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Sklaverei – die Erbsünde Europas? – Teil 1

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Den heutigen Beitrag beginne ich mit meinen eigenen Überlegungen. Seit Jahren beschäftige ich mich schon mit den im Titel aufgegriffene_n Fragen und Themen. Schon mit dem Konzept der Erbsünde konnte ich seit meiner Jugend wenig anfangen. In der biblischen Geschichte kommen Adam und Eva vor, der Garten Eden, Gott, ein Baum der Erkenntnis, dessen Früchte und eine Schlange. Der erzieherische Aspekt ist durchaus noch verständlich: Eine Zuwiderhandlung gegen das Verbot, vom Baum der Erkenntnis zu essen, bringt eine Sanktion mit sich. Aber die Bestrafung der gesamten Menschheit mit der Sterblichkeit? Das stand für mich in keinem Verhältnis zur verfehlten Tat zweier Personen.

Noch unverständlicher für mich war es, dass – wie ich später erfuhr – die gesamte Geschichte, laut einigen Kirchenlehren, sich eigentlich auf die Sexualität und die Lust bei der Zeugung bezog. Und Eva als die Verführerin zum Übel dargestellt wird. Um so viele Ecken hätte ich von selbst nie gedacht!

Mit der Zeit kam ich für mich persönlich zum Schluss, dass, sollte es so etwas wie eine Erbsünde geben, diese in (m)einem weißen, europäischen Kontext vielmehr mit der Geschichte der verschiedenen Kolonisierungen ab der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus 1492 und der damit verbundenen Gewalt, Sklaverei, Unterdrückung und Diskriminierung zu tun haben könnte. Weder das Zuwinderhandeln gegen ein Verbot noch (Lust an) Sexualität erschienen mir Grund genug für eine Sanktion, der in vielerlei Hinsichten gewaltvolle Umgang mit Personen im Kontext der Kolonialismen allerdings sehr wohl.

Stellt sich die Frage, ob diese meine These haltbar ist oder nicht.

Bildquelle: Pixabay

Und warum all diese Gedanken heute im Blog? Anlass dafür ist der von der UNESCO eingeführte Internationale Tag der Erinnerung an den Sklavenhandel und dessen Abschaffung – kurz auch: Welttag gegen Sklavenhandel, der am 23. August begangen wurde. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1791 begann in der französischen Kolonie Saint-Domingue (heutiges Haiti) einer der ersten Sklavenaufstände, der „eine entscheidende Rolle bei der Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels spielte.

An diesem Zeitpunkt lässt sich bereits auf eine lange Geschichte der Sklaverei und des Sklavenhandels zurückblicken. Im ersten Teil der ARTE Dokureihe „Menschenhandel – Eine kurze Geschichte der Sklaverei“ von Daniel Cattier, Juan Gélas und Fanny Glissant (Frankreich 2018) wird Folgendes herausgearbeitet:

  • Bereits in den frühesten Hochkulturen der Menschheit gab es Sklaverei;
  • ab dem 7. Jahrhundert nach Christi Geburt enstanden zwischen Kairo, als wichtigster Stadt des Islamischen Reiches und Knotenpunkt auf dem afrikanischen Kontinent, und Timbuktu, der „Hochburg der großen afrikanischen Königreiche„, transsaharische Karawanenwege, die dem Handel und Transport von systematisch gejagten Sklaven dienten.

Afrika wurde dementsprechend schon im 7. Jahrhundert zu einem Epizentrum für den Menschenhandel und seine Bevölkerung „zur wichtigsten „Ressource“ des größten Menschenhandelnetzwerks der Geschichte.“ Damals war Europa noch gar nicht involviert.

Ich kannte diesen Teil der Welt-Geschichte bis zur Recherche für den heutigen Beitrag nur vage bis gar nicht. Vielmehr war mir nur eine Geschichte ab dem Zeitpunkt, an dem auch Euro_päerinnen involviert waren, vertraut. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.

  • Wo blickt das Auge der Geschichte hin?
  • Was und wieso lerne ich die Geschichte der Sklaverei nur ab einem bestimmten Zeitpunkt in den Bildungsinstitutionen?
  • Wie viel Raum soll der Geschichte rund um die eigene Position (z.B. als Euro_päerin) und wie viel der Geschichte anderer Positionen in der (historischen) Bildung zukommen?
  • Wer ist für eine ausgewogene Gewichtung verantwortlich? Wir selbst und alleine? Oder auch Bildungsinstitutionen und -vermitt_lerinnen?

