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Frauenmuseum | Museo delle donne

Weibliche Wunderkammer

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Noch für zwei Wochen ist im Frauenmuseum die „Wunderkammer“ zu sehen, eine kleine Schau, die besondere Objekte aus der Sammlung zeigt. Ob es nun die kuriosen Dinge sind, oder die unscheinbaren Objekte und wertvollen Stücke – allesamt erzählen Geschichten, von denen wir heute hier einige teilen möchten.

Hochzeitsanzug mit Cutaway, erste Hälfte 20. Jahrhundert und Hosenanzug in Seide und Spitze, 1990er Jahre. Foto: Annalena Thanei

Das weiße Brautkleid

In der westlichen Geschichte konnten sich nur wenige Bräute ein spezielles Kleid ausschließlich für die Hochzeit leisten. Bräute der Mittel- und Unterschicht heirateten bis Anfang des 20. Jahrhunderts im Sonntagsstaat, das heißt in ihrem besten Kleid, das entweder schwarz war oder der jeweiligen Regionaltracht entsprach. Erst ab den 1920er Jahren fasste das weiße Brautkleid allgemein Fuß.

Geizhalsbeutel. Foto: Frauenmuseum

Geizhalsbeutel

In Anlehnung an die mittelalterliche Tradition, Münzen in einer Socke aufzubewahren, hingen Mitte des 19. Jahrhunderts gehäkelte Münzbeutel an den Gürteln fleißiger Hausfrauen. Die Modelle für Männer waren dreimal so lang und wurden in den Manteltaschen getragen. Ihr Name „Miser Bags“ (Geizhalsbeutel) geht auf den kleinen, versteckten Schlitz in der Mitte des Beutels zurück, der seinen Inhalt nur zögerlich hergab.

Schultertasche. Foto: Frauenmuseum

Schultertasche und freie Hände

Die lederne Schultertasche verdanken wir den frühen Feministinnen. Nach dem Vorbild von Postsäcken und Jagdtaschen gestaltet, trugen die Suffragetten robuste, rechteckige Ledertaschen quer über der Schulter, um die Hände zur Verteilung ihre Flugblätter frei zu haben.

Verschiedene Hutnadeln. Foto: Frauenmuseum

Gesetzlich geregelte Hutnadeln

Die Sitten im 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts verlangten nicht nur die Kopfbedeckung, sondern auch die Befestigung derselben mit Hutnadeln. Da diese spitzen Geräte der Damen für die umstehenden Personen aber gefährlich werden konnten, wurden vielerorts umhüllende Kappen rund um die Hutnadeln zum Gesetz. Für die Nicht-Einhaltung dieses Gesetzes galt in Deutschland bis zum 1. Weltkrieg eine saftige Geld- und/oder Haftstrafe!

Büstenhalter. Foto: Frauenmuseum

Und darunter?

Bis zum 19. Jahrhundert wurde vom Großteil der Frauen keine Unterwäsche (sogenannte „dessous“, was im Französischen so viel wie „darunter“ heißt) getragen.

Erst um 1830 wandelte sich die gesellschaftliche Moral. Von nun an galt es als unrein und verworfen, keine Unterwäsche zu tragen. Hauptursache dieses Wandels waren drei Faktoren: die Blütezeit der Prüderie in der viktorianischen Epoche, die Einführung leichterer Stoffe, sowie die neuen Erkenntnisse der Wissenschaft in Bezug auf Bakterien und dem Bedürfnis nach Hygiene.

Flohfalle. Foto: Annalena Thanei

Die Flohfalle

Ein einfaches Hilfsmittel zum Fangen von Flöhen waren die sog. Flohfallen, welche in Holz, Knochen oder Elfenbein angefertigt wurden. Die verzierten Anhänger enthielten in ihrem Inneren, aromatische und klebrige Stoffe wie Leim, Honig, Öl oder Sirup, an dem das kleine Ungeziefer kleben blieben. Die Flohfallen wurden auf der Brust oder im Ärmel des Kleides getragen. Zu diesem Zwecke haben die Damen des Öfteren auch kleine Hunde auf dem Arm getragen.

Verschiedene Regenschirme. Foto: Annalena Thanei

Regenschirm und Kutsche

Es gab bereits Regenschirme in der römischen Antike, dennoch kamen sie erst ab dem 19. Jahrhundert wirklich in Umlauf. Bis dahin schützen sich Adelige in ihren Kutschen vor dem Regen, das einfache Volk hingegen nur mit Regentüchern oder Mänteln. Nicht sehr wohlhabende, aber dennoch um Prestige bemühte Personen, benutzten bei schlechtem Wetter bewusst keinen Schirm, damit niemand meinen konnte, sie besäßen keine Kutsche.

Schuhe mit Absatz. Foto: Annalena Thanei

Die Geschichte des Absatzes

Ägyptische Metzger trugen meist Absätze, damit sie nicht mit den Füßen im Blut waten mussten. Mongolische Reiter hatten auch Stiefel mit Absätzen, um sich besser in den Steigbügeln halten zu können. Als modisches Attribut wurden Absätze erstmals im Jahr 1533 aktenkundig: Die zartwüchsige Katharina von Medici trug Schuhe mit Absätzen, um größer zu erscheinen. Schon bald fand diese Mode zahlreiche Nachahmerinnen.

 

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