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„Wenn frau will, steht alles still!“

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1991 fand der erste Frauenstreik in der Schweiz statt. Vieles hat sich seitdem verändert. Aber vieles leider auch nicht. Um Gerechtigkeit im gesellschaftlichen, beruflichen und privaten Leben zu fordern, haben in der Schweiz am 14. Juni 2019 Tausende Frauen und auch Männer gestreikt, sind auf die Straße gegangen und haben protestiert. Der Schweizer Gewerkschaftsbund (SGB) spricht von der „größten politischen Demo der Geschichte“.

Mittendrin war Martha Beéry, Gründerin der Interessengemeinschaft Frau und Museum, die seit über 10 Jahren an der Gründung eines Frauenmuseums in der Schweiz arbeitet. Sie beantwortet unsere Fragen zu diesem spannenden Moment in unserem Nachbarland.

Wer hat den Frauenstreiktag organisiert?

Die Idee entstand an einem Frauenkongress des SGB. Gruppen aus der Romandie nahmen sie auf und bewirkten eine Gründungswelle von lokalen Frauenstreik-Kollektivs. Diese organisierten dann die Demonstrationen und Programme an den einzelnen Orten. Auch die dazu notwendige nationale Koordination entstand. Der grösste Nationale Streik in der Schweiz entwickelte sich und breitete sich aus, war also nicht etwa das Ergebnis einer hierarchischen Organisation.

Was waren die Themen 1991 und welche sind es heute?

1991 ging es vor allem um Gleichstellung. Damals war der Gleichstellungsartikel noch nicht in der Bundesverfassung, er trat erst am 1. Juli 1996 in Kraft. Heute ist es den Frauen besonders wichtig, dass sie den längst versprochenen gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit erhalten. Dazu kommt das Problem der 5,5 Milliarden Arbeitsstunden im Wert von 247,5 Milliarden Fr. (221,39 Milliarden Euro), die sie in Betreuungsarbeit in Familie, Verwand- und Nachbarschaft leisten und für die sie keinen Lohn erhalten. Dadurch wird diese Leistung auch nicht rentenwirksam. Viele Frauen, auch mit anderen Anliegen, haben den Tag genutzt, um auf andere „Ungleich-Stellungen“ aufmerksam zu machen.

Wie hast du den Streiktag erlebt?

Ich wirkte beim Strassentheater mit. Schon die Erarbeitung der Szenen war spannend. Wir sehr verschiedenen Frauen kamen über unsere Situationen intensiv ins Gespräch.

2019-06-21 Martha Beéry trägt Milliarden Text vor (Foto Jolanda Spirig)
Und dann kam die grosse Überraschung

Die Evangelische Volkspartei hatte vor, im eidgenössischen Parlament eine Motion für ein nationales Frauenmuseum einzureichen. Dies um die Frauengeschichte in der Schweiz sichtbar zu machen, dies auch mit Blick auf die Zukunft der Frauen in der Schweiz. Ich war sehr glücklich darüber, dass ich dazu kontaktiert wurde und damit auch das Hintergrundwissen, die Erfahrungen und die Sicht der IG Frau und Museum einbringen konnte.

Motion für ein nationales Frauenmuseum
War der Streik ein Erfolg? Wie siehst du die Bedeutung dieses Streiks?

Der Streik war ein großer Erfolg. Er hat vor allem gezeigt, dass viele Frauen die „Verzögerungstaktik“ in Sachen Gleichstellung nicht mehr länger dulden wollen und weitere Schritte erwarten, damit die im Gesetz versprochene Gleichstellung in der Schweiz endlich Realität wird.

 

Interview: Judith Mittelberger

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