt: Sexualisierte Gewalt wird nicht mehr länger geduldet!

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Forschungsteam TRACES fordert konsequenten Schutz von Betroffenen und Prävention statt Re-Traumatisierung

Auf Druck der verschiedenen kirchlichen Organisationen und der Zivilgesellschaft hat die Ernennung von Don Giorgio Carli für den seelsorglichen Dienst im Oberen Pustertal zurückgenommen. Diese Entscheidung wird vom TRACES-Forschungsteam und von Lukas Schwienbacher, dem Koordinator der Fachstelle Gewaltprävention des Forum Prävention, ausdrücklich begrüßt. Damit wird ein klares und wichtiges Signal gesendet: Der Schutz von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen muss stets Vorrang vor allen anderen Überlegungen haben.

TRACES – durchgeführt von der Universität Trient, medica mondiale, dem Frauenmuseum Meran und dem Forum Prävention – forscht in Südtirol zu den transgenerationalen Langzeitfolgen sexualisierter Gewalt an Frauen und Mädchen. Alle beteiligten Institutionen sprechen sich für eine Kultur der Verantwortung aus. Denn die TRACES-Forschung zeigt: Sexualisierte Gewalt ist tief in den patriarchalen Strukturen Südtirols verankert – und die Kirche entscheidet mit, ob Gewalt ermöglicht oder gesellschaftliche Veränderung unterstützt wird.

Das Systems, dass Täterschutz über Betroffenenschutz gestellt wird muss unterbrochen werden, da es die Würde der Betroffenen verletzt. Sie birgt das Risiko der Re-Traumatisierung, verschärft das Schweigen und verhindert Heilung über Generationen hinweg. Das Projekt TRACES stellt sich dieser Normalisierung entgegen.

Eine wichtige Maßnahme ist die Istanbul-Konvention, das „Übereinkommen des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt“, das von 13 Staaten, unter anderem auch von Italien unterzeichnet. Die Konvention ist das erste völkerrechtlich verbindliche Instrument zur umfassenden Bekämpfung aller Formen von Gewalt an Frauen in Europa. Daher sind Staaten, die die Konvention ratifiziert haben, zur Umsetzung verpflichtet.

Institutionen müssen anerkennen: Sie können Gewalt ermöglichen – oder Veränderung initiieren.

Das Forum Prävention arbeitet derzeit an einem umfassenden Konzept zur Prävention von sexualisierter Gewalt. Darin kommt klar zum Ausdruck: Um sexualisierte Gewalt wirksam zu verhindern, braucht es ein umfassendes Bündel an Maßnahmen, unter anderem auch im gesellschaftlichen Bereich. Zudem müssen Politik, Fachkräfte, Kirche und Dorfgemeinschaften eine tragende Rolle übernehmen, um dem Schweigen, Wegsehen und Relativieren entgegenzuwirken. Prävention ist somit ein lang angelegter Prozess, der auf individuelle und kulturelle Veränderungen abzielt. Die Südtiroler Gesellschaft hat diesbezüglich bereits große Verantwortung gezeigt.

Am 17. November 2025 findet in Meran die Tagung „Spuren der Vergangenheit – Verantwortung für Heute statt, bei der neben den Forschungsergebnissen und dem Präventionskonzept, weitere relevante Inhalte für einen verantwortungsvollen Umgang mit der Thematik präsentiert werden.

Ebenso wird die Wanderausstellung „Meine Oma, meine Mutter und ich“ vom Frauenmuseum Meran eröffnet, die auf kultureller Ebene einen Beitrag zur Aufarbeitung und Prävention leistet.

Für weitere Informationen:

Andrea Fleckinger: 0464 808 43 8
Christa Ladurner: 0471 32 48 01

Unterzeichnerinnen:

Andrea Fleckinger, Forscherin, Universität Trient
Christa Ladurner, Soziologin, Forum Prävention
Daniela Gruber, Forschungsassistentin, Universität Trient
Ingrid Kapeller, Forum Prävention
Monika Hauser, Geschäftsführerin medica mondiale
Sigrid Prader, Frauenmuseum Meran
Barbara Poggio, Professorin, Universität Trient

 

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