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Das Wort ‚scientist‘ und die Frau, für die es erfunden wurde

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Kennt ihr Mary Somerville (1780 – 1872), die Frau, für die das englische Wort für Wissenschaftler*in, ‚scientist‘, eingeführt wurde? Wir haben uns gefragt, wie die schottische Autodidaktin zu so großem Einfluss in der Wissenschaftswelt gekommen ist und wie sie die Rolle von Frauen in den Wissenschaften bis heute prägt.

Der Begriff ‚scientist‘ – Wissenschftler*in hatte nicht immer die männliche Konnotation, die dem Wort heute anhaftet. Im Gegenteil – der Begriff wurde eingeführt, um eine Frau zu beschreiben: Mary Somerville. Die schottische Astronomin und Mathematikerin hatte sich ihr Wissen selbst angeeignet und im 19. Jahrhundert große Bekanntheit erlangt:

  • Gemeinsam mit Caroline Herschel wurde sie als erste Frau in die Royal Astronomical Society aufgenommen
  • Als der Philosoph und Ökonom John Stuart Mill eine große Petition für das Frauenwahlrecht im englischen Parlament einreichte, bat er Somerville um die erste Unterschrift.
  • Sie war Lehrerin der berühmten Mathematikerin Ada Lovelace, auch bekannt als erste Computer Programmiererin.

Als Somerville 1872 verstarb, stand in der Todesanzeige der The Morning Post geschrieben:

Whatever difficulty we might experience in the middle of the nineteenth century in choosing a king of science, there could be no question whatever as to the queen of science.

(Egal, welche Schwierigkeiten wir in der Mitte des 19. Jahrhunderts haben, einen König der Wissenschaft zu wählen, es ist keine Frage, wer die Königin der Wissenschaft ist.)

Mary Somerville, painting by Thomas Phillips.

Wie kam die ‚Königin der Wissenschaft‘ nun aber dazu, den Begriff ‚scientist‘ zu prägen? 1834 veröffentlichte Somerville ihre Abhandlung On the Connexion of the Physical Sciences und hatte damit ein bahnbrechendes Buch vorgelegt.

Und das an einem kritischen Moment für die Wissenschaft. Somerville war diejenige, die mit ihrem vernetzenden Blick verschiedene Disziplinen zusammenführte und setzte damit das um, was wir heute Interdisziplinarität nennen.

Ihr Werk On the Connexion of the Physical Sciences beinhaltete eine komplette wissenschaftliche Bestandsaufnahme der Welt, von Sternen bis zu Insekten. Es führte Erkenntnisse der Astronomie, Physik, Chemie, Geografie, Meteorologie und Elektromagnetismus zusammen. Das Buch wurde zehnmal aufgelegt und auch in Frankreich, Italien, Deutschland und den Vereinigten Staaten veröffentlicht.

Zu der Zeit wusste niemand wirklich wie ein Wissenschaftler bezeichnet werden sollte. Im Spiel waren Namen wie ‚savant‘, Französisch für ‚Mann des Lernens‘, das deutsche Wort ‚Naturforscher‘ oder auch ‚natural philosopher‘. Doch keiner der Begriffe schien passend.

Als William Whewell, von der Universität Camebridge, Somervilles Buch rezensierte, nannte er sie ‚scientist‘ – ein Wort, das es bis zum damaligen Zeitpunkt nicht gegeben hatte. Die übliche Bezeichnung ‚man of science‘ konnte für sie ja nicht verwendet werden und außerdem war sie nicht nur eine Physikerin, eine Geologin, oder eine Chemikerin – sondern sie war alle drei und noch mehr.

In Anlehnung an den Begriff ‚artist‘, als eine Person, die sich der Kunst widmet, prägte Whewell den Begriff ‚scientist‘, als eine Person, die sich den Wissenschaften widmet.

So kam es, dass Mary Somerville nicht nur als ausgezeichnete Wissenschaftlerin in die Geschichte eingehen sollte, sondern als Vorreiterin der Interdisziplinarität und als Namensgeberin des Begriffs ‚scientist‘.

 

Nähere Informationen und Quellen:

https://blogs.kent.ac.uk/sciencecomma/files/2015/04/whewell_1834_scientist.pdf

https://www.brainpickings.org/2016/12/26/mary-somerville-scientist/

https://www.nature.com/articles/514432a

 

Judith Mittelberger

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