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Eine Löwin verabschiedet sich

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Am Sonntag fünf Uhr morgens ist eine wichtige Frau Südtirols von uns gegangen: Gertrud Gänsbacher Calenzani (78). Sie war eine Löwin, wenn es darum ging, sich  nicht nur für Menschen mit Behinderung, aber auch für Frauen und Eltern von Menschen mit Behinderung einzusetzen. Eine Frau, die Konflikte nicht scheute, um sich für die Recht der Schwächeren einzusetzen, stets höhere Ziele vor Augen hatte und nun ihre Ruhe gefunden hat.

ichfrau möchte es sich nicht nehmen lassen, mit Tochter Claudia Calenzani (46) über diese Frau zu reden, der man für ihre lebenslange ehrenamtliche Arbeit nur Respekt zollen kann. Was die wenigsten wissen, ist dass Gertrud nicht nur eine Tochter mit Sehbehinderung hatte, sondern auch eine zweite – und die war bis zur letzten Stunde an ihrer Seite.

Claudia und Gertrud Calenzani im Garten
Privatarchiv Familie Calenzani

Wie war es, die Tochter einer Getrud Calenzani zu sein?

(Erste Reaktion: Ein Lachen.)
In den jungen Jahren hatte ich sie hoch auf einem Podest. Ich wollte wie sie werden, ihr nacheifern. Sie war das Wichtigste für mich. Mein Ziel war es, ihr ebenbürtig zu sein.

Als ich flügge geworden bin, wurde mir klar, dass ich nicht wie meine Mutter sein konnte. Da gab es auch schon mal Kämpfe zwischen uns, weil ich meine Freiheit wollte. Ihr Feuer, ihr Kämpfergeist, der sie auszeichnete, hat mich dabei auch manchmal überrollt.

Schließlich habe ich erkannt, dass ich meinen Weg gehen kann – auch den Menschen zu helfen, aber nicht unbedingt auf Mamas Art.

Frau/man sagt immer, im Schatten eines behinderten Kindes aufzuwachsen ist für die anderen Kinder sehr belastend. Wie war es für dich?

Mama hat immer versucht, auch für mich dazu sein, obwohl sie viel für meine Schwester tun musste.

So zum Beispiel hat sie stets morgens mit mir im Bett gekuschelt, ich durfte mit ihr alleine einkaufen gehen, oder sie stand mit mir um sechs Uhr morgens auf, um mit mir zu frühstücken und mich danach zum Zug zu führen, wenn ich Brixen zur Schule ging.

Sie nahm mich ernst, dass ich dort nicht im Heim sein wollte, weil ich zu viel Heimweh hatte.

Sie war Präsidentin des Arbeitskreises Eltern Behinderter und dafür bekannt. Aber sie machte so viel mehr…

Ja, sie hat Sozialgenossenschaften ins Leben gerufen, wie zum Beispiel Novum oder CasaHaus, um Menschen mit Behinderung ein selbständiges Leben zu ermöglichen. Auch die Gründung so mancher Selbsthilfegruppen gehen auf ihr Konto.

Sie war im Beirat für Chancengleichheit und bei der Plattform für Alleinerziehende von Anfang an dabei.

Dabei ist sie sich immer treu geblieben: Fern von Partei und Politik für das einzutreten, was sie für die Gesellschaft für wichtig hielt, damit sie immer alles sagen konnte, was und wie sie wollte.

Gertrud Calenzani mit Hund Tommy – eine Frau, die laut ihrer Tochter auch das Leben genießen konnte
Privatarchiv Familie Calenzani

Was lebt in dir von deiner Mutter weiter?

Als sie sich im Alter von allen Vereinigungen zurückgezogen hat, konnte sie endlich auch ihre Weichheit und Herzensgüte leben. Das ist etwas, was mir auf alle Fälle von ihr bleibt – und ihre Riesenlust zu leben. Das hat es ihr zwar schwer gemacht, sich von der Erde zu verabschieden, aber sie hat mir gezeigt, das Leben, so wie es ist, anzunehmen und zu genießen.

Und all die Weisheiten, die sie mir immer wieder weitergeben konnte. Sie hatte eine außerordentliche Klarheit, deren Schärfe mir zwar oft zu schaffen machte, aber auch zu Weisheiten führte, die mich in meinem Leben auch nach ihrem Tod begleiten werden.

 

Wer Gertrud Calenzani auf ihrem letzten Weg geleiten möchte: Die Beerdigung findet heute um 14 Uhr in der Dreiheiligenkirche in der Duca d’Aosta-Straße 25, Bozen, statt.

Gute Reise, liebe Gertrud! Du wirst uns als starke Frau, als Löwin in Erinnerung bleiben.

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