Fakt ist, dass wir im europäischen Kontext über die Geschichte der Sklaverei am meisten wissen, seit Europa darin involviert ist. Und eine sehr katholische Art der Auseinandersetzung damit haben.

Häufig beginnen Auseinandersetzungen mit Sklaverei und Sklavenhandel mit dem 15. Jahrhundert. Gegen Ende des Mittelalters segelten Eroberer verschiedenster europäischer Länder und Königreiche auf der Suche nach Reichtümern (und auch Wissen) um die Welt. Es entstand ein internationales Handelsnetz, das von Japan und China, über Indien, Afrika und Europa bis in die Amerikas reichte. Gehandelt wurde mit Gewürzen, Gold, Edelsteinen und Sklav_innen – mit Menschen, die „als Eigentum anderer angesehen und behandelt werden.“

Rund um den Atlantik entstand bald der sog. Dreieckshandel: Schiffe fuhren „mit Waren an die Küste Westafrikas, um sie dort gegen Menschen einzutauschen. Diese wurden nach Amerika gebracht und dort verkauft, Familien wurden willkürlich auseinandergerissen. Von dort aus fuhren Schiffe zurück nach Europa, beladen mit Produkten wie Zucker, Kaffee oder Baumwolle, die durch Sklavenarbeit geerntet oder hergestellt worden waren.

Bildquelle: Wikimedia Commons, Simon Ifergan, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Slave_route.jpg

In der „Neuen Welt“ bildete anfänglich das Zuckerrohr mit seinen Plantagen die landwirtschaftliche Grundlage für die Ausbeutung der als Arbeitskräfte dorthin gebrachten Sklav_innen.

Im 17. Jahrhundert systematisierte sich, aufgrund der Gier verschiedener europäischer Mächte nach Zucker und dem daraus folgenden Handelskrieg, der Sklavenhandel – fast 7 Millionen Afrika_nerinnen befanden sich in Gefangenschaft.

Für versklavte Frauen standen in den USA des 19. Jahrhunderts neben dem menschenverachtenden Umgang mit ihnen und der äußerst harten körperlichen Arbeit noch weitere Formen der Ausbeutung auf der Tagesordnung: sexuelle Übergriffe, sexuelle Ausbeutung und Vergewaltigung durch ihre Besitzer und nicht zuletzt auch die Ermutigung (oder Zwang?) zu Ehen und zur Fortpflanzung. Letztere dienten den Besitz_erinnen vor allem dazu, ihren Sklavenbestand auf ökonomisch möglichst günstige Weise zu vergrößern. In Teil 4 der ARTE Dokureihe wird die Situation knapp auf den Punkt gebracht: „Der Bauch der Frau ist Teil des Produktionssystems, die Besitzer nehmen sich auch hier jede Freiheit.

Über eine besonders spannende Frau, weil widerständige Sklavin möchte ich euch am Freitag, im zweiten Teil des Beitrags erzählen. Und außerdem bin ich euch ja auch noch eine Antwort auf die im Titel gestellte Frage schuldig 😉

Doch jetzt nochmal zurück zum heutigen Thema. In der Nacht vom 22. auf den 23. August 1791 begannen – auch angefacht von der in der französischen Erklärung der Menschenrechte verkündeten Freiheit – die ersten Sklavenaufstände. Bis zur Abschaffung des Sklavenhandels sollte es allerdings noch einige Jahre dauern. In den Vereinigten Staaten trat das Verbot 1807 in Kraft. Die europäischen Großmächte hingegen beendeten, auf Druck der Briten, den transatlantischen Sklavenhandel erst ab 1815. Da die Arbeitskraft der Sklav_innen für die Aufrechterhaltung des Lebensstils und Expansion der Großmächte nach wir vor dringend benötigt wurde, endete die Ausbeutung allerdings nicht Anfang des 19. Jahrhunderts, sondern nahm vielmehr für viele weitere Jahrzehnte nur andere Routen und Formen an.

Das Ende des Sklavenhandels ist nicht das Ende der Sklaverei…

 

Yvonne Rauter

 

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