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Frauenmuseum | Museo delle donne

Gedanken, die über den Tag der Frau hinaus gehen

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Weibliches Engagement in Gesellschaft und Politik fördern

Seit Jahrhunderten kämpfen die Frauen für ihre (politische) Gleichberechtigung und verfolgen dabei die unterschiedlichsten Strategien, um ihrem Ziel näherzukommen. Ebenso wie in der ersten Frauenbewegung wählen Frauen auch heute unterschiedliche Wege, doch bei allen Differenzen gibt es immer einen gemeinsamen Nenner, der jedoch insgesamt sehr klein ist: die Verbesserung der Stellung der Frau in der Gesellschaft.
Inwieweit es gelungen ist, dies zu erreichen, muss für verschiedene Bereiche sicherlich sehr unterschiedlich beurteilt werden. Die Bilanz ist, wie wir alle wissen, durchwachsen. Vor allem im Bereich der Politik kann das bislang Erreichte nicht zufriedenstellen.

Wir haben es nach wie vor mit einer Unterrepräsentanz von Frauen in den politischen Institutionen zu tun, wir können vielerorts auch getrost von einem Backlash sprechen.
Auch die letzten Gemeinderatswahlen in Südtirol haben gezeigt, dass Frauen in der Politik nach wie vor einen schwierigen Stand haben. In Südtirol wurden 13 Bürgermeisterinnen und 103 Bürgermeister gewählt; in den meisten Gemeinden erreicht der Anteil der gewählten Frauen keine 25%.
Mit Mühe und Not ist es unlängst gelungen, die ausgewogene Vertretung beider Geschlechter in den Gemeindekommissionen zu retten, eine 50 % Quote scheint nach wie vor noch weit entfernt zu sein.
Und ein Phänomen, das genannt werden muss, ist die Tatsache, dass Politikerinnen oder generell Frauen, die in der Öffentlichkeit stehen, besonders im Fokus von Hasspostings, verbalen sexistischen Übergriffen stehen.

Auf der anderen Seite fallen mir auch aber auch (einige wenige) positive Beispiele ein:

  • So profiliert sich eine neue Frauengeneration im sogenannten vorpolitischen Raum, z.B. bei „Fridays for Future“ und in vielen NGOS und die „alten“ Feministinnen bringen sich z.B. mit den Omas gegen rechts wieder ins Spiel.
  • Auch in der Politik gibt es eine Reihe von neuen politischen Rolemodels in Top-Positionen wie Jacinda Ardern oder Sanna Marin.
  • Vielfach wurde in den Medien thematisiert, dass Frauen in politischen Entscheidungspositionen die COVID-Pandemie besser, vorausschauender als ihre männlichen Kollegen gehandelt hätten. Als Beispiele werden Neuseeland, Taiwan, Deutschland genannt, als Gegenbeispiele ein bestimmter Typus männlichen Politikers im Kontext rechtspopulistischer, rechts-autoritärer Stärkung wie Trump, Bolsonaro, Erdoğan, die nicht auf Team-Orientierung setzen, sondern auf ein sehr starkes „Ich-bin-der-Boss.“

Doch bedienen wir nicht wieder althergebrachte Stereotype, wenn wir behaupten, dass Frauen die besseren Krisenmanagerinnen seien und bessere Politik machen?

Allgemeiner Konsens ist inzwischen aber, dass es wichtig ist, dass die politische Vertretung ebenso vielfältig wie die Gesellschaft ist, weil dort die Rahmenbedingungen festgelegt werden.

Das bedeutet, dass Frauen schon deshalb in die Politik gehören, weil die Politik darüber entscheidet, wie unser Leben aussieht. Frauen sind also nicht per se besser, sondern haben als Mütter, Töchter und Schwestern einen anderen Erfahrungshorizont, der hilfreich bei der Problemlösung sein könnte.

Das führt mich zu einer weiteren Herausforderung, die anzugehen ist, wenn wir weiterkommen wollen: der Erfahrungshorizont, der bei Frauen sehr stark von sozialen, von pädagogischen Aspekten, von Care-Arbeit gekennzeichnet ist muss zu einem gemeinsamen Erfahrungshorizont der Gesamtgesellschaft werden.

Gleichzeitig muss die Unterrepräsentanz der Frauen in politischen Funktionen ein Ende finden. Ein Grund für das mangelnde politische Engagement von Frauen ist möglicherweise auch darin zu finden, dass die politischen Institutionen und ihre patriarchale Struktur selbst ein großer Teil des Problems sind, dazu kommt, dass die Bedingungen politischer Arbeit unbefriedigend und kraftraubend sind, der Lobbyismus und vor allem die mangelnde Vereinbarkeit mit Familie und Beruf weitere gravierende Stolpersteine darstellen.

Eine Quote ist dabei ein wichtiger Schritt, aber als Gesamtgesellschaft müssen wir das politische Gemeinwesen verändern und so organisieren, dass mehr Frauen den Weg dorthin finden. Frauen, die sich für eine politische Laufbahn entscheiden, müssen gezielt unterstützt und gefördert werden.

Die Politik als ein Feld, in dem Männer über Frauen Macht ausüben gilt es zu hinterfragen und zu verändern, indem Frauen die Machtfrage stellen: sich selbst, um die eigene Angst vor der Macht zu überwinden und um einen angemessenen Anteil an der Macht zu beanspruchen.

Ich behaupte, Frauen haben dasselbe Recht, schlechte Politik zu machen wie Männer und …die Einbeziehung der weiblichen Perspektive in alle politischen Entscheidungen auf allen Hierarchien kann keine Verschlechterung des derzeitigen Status Quo darstellen, das ist fast nicht möglich.

 

Marlene Messner, Vorstandsmitglied des Frauenmuseums und Direktorin des Museumsverband Südtirol

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