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Frauenmuseum | Museo delle donne

„Erkennen, dass aus jeder Krise etwas Neues entstehen kann und wird…“

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Elfriede Zöggeler, unsere Frau des Monats April, ist eine umtriebige Frau. Nach der Familiengründung hat sie sich ihren Traum erfüllt, ein Studium abgeschlossen, um ihren Wunschberuf auszuüben. Mit Hingabe und Kreativität ist sie heute nicht nur Lehrerin, sondern recherchiert, forscht und publiziert auch zur regionalen und lokalen Geschichte.

Wie kam es zu deinem Studium?

Es war schon in der Jugendzeit mein Wunsch, ein Studium zu beginnen, um irgendwann den Lehrberuf ausüben zu können, dies war aber damals finanziell nicht realisierbar. Nach der Familiengründung bzw. als beide Söhne aufgrund ihres Berufswunsches außer Haus gingen, hatte ich auf einmal wenig Beschäftigung und viel Zeit. Ein ähnliches Schicksal ereilte meine Jugendfreundin Hanni. So entschlossen wir uns, Neues zu wagen und ein Germanistik- und Geschichtsstudium zu beginnen. Gemeinsam haben wir Vorlesungen und Seminare bestritten, Gedanken ausgetauscht und uns so gegenseitig motiviert. Nach dem erfolgreichen Studienabschluss gelang es auch gleich, in den Lehrberuf einzusteigen.

Worüber publizierst, forscht und recherchierst du seitdem?

Seither ergeben sich ab und an Anfragen, die mich animieren, zu bestimmten Themen zu forschen. So zum Beispiel die Bekanntschaft mit einer niederländischen Kunsthistorikerin. Sie schrieb über ihre Familiengeschichte, deren Schauplätze samt einer wertvollen Kunstsammlung auch Südtirol betrafen und das führte zu Nachforschungen über die Wehrburgsammlung.

Elfriede Zöggeler mit der Niederländischen Kunsthistorikerin Olga Majeau

Artikel über Meraner Hotels, wie Kaiserhof, Hotel Europa und Tirolerhof waren wohl der Anlass, dass ich eingeladen wurde, den Beitrag zur Entwicklung des Kochberufes „heiß und kalt“ (2018) im Forschungsprojekt „Hinter den Kulissen“ des Touriseums zu präsentieren und publizieren. Die Themen sind immer wieder neu und unterschiedlich, was bleibt, ist die Nähe zur regionalen bzw. lokalen Geschichte.

Du hast zusammen mit anderen Autor*innen eine Biographie von Maridl Innerhofer herausgegeben. Wie kam es dazu?

Mit Maridl Innerhofer († 13.8.2013), die übrigens am 2. April 2021 ihren 100. Geburtstag feiern würde, verband mich eine jahrelange Freundschaft, wodurch ich erfuhr, dass sie ihren schriftstellerischen Nachlass dem Forschungsinstitut Brenner-Archiv der UNI Innsbruck übertragen hatte. Nach ihrem Ableben reifte die Idee, mich mit ihrem reichhaltigen Nachlass auseinanderzusetzen. Just in dieser Zeit wurden in Marling Vorbereitungen zum 5. Gedenktag von Maridl getroffen. Der damalige Bürgermeister, Walter Mairhofer, fragte mich, ob ich etwas beitragen würde. In Absprache mit Maridls Sohn und Enkelin sowie mit Vertretern des Heimatschutzvereins und des Bildungsausschusses Marling entstand in der Folge eine Arbeitsgruppe, der sich auch Freunde und Bekannte anschlossen, die für das Buch „I bin durch viele Tirn gongen“ (Raetia Verlag) Beiträge erstellten, welche von wissenschaftlichen Erkenntnissen über historische Ereignisse bis hin zu persönlichen Anekdoten reichen.

Elfriede Zöggeler mit Vertretern des Heimatschutzvereins Lana, links Helmuth Gruber, Kassier, rechts Ortsobmann, Franz Kröss.
Erzählst du von deinem neuesten Buchprojekt?

