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Wechseljahre – 3 Frauen im Gespräch

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Der Neumond ist wieder da und damit für uns Zeit für die Rubrik Tante Rosa. Ich habe vor einiger Zeit mit meinen Freundinnen Karin Raffeiner und Irene Hager ein sehr interessantes und gutes Gespräch zum Thema Wechseljahre geführt. Und wie so oft: Wenn drei Frauen miteinander über etwas sprechen, das tief das Leben berührt, kommt etwas Wertvolles dabei raus. Etwas, das hier aufgeschrieben und weitergegeben gehört…

Irene: Erst kürzlich hat mich mein Mann darauf aufmerksam gemacht, dass ich vorbeugend zu viel tue gegen die Wechseljahre. Er meinte: Sie kommen ja sowieso. Das hat mich zum Nachdenken gebracht…

Karin: Ich kann dich gut verstehen. Wir machen alle einen Wirbel rund um die Wechseljahre. Das hat damit zu tun, dass wir in der heutigen Gesellschaft eine tief verwurzelte Ablehnung gegen die Zustände während der Wechseljahre haben.

Astrid: Das stimmt! Und die ist ursprünglich nicht von den Frauen ausgegangen, genauso wenig wie die gegenüber der Menstruation. Wir Frauen sollten ja am besten nicht alt werden …

Irene: Ja, und du darfst nicht schwitzen, nicht „grantig“ sein, nicht sensibel …

Karin: … nicht kompliziert, nicht männlich werden, obwohl das normal ist.

Astrid: Hm, ich würde das „männlich“ unter Anführungszeichen setzen, weil es eigentlich nicht so ist…

Karin: Ja, aber so wird es von der Gesellschaft wahrgenommen. Viele bekommen einen Damenbart, werden um die Körpermitte anders. Hier wird Normalität nicht anerkannt.

Irene: Unsere satte Weiblichkeit wird dünner. Zum Beispiel haben wir auch nicht mehr so eine dicke Haarmähne. Viele Frauen fürchten sich davor. Nicht wenige von uns schneiden sich u.a. deswegen die Haare. Aber nicht nur, weil die Haare dünner werden. Einerseits fühlen sie sich nicht mehr so weiblich, andererseits sind sie vielleicht auch froh, nicht mehr so weiblich zu sein. Nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen kurze Haare, aber…

Karin: … vielmehr etwas dagegen, wenn es uns geraten wird, in Zeitschriften und Ratgebern.

Irene: Genau. Denn dahinter steht was Anderes, seien wir uns ehrlich: Lange, graue Haare sind gefährlich.

Karin: Nicht umsonst, tragen viele Schamaninnen eine weiße oder grauhaarige Mähne.

Astrid: Letzthin kommen sie sogar so etwas wie in Mode…

Karin: Nehmen wir ein anderes Beispiel: Klischee ist, dass Frauen den Haushalt und die Kinder über haben, der Mann Sport betreibt und so einige Rollen in der Gesellschaft übernimmt, ob nun bei der Freiwilligen Feuerwehr oder bei den Musikanten. Wenn die Kinder aus dem Haus gehen, ändert sich plötzlich etwas. Die Frauen sind nun in KVW-Reisen unterwegs, steigen verstärkt in den Kirchenchor ein, usw. Sie gehen nach außen, übernehmen Rollen in der Gesellschaft, genau zu dem Zeitpunkt, in dem die Männer sich eher zurückziehen und häuslicher werden. Was nicht bedacht wird: Die Wechseljahre beeinflussen beide Geschlechter. Die Männer bekommen mehr Östrogene, während sie bei den Frauen versiegen.

Astrid (schmunzelt): Also bekommt gar nicht die Frau mehr Testosterone? Und wird damit nicht „männlicher“. Wenn hingegen die Männer mehr Östrogene bekommen, wieso fürchten sie nicht, „weiblicher“ zu werden – schon klar, wieso sie es nicht tun (lacht).

