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„Ich möchte zeigen, dass Frauen mehr sind als das“

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Die zwanzigjährige Varshitha Serra aus Lana zeigte kürzlich unter dem Titel „Frauenkörper“ ihre aussagekräftigen Bilder. Sie zeigt die Stärke von Frauen und möchte dazu beitragen, dass Frauen weltweit endlich den Respekt erhalten, den sie verdienen. Sie wurde als erste mit dem Michael-Peer-Preis für soziales Engagement ausgezeichnet. Im Interview erzählt uns die junge Künstlerin, wie sie zur Kunst fand, wie sie ihre indischen Wurzeln geprägt haben und wie sie zum Feminismus steht.

Varshitha, wie kam deine Ausstellung in Lana zu Stande?

Die Frauengruppe Lana organisiert jedes Jahr eine Ausstellung von einer Künstlerin und hat mich für dieses Jahr ausgewählt.

Erzählst du uns von deinem künstlerischen Werdegang?

Angefangen hat alles damit, dass ich schon sehr früh Interesse für Kunst entwickelte und auch mitten drin aufwuchs. Mein Opa, Martin Rainer, war selbst ein bekannter Bildhauer, sowie mein Onkel Josef Rainer. Mein anderer Onkel Paulus Rainer arbeitet als Kurator in der Kunstkammer und Schatzkammer des Kunsthistorischen Museums Wien. In der Mittelschule hat mich meine Lehrerin Susan Hotter auf die Schule in Gröden aufmerksam gemacht, die ich dann besuchte. In diesen fünf Jahren fand ich meine Liebe zur Ölmalerei und zum realistischen Zeichnen. Nach der Oberschule entschied ich mich für eine Universität, da ich in den fünf Jahren genug praktische Erfahrung gesammelt hatte, jedoch fehlte mir noch der theoretische Teil. Diesen fand ich in Graz, wo ich jetzt Kunstgeschichte studiere.

Warum war es dir ein Anliegen, in der Ausstellung starke Frauen darzustellen?

Ich finde Frauen auf der ganzen Welt sollten endlich den Respekt bekommen, den sie verdienen. In meiner Freizeit lese ich gerne Artikel und stieß dabei auf einen Art Blog über Gewalt und Vergewaltigungen in Indien. Dieser Blog hat mich sehr berührt, da ich selbst eine junge Frau aus diesem Land bin, jedoch das Glück hatte, davon zu kommen. In Südtirol gab es heuer viele Fälle von häuslicher Gewalt, die meisten endeten schlimm. Ich kritisiere dabei die Beamten oder die Leute die wegschauen und der Meinung sind, dass man nichts dagegen tun kann. Deshalb möchte ich gerne schöne starke Frauen darstellen, um zu zeigen, dass Frauen eigentlich ein starkes Geschlecht sind, die den Kreislauf des Lebens in Takt halten. In Indien, wo eigentlich meine Wurzeln sind, sind Frauen nichts wert, sondern mehr eine Last, die Geld kostet. Ich möchte zeigen, dass Frauen mehr sind als das.

Varshitha Serra, Schwangere Frau, Skizze und Ölbild
Wie stehst du zum Feminismus?

Ich bin nicht sehr feministisch, aber in manchen Dingen möchte ich gern den Frauen den Vorrang geben, wie zum Beispiel bei Abtreibungen oder Schwangerschaftsurlaub. Es sind bei mir nur die einzelnen Dinge wichtig, aber es sollte immer noch das Gleichgewicht zwischen Mann und Frau geben. Man sollte bei manchen Dingen einfach den Hausverstand einschalten.

Du bist als erste mit dem Michael-Peer-Preis für soziales Engagement ausgezeichnet worden. Wofür hast du die Auszeichnung erhalten?

Angefangen haben die sozialen Projekte im Sommer nach der ersten Oberschule. Durch die Anmeldung beim KVW wurden soziale Projekte ermöglicht. Beim Lorenzerhof gestaltete ich mit einer Gruppe und mit Freundinnen die kahlen Wände des Altersheimes. Nach und nach kamen noch andere Projekte und am Ende wurde ich für den ersten Michael-Peer-Preis ausgewählt.

Du bist in Indien geboren und in Südtirol bei deinen Adoptiveltern aufgewachsen. Hat dich das geprägt? Fühlst du dich hier angenommen?

Ich habe mich sehr gut in Südtirol eingelebt. Zwar gibt es hin und wieder Sprüche über meine Hautfarbe, aber das geht bei einem Ohr rein und beim anderen wieder raus. Sonst aber weiß ich mich zu wehren, da ich nicht zu den Leuten gehöre, die nur stumm da sitzen. Durch meine Eltern bin ich so geworden wie ich heute bin. Ich sehe meine Eltern nicht als Adoptiveltern und bezeichne sie auch nicht so, sondern benutzte wie jedes andere Kind die Begriffe Mama, Papa und Eltern. Ich weiß zwar, dass ich nicht mit ihnen blutsverwandt bin, aber das zählt für mich nicht. Es zählt nur, dass ich eine neue Chance auf ein Leben bekommen habe und dies wurde nur durch die Adoption ermöglicht. Meine Eltern habe ich vom Anfang an akzeptiert, egal ob sie eine andere Hautfarbe haben.

Varshitha Serra, Auflösung
Welche Lebensweisheit hast du im letzten Jahr gewonnen?

Jede harte Arbeit wird am Ende mit etwas Positivem belohnt.

Wen bewunderst du?

Ich bewundere sehr meine Eltern, da sie in den letzten Jahren sehr viel durchgemacht haben und trotzdem zusammenhalten und sich nicht davon unterkriegen lassen. Bei ihnen steht die Familie an erster Stelle, besonders unser Hund.

Was ist für dich Erfolg?

Harte Arbeit und positives Denken.

Dein Lebensmotto?

Durch Stress lernt man das richtige Leben kennen und verstehen.

Varshitha Serra, Body Shaming und Oberteil einer Frau, Skizze und Ölbilder

 

Interview: Judith Mittelberger

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