In Zusammenarbeit mit der Illustratorin Sonia Tubaro wird voraussichtlich heuer ein zweisprachiges Büchlein erscheinen, worin 30 namhafte Burgen zwischen Meran und Bozen sowie Sagen samt Illustrationen vorgestellt werden.

Du bist von Beruf Lehrerin an der Hotelfachschule Kaiserhof. Was ist dir bei deiner Arbeit besonders wichtig? Welchen Projekten widmest du dich dort?

Wie bei jeder Lehrperson, stehen neben dem Vermitteln von konkretem Wissen auch soziale Kompetenzen und Erziehungsarbeit, insbesondere respektvolles und harmonisches Verhalten im Vordergrund. Besonders gute Erfahrungen konnten die Student*innen, in Zusammenarbeit mit außerschulischen Institutionen, an externen Lernorten sammeln. Es gelang immer wieder, die Schüler*innen in Theater- oder Museumsprojekte einzubinden, wobei sie sowohl ihre Praxiskenntnisse als auch das Allgemeinwissen erweitern und gleichzeitig auch demonstrieren konnten. Durch das Auftreten der Corona-Pandemie, musste das ursprünglich für März 2020 geplante Kafka-Projekt, welches zwischenzeitlich aufgeschoben wurde, auch im heurigen Schuljahr abgesagt werden.

Derzeit werden die Schüler*innen ermuntert, über Krisenzeiten und Pandemien der Vergangenheit zu recherchieren und Vergleiche zur Gegenwart zu ziehen. Wie die Historie lehrt, sollen sie erkennen, dass aus jeder Krise etwas Neues entstehen kann und wird.

Landeshotelfachschule Kaiserhof Schulbibliothek Autorenlesung 2015 mit Toni Bernhart
Zu deinen Leidenschaften zählt auch das Malen, richtig? Erzählst du uns davon?

Sagen wir so, die Hobbymalerei bedeutet für mich Ausgleich und vor allem nach beeindruckenden Erlebnissen bietet sie Entspannung; oft fühlt sich das Malen wie eine Katharsis an und so gibt es zu jedem Bild auch eine Hintergrundgeschichte. Das Malen bedeutet für mich daher nicht, dass ich etwas beweisen möchte, sondern, dass ich etwas versuchen will und es mir gleichermaßen Spaß bereitet.

Elfriede Zöggeler beim Malen
Wie nimmst du deine Rolle in der Familie wahr? Ist es für dich möglich/selbstverständlich dir den Freiraum zu nehmen, um deinen Fähigkeiten und Interessen nachzugehen?

Ich fühle mich meiner Familie eng verbunden und freue mich immer mit Kinder- und Kindeskindern gemeinsam etwas zu unternehmen. Gerade mit den Enkelkindern darf ich die Natur aufs Neue entdecken und mit ihnen kreativ sein. Gerne malen wir Blumen im Garten, lesen, kochen und spielen gemeinsam und oft lerne auch ich wieder etwas dazu.

Für Außenstehende mag es scheinen, dass die vielen beruflichen und privaten Verpflichtungen, die unter einem Hut zu bringen sind, keine Freiräume gewähren können, doch hat mich die Erfahrung gelehrt, dass es gilt, Prioritäten zu setzen, denn, wer einen Freiraum will, muss bewusst für ihn einstehen, nach dem Motto „Alles hat seine Zeit“.

Was ist dein Lebensmotto?

Zufriedenheit bedeutet, dass man nicht alles haben, aber das Beste aus allem machen kann.

Was ist für dich Erfolg?

Jeder noch so kleine, aber geleistete Schritt, der zu einem erreichbaren Ziel führt.

Wen bewunderst du?

Menschen, die sich einsetzen und ihre Zeit opfern, anderen zu helfen.

Eine Lebensweisheit?

„Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen.“ (nach Joh. W. v. Goethe)

 

Interview: Sissi Prader und Judith Mittelberger

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