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Schnappschüsse von starken Frauen in Sambia – Teil 2

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Hier folgt der zweite Streich – ich darf inspirierende Frauen vorstellen, die ich letzten Sommer im Rahmen eines Entwicklungsprojektes in Sambia kennengelernt habe. Den ersten Teil findet ihr hier.

Chiseke Women Organisation (CWO)

Die Chiseke Frauenorganisation war unsere Partnerorganisation. Wie schon erwähnt ist die CWO eine wohltätige Frauenorganisation. Sie besteht aus etwa dreißig Frauen, die im Rahmen von Gesprächen und aufgrund ihres Charakters als Mitglieder ausgewählt werden, wie uns gesagt wurde. Die meisten von ihnen sind Witwen oder geschieden, im Großen und Ganzen also Frauen, die eher auf sich alleine gestellt und nicht gerade am besten abgesichert sind.

Frauen der Chiseke Women Organisation bei der Arbeit

Als ich die Mitglieder während der ersten zwei Wochen in Sambia nach und nach kennenlernte, wurde die Liste derer, über die ich Porträts schreiben wollte, immer länger. Doch dann dachte ich, dass ein Blogpost mit dreißig Porträts bei den Lesenden vielleicht nicht so gut ankommen würde. Daher also ein Beitrag zur ganzen Truppe.

Die CWO ist nur eine von mehreren Frauenorganisationen in der Gegend und besteht aus Frauen, die ihre Pflichten als Bäuerinnen, Gemeindemitglieder, Ehefrauen, Mütter und Großmütter mit Aktivismus auf lokaler Ebene vereinbaren, um das Leben von Frauen durch Empowerment und Emanzipation zu verbessern. Konkret heißt das, dass sie nun Kochöl aus Erdnüssen kommerziell produzieren, einmal in der Woche stellen sie zudem umweltfreundlichere Kohle aus Erdnussschalen her, eine weitere Initiative ist das „village banking“ (lokales Kredisystem).

Entwicklungsarbeit, die sich gezielt an Frauen richtet, ist mittlerweile kein Geheimtipp mehr, auch die Mächtigen in den höchsten Reihen von globalen Institutionen wissen, dass es oft die Frauen sind, die Schlüsselrollen innehaben, wenn es darum geht, neue Gewohnheiten zu kreieren oder gute Angewohnheiten weiterzugeben – sprich: Oft sind es die Frauen, die ganz konkret Entwicklungsarbeit vorantreiben. Eine Investition in ihre Aus-und Weiterbildung ist daher einer der rentabelsten Schritte in der Entwicklungsplanung. Dem möchte ich nachstellen, dass ich es persönlich nicht für nötig halte, solche Schritte überhaupt mit Rentabilität zu rechtfertigen.

Die Unterhaltungen zum Thema weibliche Emanzipation, denen ich üblicherweise begegnet bin, sind recht abstrakt, intellektuell und oft sogar von meinem eigenen Leben eher entfremdet. Ich möchte keinesfalls den Wert solcher Diskurse infragestellen, aber fand es doch erfrischend, andere Ansätze in einer anderen Umgebung kennenzulernen – und beispielsweise zu sehen, wie das Zermahlen von verbrannten Erdnusschalen zu einem kommerziellen Produkt werden und damit die individuelle Autonomie einer Frau im ländlichen Sambia erhöhen kann.

 

Die stellvertretende Direktorin

Noch eine Frau, an deren Namen ich mich nicht erinnern kann, obwohl ich mich ein paar Mal mit ihr unterhalten habe. Das hat vielleicht etwas damit zu tun, dass Titel in Sambia sehr beliebt sind und Namen dabei manchmal in den Hintergrund rücken.

Die stellvertretende Direktorin bat in ihr Büro zwischen zwei Klassenzimmern der Kashima West Grundschule. Es war ein winziger Raum, aber irgendwie fanden wir sieben Freiwillige doch alle auf den Sofas und Stühlen neben ihrem Schreibtisch Platz. Das Büro war dunkel, die Wände vollbehangen mit Stundentafeln, Regierungspostern und Lehrer*innen-Turnussen, und kleine Gesichter guckten immer wieder durchs Fenster, neugierig auf den komischen Besuch.

Kashima West Grundschule

Unsere Gesprächspartnerin lenkte derzeit die Geschicke der Schule anstatt des Direktors, der sich mit seiner Familie vorübergehend irgendwo anders aufhielt (was sich für uns als sehr praktisch herausstellte, weil wir in seinem Haus wohnen konnten). Das bedeutete, dass sie eine Gemeinschaft von sieben Lehrer*innen und mehr als 400 Schüler*innen zu managen hatte.

Als wir den detaillierten Berichten ihres Arbeitsalltags zuhörten, wurde bald klar, dass es sich hier um einen der weniger fröhlichen Austausche in Sambia handeln würde. Als wir fragten, welches denn die größten Herausforderung seien, mit denen die Schule konfrontiert sei, hörte sie fast gar nicht mehr auf zu reden. Tatsache ist, dass es an allem fehlt. An ordentlichen Fensterscheiben, Tischen, Bänken, Stühlen, Kreide und anderen Lehrmaterialien, an Lehrer*innen, Ressourcen, um benachteiligte Kinder und ihre Familien zu unterstützen. Irgendwie war ich dankbar für die nüchterne Darlegung ihrer täglichen Realität – hier wurde nichts schöngeredet für Besucher*innen. Von Anfang bis Ende war ihr Gesichtsausdruck ernst. Sie wirkte auch einfach müde, wie so viele Frauen überall müde sind vom Alles-Unter-Einen-Hut-Bekommen-Müssen, ohne um Hilfe zu fragen oder ganz einfach Gerechtigkeit zu verlangen.

Nachdem sie fertig geredet hatte, herrschte eine Weile Stille im Raum. Wir wussten gar nicht, wo wir hinschauen sollten, geschweige denn, was wir sagen sollten. Dann brach sie die Stille, und sagte: „Unterrichten in Afrika, das ist hart.“

 

Lisa Settari

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