Karin: Auf den Punkt gebracht: Das Verhältnis zueinander verändert sich im Hormonhaushalt – bei beiden Geschlechtern.

Astrid: Und dann klappen die Klischees zusammen.

Irene: Genau.

Karin: Weil man Frauen das nicht zusteht. Bevor sie das erste Mal schwanger werden, sind sie sehr expressiv. Zu anderen Zeiten und in anderen Kulturen waren sie sogar Kriegerinnen bis zur Schwangerschaft. Jedenfalls sind sie äußerst aktiv und das ist einer der Gründe für mich, wieso man Mädchen versucht hat, so früh wie möglich zu verheiraten. Dann wurde diese Phase schneller beendet. Auch bei uns waren sie oft auf der Alm, eins mit der Natur „verwilderten“ laut gesellschaftlicher Meinung. Da hätten sie auf die Idee kommen können, keinen Mann zu brauchen. Sicher nicht.

Astrid: Hm, dies aus hormoneller Sicht zu betrachten – das ist interessant!

Karin: Wir Frauen haben eigentlich viele verschiedene Phasen, die nicht anerkannt werden.

Irene: Seit ich in den Wechseljahren bin, kann ich gar nicht anders, als mich auf mich zu beziehen.

Astrid: Wieso?

Irene: Das weiß ich nicht, mir bleibt – wie gesagt – keine andere Wahl. Seit ich sie annehme, ist es so, und mir geht es wunderbar.

Karin: Aber das ist so was von anstrengend, wenn eine Frau so ist. So was Egoistisches…

Astrid: … und damit wieder Gefährliches …

Irene: Derweilen funktioniere ich nicht mehr.

Karin: Das ist ja auch der Sinn der Wechseljahre. Als Mutter z.B. ist es sogar gesund, manchmal in solchen Abläufen reinzupassen, aber die wechselnde Frau, die sich zeitweise nur selbst was schuldig ist, ist genauso wichtig.

Irene: Ich habe natürlich das Glück, dass es mir in meinem Körper gutgeht. Ich spüre zwar manchmal Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen, aber sie beeinträchtigen mich nicht zu stark.

Astrid: Während ich hingegen körperlich unter meinen Wechseljahren schon zu leiden hatte. Ich musste auf mich schauen – was nichts Schlechtes ist. Für mich war es auch ein klarer Abschluss gewisser Kapitel in meinem Leben.

Karin: Ich spüre schon manche hormonelle Veränderungen, mit denen ich Mühe habe – aber ich sollte vielmehr sagen: Ich habe sie Mühe anzunehmen.

Astrid: Wir können also einen Rat weitergeben: Frauen, nehmt die Wechseljahre und damit zusammenhängende Veränderungen emotional an …

Irene: … und auch körperlich bis zu einem bestimmten Punkt …

Karin:  Natürlich kann ich etwas tun, wenn sie mich in meinem Selbstausdruck zu behindern beginnen. Dafür haben die Frauen zu allen Zeiten sich zu helfen gewusst!

 

Irene Hager ist Fachbuch-Autorin und Kulturvermittlerin. Mit ihrer Freundin Thea Unteregger gestaltet sie das zweite Jahr eine Begleitung durch den Jahreskreis, ist die Filzlehrerin an der Winterschule in Ulten und arbeitet seit Jahren immer wieder mit Frauen.

Karin Raffeiner war jahrelang als Krankenpflegerin tätig, zuletzt in der Psychiatrie in Schlanders und betreut heute die Aromapflege in den Altersheimen von Laas und Schluderns. Sie hat seit einigen Jahren eine mongolische Jurte im Garten, die der Ort für ihre schamanische Tätigkeit darstellt. Dabei bietet sie auch immer etwas exklusiv für Frauen an.

Und wer ich bin, findet ihr hier.

Astrid Schönweger

Die Rubrik #tanterosa, einmal im Monat mit Tipps und Infos

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