In früheren Zeiten war es üblich, den Tod als unumgänglichen Teil des Lebens zu betrachten und er war, im Gegensatz zu heute, allgegenwärtig, bedingt durch Kriege, Seuchen und auch die Abwesenheit von Strukturen, in denen Menschen ihre letzte Lebenszeit verbrachten. Man wusste, dass Neues nur entstehen kann, wenn Altes gehen darf.
Das sich Kümmern, um Sterbende und Verstorbene, war Wirkungsbereich der Frauen, die sich nicht nur um die Begleitung Sterbender kümmerten, sondern auch um das Waschen und Kleiden der Verstorbenen, sowie um Totenwache und Riten rund um Trauer und Gedenken. So wie die Hebamme das Neugeborene ins Leben begleitete, geleiteten die sogenannten Totenammen die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg.
Und so wie die Hebammen von den Ärzten in ihren Hauptaufgaben beschnitten wurden, wurden die Totenammen ab dem 15./16. Jahrhundert unter Einfluss der Kirche von den männlichen Bestattern verdrängt. Durch die Institutionalisierung der wichtigen Aufgaben, die die Totenammen bis dahin innehatten, wurde das Geschehen rund um das Sterben nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes unfassbar, sondern geriet auch aus dem Blickfeld der Menschen.
Die Folgen waren weitreichend: Der bis dahin als Einheit verstandene Zyklus von Geburt, Sterben, Wiederkehr wurde aufgelöst und die Trennung von Geburt und Tod führten einerseits zum Verlust von Traditionen, Kompetenzen und Werten, die Frauen entwickelt und weitergetragen hatten und andererseits auch zu einem nicht näher definierbaren Gefühl der Angst und Hilflosigkeit im Umgang mit dem Tod.
Doch ein Umdenken, getragen von Frauen, die sich wieder verstärkt mit dem Thema Sterben und Tod auseinandersetzen, alte Traditionen neu beleben und auf vielfältige Weise versuchen, eine Kunst des Sterbens zu kultivieren, die den Tod (be-)greifbarer, fassbarer machen, ermöglicht einen neuen Zugang und versucht der Angst vor dem Tod etwas entgegenzusetzen.
Ausführlich mit der Thematik setzt sich das Buch „Schwester Tod“ von Erni Kutter, erschienen 2010 im Krösel Verlag, auseinander: Anhand der Schilderung verschiedener Traditionen und Rituale rund um das Sterben und den Tod und der Aufforderung, den Tod nicht zu verdrängen, sondern sich mit ihm auseinanderzusetzen, sowie des Aufzeigens von Wegen eine Erinnerungs- und Gedenkkultur im Umgang mit den Toten zu entwickeln, bietet es Frauen in ihrem Umgang mit Trauer und Tod eine Hilfestellung.
Schneckenhaus:
– Wiederauferstehung (altes christliches Symbol)
– Spirale (Kontinuität)
